Sportcasino zum Jahresende dicht

+
Nach 46 Jahren gehen hier am 31. Dezember endgültig die Lichter aus.

LÜDENSCHEID - 46 Jahre nach seiner Eröffnung sind die Tage des Sportcasinos gezählt. Das Café und Restaurant der Sportklinik Hellersen wird zum 31. Dezember geschlossen. Das bestätigt Klinik-Vorstand Michael Koke.

Bereits am Montag informierten der Geschäftsführer sowie Manfred Peppekus von der Sporthilfe NRW und Casino-Geschäftsführerin Annelie Lind die 17-köpfige Belegschaft. Das Sportcasino, sagt Koke, könne nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden. „Es hat keinen Sinn mehr.“

Bereits vor drei Jahren stand die Zukunft des Betriebs, zu dem früher die „Meniskus-Bar“ im Untergeschoss gehörte und aktuell auch der Kiosk nebenan, auf der Kippe. Damals betraute das Präsidium Annelie Lind, die auch als Geschäftsführerin der Sporthilfe fungiert, mit der Aufgabe, das Sportcasino aus der Krise zu führen. Doch das war nach Kokes Einschätzung „nicht mehr möglich“.

Zu den Gründen für die Entscheidung gehören einschneidende Veränderungen im Gesundheitswesen. Vor allem die drastische Verkürzung von Liegezeiten für stationäre Patienten habe dafür gesorgt, dass die Gästezahlen im Casino eingebrochen sind. Viele Operationen würden schon ambulant durchgeführt. „Und wer nur noch drei oder vier Tage statt wie früher zwei bis drei Wochen bei uns liegt, bekommt auch nicht mehr so viel Besuch von Angehörigen, die ortsnah schick essen wollen.“

Auch die geringere Mobilität der Patienten, die im Schnitt erheblich älter sind als noch vor 20 Jahren und nicht „mal eben“ ins Café gehen, habe zu Umsatzeinbußen in der Gastronomie der Sportklinik geführt. Michael Koke: „Rein rechnerisch betrachtet müssten pro Tag 170 Gäste ein Essen bestellen, um das Sportcasino in die Gewinnzone zu bekommen – und zwar an 365 Tagen im Jahr.“ Das sei angesichts der allgemeinen Entwicklung der vergangenen Jahre jedoch illusorisch.

Betroffen von der Schließung wird auch der Kiosk neben dem Eingang zum Sportcasino sein. Erfahrungsgemäß, sagt der Klinik-Geschäftsführer, versorgten sich die Patienten zunehmend im Aldi auf der Höh oder dem Zeitschriftenladen gegenüber der Shell-Tankstelle mit dem Nötigsten.

17 Frauen und Männer in Voll- und Teilzeit werden zum bevorstehenden Jahreswechsel ihre Arbeit verlieren – vier in der Konditorei, sechs in der Küche, fünf im Service und zwei im Kiosk. Annelie Lind: „Wir haben es nicht geschafft, das Abendgeschäft zu stärken.“ Michael Koke: „Mir sind 350 sichere Arbeitsplätze lieber als 370 wackelige Arbeitsplätze.“

Olaf Moos

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare