Belastung für Autofahrer

Schock an Tankstellen im MK: Spritpreise auf Rekordjagd - und es könnte noch teurer werden

Spritpreise Ende April 2020 und im Oktober 2021 an der Jet-Tankstelle in Lüdenscheid.
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Spritpreise Ende April 2020 und im Oktober 2021 an der Jet-Tankstelle in Lüdenscheid.

Entsetzen bei Autofahrern, Heizölkunden und sogar Tankstellenbesitzern. Die hohen Kraftstoffpreise belasten sie alle. Und ein Ende des Höhenflugs ist nicht in Sicht.

Lüdenscheid – Seit Jahren unerreichte Zahlen leuchten derzeit auf den Anzeigetafeln deutscher Tankstellen. Im bundesweiten Durchschnitt nähert sich der Dieselpreis stetig der Marke von 1,50 Euro pro Liter an, während Superbenzin der Sorte E10 bereits um die 1,60 Euro schwankt. Schon im September erreichte Super E10 damit ein Acht-Jahres-Hoch. Beim Diesel wurde zuletzt 2018 so viel verlangt. Das hohe Niveau ist Resultat eines seit rund zehn Monaten andauernden Wachstumstrends und macht sich auch in Lüdenscheid bemerkbar.

„Natürlich spüre ich die steigenden Preise – als Inhaber und als Autofahrer. Immer häufiger bekomme ich die Frage, wie teuer es denn noch werden wird. Ich habe darauf keine Antwort, aber so schnell wird sich nichts ändern. Das haben die Wahlen gezeigt“, sagt Maik Klapperich, Inhaber der Aral Tankstelle Lüdenscheid an der Talstraße 161.

Neben den Spritpreisen steigen auch die Heizölpreise, wie Arnt Richter, Geschäftsführer von Richter Mineralöl an der Brenscheider Straße, weiß: „Wir kommen angesichts der seit Wochen hohen Nachfrage kaum hinterher mit der Logistik. Unsere Kunden befürchten weitere Preiserhöhungen und kaufen auf Vorrat.“

Arnt Richter und seine Tochter Christina, die gemeinsam die Geschäfte von Richter Mineralöl an der Brenscheider Straße führen, freuen sich nicht über den derzeitigen Preisanstieg.

An der Nachfrage, da sind sich Klapperich und Richter, der neben Heizöl auch an fünf Tankstellen Sprit vertreibt, einig, hat dies bisher nichts verändert. Trotz steigender Preise und Beschwerden bleibt sie konstant.

Der Preis-Höhenflug hat mehrere Ursachen. So hat der Gesetzgeber Anfang 2021 als Klimaschutzmaßnahme einen Aufschlag für fossile Energien in Höhe von 25 Euro je Tonne Kohlendioxid eingeführt. Laut Mineralölwirtschaftsverband (MWV) sind rund sieben Cent des Spritpreisanstiegs mit diesem Aufschlag verbunden. Drei weitere Cent lassen sich mit dem seit Januar wieder erhöhten Mehrwertsteuersatz erklären. Der überwiegende Rest lässt sich laut MWV-Hauptgeschäftsführer Christian Küchen auf den höheren Ölpreis zurückführen.

Für den Heizöl-Händler Richter ist dies keine erfreuliche Entwicklung: „Wir wollen gerne vernünftige Energiepreise für alle. Bei unseren Kunden wird irgendwann eine Grenze erreicht werden, bei der sie versuchen, die hohen Preise auszusitzen – insofern sie die Kapazitäten dazu haben.“

Für ihn ist die Ursache der Ölpreise klar: „Das liegt an der Unterversorgung mit Erdgas. Durch Russlands Außenpolitik setzt die Großindustrie lieber auf Öl statt auf Gas. Da schnellen die Preise natürlich in die Höhe.“

Er hofft daher auf die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC). Wenn diese höhere Förderquoten beschließt, könne der Anstieg gebremst werden. Andernfalls werde sich die gegenwärtige Entwicklung wohl fortsetzen. Denn der Aufschlag für fossile Energien wird in Deutschland jährlich steigen und damit auch die Kosten für Benzin und Diesel. Bleibt es bei den aktuellen Plänen, wird Benzin in vier Jahren etwa 15 Cent teurer sein, Diesel sogar 17 Cent.

Mehr noch als der private Verbraucher leiden Betriebe mit großem Fuhrpark unter den Entwicklungen. Der Stadtreinigungs-, Transport- und Baubetrieb Lüdenscheid (STL) muss erheblich mehr in Treibstoff investieren als noch zu Jahresbeginn – auch wenn er Sprit in ganz anderen Größenordnungen und dadurch zu besseren Konditionen bezieht. „Bei einem Verbrauch von rund 500 000 Litern pro Jahr zahlen wir bei den aktuellen Preisen etwa 70 000 Euro mehr als noch zu Jahresanfang. Natürlich versuchen wir immer, unsere Fahrzeuge auf dem neuesten Stand zu halten. Aber die regionale Infrastruktur macht etwa den Umstieg auf Wasserstoff noch unmöglich“, erklärt Andreas Fritz, stellvertretender Werksleiter beim STL. Bei weiter steigenden Kraftstoffpreisen kann er daher auch Gebührenerhöhungen für die Bürger nicht ausschließen. „Wir brauchen den Treibstoff, um unsere Aufgaben zu erfüllen – und das wünschen sich wohl alle.“

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