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Spur führte nach Lüdenscheid: Kripo rollt Mädchen-Mord ohne Leiche wieder auf

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Von: Jan Schmitz

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Die Beschreibung wurde im aktuellen Fahndungsaufruf noch einmal wiederholt: 1,60 Meter groß, mittelschlanke Figur, sie trug halblanges, dunkelbraunes bis schwarzes Haar und war bekleidet mit einer dunkelgrünen Hose, einem gelben, kurzärmeligen Pullover und einer rot-schwarz gemusterten Strickweste. Zudem trug sie braune Halbschuhe. © Foto: Polizei Oberpfalz

Lüdenscheid - 42 Jahre nachdem die zwölfjährige Monika Frischholz in der Oberpfalz  verschwand, sind Polizei und Staatsanwaltschaft überzeugt, dass das Mädchen ermordet wurde. Eine heiße Spur führte nach Lüdenscheid. Die Leiche wurde nie gefunden.

Bundesweit suchte die Polizei in den 1970er-Jahren nach einem Fahrzeug mit Lüdenscheider Kennzeichen. Ermittler brachten zudem den Mord an einer Zwölfjährigen in Hamm mit der vermissten Oberpfälzerin in Verbindung. 

Monika Frischholz wird nach aktuellen Erkenntnissen zuletzt am 25. Mai 1976 nachmittags in ihrem Heimatort Flossenbürg von mehreren Zeugen gesehen. Dort wollte sie sich mit einem 18-Jährigen treffen. Seitdem gibt es kein Lebenszeichen mehr von der Schülerin. Fast ein Jahr später greift Eduard Zimmermann in der „Aktenzeichen XY ungelöst“-Sendung vom 20. Mai 1977 den Vermisstenfall auf. 

Mithilfe von Schauspielern wird der zum damaligen Zeitpunkt als sicher geltende Ablauf bis zu ihrem Verschwinden nacherzählt (im Video ab Minute 8:30). 

Gezeigt wird, wie Monika in Flossenbürg zwei Freundinnen erzählt, dass sie sich mit einem von ihr umschwärmten jungen Burschen namens Paul treffe. Dieser Mann hat laut Fernsehbericht die Nachricht der Zwölfjährigen jedoch nie erhalten. 

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Monika unterhält sich mit zwei Freundinnen. Szene aus dem Aktenzeichen-XY-Beitrag. © ZDF

Danach trennen sich die Freundinnen, und Monika Frischholz geht weiter in Richtung der sechs Kilometer entfernten Ortschaft Floß. „Monika ist bis nach Floß gekommen, ohne unterwegs wie erhofft auf Paul zu treffen“, erklärt die Stimme aus dem Off. 

Hinweis führt die Polizei nach Lüdenscheid

Wesentlichen Raum in dem Beitrag nimmt der Zeugenhinweis einer Rentnerin ein, die in Floß Monika Frischholz beobachtet haben will. 

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Die Rentnerin will in Floß Monika beobachtet haben. Szene aus dem Aktenzeichen-XY-Beitrag. © ZDF

Ein zitronengelber Wagen habe mehrmals neben Monika gehalten. „Offensichtlich will der Fahrer das Kind dazu bewegen, einzusteigen, was ihm schließlich auch gelingt“, heißt es in dem Bericht. Seitdem sei sie spurlos verschwunden. 

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Ein zitronengelber Wagen hält neben der Zwölfjährigen. Szene aus dem Aktenzeichen-XY-Beitrag. © ZDF

Bei dem Fahrzeug soll es sich um einen Opel Kadett handeln. Das Kennzeichen beginnt nach Aussage der Zeugin mit LÜ. Solche Kennzeichen waren zwischen 1969 und 1975 nur von der Zulassungsstelle des Kreises Lüdenscheid (LÜD) sowie in Lünen (LÜN) ausgegeben worden. 

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Das LÜ-Kennzeichen war 1977 der Hinweis auf Lüdenscheid. Szene aus dem Aktenzeichen-XY-Beitrag.

Im gleichen Aktenzeichen-Beitrag wird über das Fahrzeug aus Westfalen eine Parallele zu dem Mord an einer Zwölfjährigen in Hamm hergestellt. Sie soll am Abend des 13. August 1976 zuletzt mit einem etwa 18- bis 20-jährigen Mann in Jeans-Anzug gesehen worden sein. Am Morgen danach wurde sie in unmittelbarer Nähe ihres Elternhauses tot aufgefunden. 

Nach der Aktenzeichen-XY-Sendung gehen bei der Kripo zahlreiche Hinweise auf den zitronengelben Wagen mit LÜD- oder LÜN-Kennzeichen ein, wie die LN am 23. Mai 1977 berichten (siehe Ausschnitt). 

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Die LN-Ausgabe vom 23. Mai 1977 geht auf den Vermisstenfall ein. © Jan Schmitz

Beide mutmaßlichen Morde wurden bis heute nicht aufgeklärt. Im Fall von Monika Frischholz haben die Ermittler aber offensichtlich wieder eine heiße Spur. 42 Jahre nach dem Verschwinden des Mädchens hat die Kripo Weiden in der Oberpfalz nach eigenen Angaben „einen interessanten Zeugenhinweis erhalten“, der den Verdacht eines Tötungsdelikts nahelegt. Unter anderem hatte die Zeitung "Der neue Tag" über den Fall berichtet.  

10.000 Euro Belohnung für neue Hinweise 

Die Polizei wendet sich daher erneut an die Öffentlichkeit und hat eine Belohnung von 10 000 Euro für sachdienliche Hinweise ausgelobt, um den Täter doch noch zu überführen und die Leiche zu finden. 

„Mord verjährt nie“, begründet Polizeihauptkommissar Florian Beck vom Polizeipräsidium Oberpfalz die Einrichtung einer Soko „Froschau“, benannt nach der Wohnanschrift des verschwundenen Mädchens. 

Nach dem neuen Hinweis durchforsteten und überprüften fünf Kriminalbeamte in den vergangenen Wochen die damals erstellten polizeilichen und staatsanwaltschaftlichen Akten in allen Einzelheiten. Dabei bewerteten sie die Unterlagen auch neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Sexualmorden

Profiler untersuchen die Akten

Die erfahrenen Beamten, teils Sachbearbeiter von „Cold-Case“-Fällen, kamen schließlich mit ihren Beratern und der Staatsanwaltschaft Weiden zu dem Schluss, dass das Verschwinden von Monika Frischholz als Mordfall nochmals geprüft werden sollte. 

Polizei sicher: Mädchen wurde ermordet

Unmittelbar nach dem Verschwinden, nach dem Beitrag in der Sendung Aktenzeichen XY ungelöst im Jahr 1977 sowie noch einmal 1986 hatten die Ermittler damals intensive Vernehmungen sowie Überprüfungen von regionalen und überregionalen Spuren und Alibis durchgeführt – auch in Lüdenscheid und Hamm. 

1987 schließlich stand für die Ermittler fest, dass die Zwölfjährige „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ ermordet wurde. „Als letzter Beweis fehlt die Leiche des Kindes“, sagte der Oberstaatsanwalt der Zeitung „Der neue Tag“. 

1987 hatte die Polizei einen Tatverdächtigen 

Damals galt ein Ehemann „aus dem heimischen Raum“ als dringend tatverdächtig. Dieser Tatverdacht habe sich damals nicht erhärtet, sagt heute Polizeisprecher Florian Beck. Ob der Mann erneut ins Visier der Ermittler geraten ist, wollte der Polizeisprecher nicht sagen. 

Zehn neue Hinweise ergaben sich durch den neuerlichen Fahndungsaufruf in der vergangenen Woche. 

Die Polizei hofft auf weitere Zeugen, die sich mit damals vielleicht als unwichtig eingeschätzten Details an die Ermittler wenden (Telefon 09 61/40 12 91). 

So soll das Puzzle Jahrzehnte später doch noch zusammengesetzt werden. Einen dringend Tatverdächtigen oder eine Festnahme gebe es bislang aber nicht, so der Polizeisprecher. 

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Diese Karte stellte einen Zusammenhang zwischen den beiden Mordfällen und dem gesuchten Auto her. Szene aus dem Aktenzeichen-XY-Beitrag. © ZDF

Eine Verbindung zwischen den beiden Mordfällen in der Oberpfalz und in Hamm sei nach wie vor nicht ausgeschlossen, sagt Florian Beck. Gleichwohl sind die Ermittler davon überzeugt, dass Monika Frischholz – anders als in der Aktenzeichen-XY-Sendung behauptet – nie in Floß gewesen ist. Demnach wurde sie in unmittelbarer Nähe zur elterlichen Wohnung in Flossenbürg umgebracht. Die Erfahrung bei Morden an Mädchen in diesem Alter habe gezeigt, dass ein Täter aus dem nahen Umfeld wahrscheinlicher sei, als die Entführung durch einen Fremden, hieß es von der Polizei. 

Demnach hätte sich die mittlerweile verstorbene Rentnerin, die Monika Frischholz in Floß in ein Auto mit LÜ-Kennzeichen steigen sah, geirrt.

Blick auf andere "Cold Cases" aus dem Märkischen Kreis

In Plettenberg wurde im Frühjahr 1989 eine 25-jährige Frau aus der Stadt mit acht Schüssen in Kopf und Oberkörper getötet - mutmaßlich vom damals 37-jährigen Spiridon K. Der heute 68-Jährige wurde 31 Jahre danach im Frühjahr 2020 in Griechenland gefasst - durch einen Zufall.

In Menden verbrannten Marion Hesse und ihr Sohn Tim am 27. Januar 1989 im Auto. Dieser ungeklärte Doppelmord wurde am 6. Februar 2019 bei "Aktenzeichen XY" im ZDF präsentiert. Der Wagen von Mutter und Kind war mit Benzin in Brand gesetzt und an einem Strommasten platziert worden, um einen Unfall vorzutäuschen. Bis heute konnten der oder die Täter nicht gefunden werden.

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