Sprachschwierigkeiten bleiben das größte Problem

Rund 60 Besucher hörten im Roten Saal des Kulturhauses den Ausführungen der Referenten zur Situation älterer Migrantinnen und Migranten zu.

LÜDENSCHEID ▪ In Lüdenscheid leben 4277 Migranten, die 55 Jahre und älter sind, aber sie nutzen nur selten die Angebote von Pflegediensten und Seniorenheimen, besuchen Pflegekurse oder ziehen in Altenwohnungen ein.

Das Integrationskonzept der Stadt sieht aber als oberster Ziel vor, dass Migrantinnen und Migranten die gleichen Chancen und Möglichkeiten haben sollten wie Nicht-Migranten. Eine Diskrepanz tut sich da auf, der das Sozialamt mit einer Befragung älterer Migranten auf den Grund gegangen ist. Jetzt liegt die Dokumentation, mit 8000 Euro aus dem „Komm-in NRW“-Topf des Landes gefördert, vor. „Sehr ausdrucksstark“, nennt Sozialdezernent Dr. Wolfgang Schröder das Ergebnis.

Sprachschwierigkeiten stellen laut Fazit das größte Problem dar. „Um ein Miteinander der Kulturen im Alter zu erreichen, muss eine Überwindung der Sprachbarriere gelingen, sei es durch Informationsmaterial in verschiedenen Sprachen, durch muttersprachliches Personal oder über ehrenamtliche Kräfte mit Migrationshintergrund.“ Gleichzeitig sei es erforderlich, dass Anbieter von Pflegeinrichtungen oder Pflegediensten bereit seien, offen auf Migranten zuzugehen. Es sei sicherlich nicht einfach, ältere Migranten einzubinden. Einfach war es schon nicht, die Befragung durchzuführen und die Migranten zu erreichen. Letztlich fanden sich nur 15 Helferinnen und Helfer aus den Oberstufen der Gymnasien und des Gertrud-Bäumer-Berufskollegs. Sie sollten selbst einen Migrationshintergrund haben, um leichter auf die Befragen zugehen zu können. Etwa 1000 Personen wurden in ihrer Muttersprache angeschrieben und auf die mögliche Befragung und einen damit verbundenen Besuch hingewiesen. Mangels Helfer wurden jedoch nur 599 ausgewählt, die angesprochen werden sollten. Erreicht wurden von diesen wiederum nur 145. Die größten Gruppen stellten die Herkunftsländer Türkei, ehemalige russische Staaten, Polen und Griechenland, gefolgt von Italien.

Im Rahmen der Befragung, die 54 Fragen beinhaltete, stellte sich unter anderem heraus, dass die Migranten selbst die Sprachbarrieren als großes Problem darstellen. Die Annahme, dass sie größtenteils in Großfamilien leben und von ihren Kindern betreut werden, bestätigte sich nicht: 78,6 Prozente leben allein oder mit ihren Kindern. Nicht alle möchten unter sich bleiben, wissen aber zu wenig über Angebot für Senioren. Es ist ihnen sehr wichtig, dass die Muttersprache gesprochen wird und die Anbieter von Seniorendiensten „interkulturelle Kompetenz“ aufweisen und Erfahrungen in der Betreuung von Migranten haben. Keiner nahm einen Pflegedienst in Anspruch, obwohl 30 Prozent angaben, mehr Hilfe zu benötigen. Entweder seien ihre Erwartungen geringer oder die Hilfsmittel zu wenig bekannt, vermuten Sozialamtsleiter Karl-Heinz Burghof, Mechthild Kießig und Volker von Rüden, der zusammen mit Susanne Zarges und Frank Löffler die Dokumentation erarbeitete. Sie wurde am Freitagnachmittag auf einer Tagung Fachpublikum präsentiert. Zudem stellte Gudrun Küper-Sengül das multikulturelle DRK-Seniorenzentrum „Haus am Sandberg“ in Duisburg vor, Maria Balamoti-Michas den Internationalen Caritas-Mittagstisch „Pasta & Co.“ in Köln und Architekt Ernst Uhing referierte zum Thema „Ältere Migranten und Wohnen aus Sicht einer Wohnungsgesellschaft“.

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