Sporthilfe will  offenbar Voraussetzungen schaffen

Steht Sportklinik Hellersen vor dem Verkauf?

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In die Jahre gekommen: Das Äußere der Klinik strahlt den Charme der 70er-Jahre aus. J Fotos: Nougrigat

Lüdenscheid - Auch unter dem vierten Geschäftsführer binnen zweieinhalb Jahren kommt die Sportklinik Hellersen nicht zur Ruhe. Vor der Mitgliederversammlung ihres Besitzers, der Sporthilfe NRW, am Donnerstag, 29. November, verdichten sich wieder einmal Verkaufsgerüchte.

Anlass dafür sind die Punkte 7 und 8 der Tagesordnung. Sie sehen eine Diskussion und Beschlussfassung zum „grundsätzlichen Vorgehen der Sporthilfe“ und zu Satzungsänderungen vor.

Die Sporthilfe ist das Sozialwerk des Landessportbunds (LSB) NRW. Sie betreut nach eigenen Angaben über ihre Sport-Unfallversicherung mehr als fünf Millionen Mitglieder in den rund 19 000 Sportvereinen Nordrhein-Westfalens, die dem LSB angehören. Zudem gehört ihr die Sportklinik Hellersen, die in der Vergangenheit mehrfach in heftige finanzielle Turbulenzen geraten war.

Und hier liegt offenbar der Hase im Pfeffer. Seit Jahren ist unstrittig, dass die Klinik mit ihrem beispielhaften medizinischen Angebot dringend baulich modernisiert werden muss. Sowohl Krankenzimmer als auch Operationssäle bedürfen dringend einer Modernisierung, um konkurrenzfähig zu bleiben. Während die Finanzierung des laufenden Krankenhausbetriebes kein Problem darzustellen scheint, hegt die Sporthilfe dem Vernehmen nach die Befürchtung, die Kosten der Modernisierung nicht aus eigener Kraft stemmen zu können und finanziell in den Abgrund gerissen zu werden.

Unvollendet: Nicht zuletzt die Finanzierung der Fertigstellung des OP-Traktes bereitet der Sporthilfe Kummer.

Beispiel hierfür ist der angepeilte und im Jahr 2016 begonnene Neubau eines OP-Traktes für rund sieben Millionen Euro. Was laut der damaligen Geschäftsführerin Wiebke Schandelle „einer der modernsten Orthopädie-OPs in Deutschland“ werden sollte, steht nach wie vor nur im Rohbau. Eine Fertigstellung ist nicht in Sicht. Dies gilt auch für die Pläne, die Krankenzimmer zeitgemäß umzubauen. Kein Geld!

Die nun angepeilte Satzungsänderung soll dem Vernehmen nach die Mitgliedschaft in der Sporthilfe auch (Kauf-)Interessenten außerhalb des Sports ermöglichen. Die Sporthilfe will durch diesen Schritt einen Verkauf sozusagen intern regeln und möglichst geräuschlos über die Bühne bringen. Damit solle eine Rufschädigung der Klinik vermieden werden, heißt es. Wie zu hören ist, gibt es aber durchaus auch Mitglieder der Sporthilfe, die diesen Weg nicht mitgehen und das Krankenhaus öffentlich zum Verkauf stellen wollen.

Bericht: Sporthilfe will sich von Sportklinik Hellersen trennen

Melanie Bock, Pressesprecherin der Sportklinik, sagte am Mittwoch auf Anfrage unserer Redaktion, man könne und wolle der Entscheidung der etwa 150 Mitglieder in Duisburg nicht vorgreifen. Auch in den vergangenen Jahren habe die Zukunft der Klinik jeweils auf den Tagesordnungen der Mitgliederversammlungen gestanden, ohne dass es letztlich zu Verkaufs-Entscheidungen gekommen sei.

Die Sportklinik will sich nach der Mitgliederversammlung ausführlich äußern.

Die Sportklinik Hellersen

Die Sportklinik Hellersen ist die Keimzelle der Sporthilfe NRW. Ihre Ursprünge liegen im Jahr 1946 in einem beengten Provisorium in Haus 4 des damaligen Kreiskrankenhauses. Dort gab es die „Sportheilstätte Lüdenscheid-Hellersen“, aus der die Sporthilfe als Sozialwerk des Landessportbundes NRW entstand. 

Am 16. Oktober 1946 trafen die beiden ersten Sportler in Hellersen ein. Sie konnten als Leistung der Sporthilfe die kostenlose und fachgerechte Behandlung in Anspruch nehmen. Nach einer Bauzeit von vier Jahren wurde im Mai 1970 das Krankenhaus für Sportverletzte in Betrieb genommen. 1977 entstand Haus 2 als erster Erweiterungsbau und erhöhte die Bettenzahl um 100 auf 306. Rund 460 Mitarbeiter sind laut Sporthilfe-Homepage in der Sportklinik tätig. 

Die Fachbereiche der Klinik heute: Endoprothetik, Fuß- und Sprunggelenkchirurgie, Schulter-, Ellenbogen-, Kniechirurgie und Sporttraumatologie, Wirbelsäulenzentrum – konservativ und chirurgisch, Schmerztherapie, Sportmedizin. Laut Klinik werden jährlich rund 7000 Patienten stationär und 33 000 ambulant behandelt.

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