Die Spinne am Messgerät des Wetterdienstes

Martin Mühlenbruch vom Wetteramt Essen vor dem Computer, der die Wetterdaten von Oberhunscheid weiterleitet.

LÜDENSCHEID ▪ Eher unscheinbar ist die „Sonde zur Messung der Umweltradioaktivität“ des Bundesamtes für Strahlungsschutz, die sich auf dem Gelände der Wetterstation Oberhunscheid befindet. Gemeinsam mit rund 1800 weiteren Messstellen misst sie die „Ortsdosisleistung“ (ODL), in der Einheit Mikrosievert pro Stunde. In der Sonde messen zwei Geiger-Müller-Zählrohre anhand entstehender Ionen die kosmische und die terrestrische Gammastrahlung. Der Normalwert für Lüdenscheid liegt bei etwa 0,048 Mikrosievert kosmischer Strahlung und 0,055 Mikrosievert terrestrischer Strahlung. Daran hat sich in den vergangenen Tagen nichts geändert.

Für Martin Mühlenbruch, der als Mitarbeiter des Wetteramtes Essen täglich mit Wolken-, Sonnen und Niederschlagsmessgeräten zu tun hat, ist das kleine Gerät am Rande des Klimagartens der Wetterstation Oberhunscheid eher unscheinbar: „Der schäbigste Sensor“, scherzt er beim Blick auf den etwa einen Meter hohen „Pinn“, an dem nur ein gelber Warnhinweis verrät, dass diese Sonde des Bundesamtes für Strahlenschutz zur Messung der Umweltradioaktivität dient. Der Geiger-Müller-Zähler registriert die harte und für Organismen gefährliche Gammastrahlung. Die dort gemessenen Werte werden fortwährend aktualisiert und sind im Netz abrufbar (http://odlinfo.bfs.de/cvdata/059620321). Nach den bisherigen Voraussagen des Bundesamtes für Strahlungsschutz werden sich in Mitteleuropa mögliche Auswirkungen der atomaren Unfälle in Japan voraussichtlich am Rande der Nachweisbarkeitsschwelle bewegen.

Martin Mühlenbruch von der Regionalen Messnetzgruppe Offenbach beschäftigen bei seinem Routinebesuch in der inzwischen unbemannten Station jedoch andere Dinge als die am Rande des Klimagartens platzierte Sonde für Radioaktivität: Das Niederschlagsmessgerät muss gesäubert und erneuert werden – erstmals ist es mit einem Überlauf ausgestattet. In ihm wird das aufgefangene Regenwasser gewogen. Tote Insekten schwimmen im Wasser. Ein Frostschutzmittel verhindert, dass das Regenwasser im dem Auffangtopf einfriert.

Bei den anderen Geräten genügt ein kurzer Blick, um festzustellen, dass sie ihre einwandfreie Arbeit fortsetzen werden. Sprichwörtlich sind für Martin Mühlenbruch an diesem Morgen die Spinnen, deren filigranes Werk ein optisches Messgerät schon mal beeinträchtigen können. Wolkenhöhen werden in Oberhunscheid mit einem Laserstrahl gemessen, Schnee-, Regen- und Hagelpartikel identifiziert. Ganz feinen Nieselregen stellt ein weiteres Gerät fest. Ein Schneehöhensensor stellt bei einer auf die Erde gerichteten Abstandsmessung die Schneehöhe fest. Gibt es Schneeverwehungen, sind die Daten allerdings nicht mehr zuverlässig.

Die Temperatur wird im Boden in 5, 10, 20, 50 und 100 Zentimetern Tiefe gemessen. Dazu kommt eine bodennahe Messung in fünf Zentimetern Höhe und eine weitere in zwei Metern Höhe – ein vor Sonnenstrahlen gut geschütztes „Hüttchen“ in zwei Metern Höhe.

Die Messnetzgruppe ist mit ihrer Datenerhebung den Prognosen der Meteorologen vorgeschaltet. Die von den Messgeräten erhobenen und automatisch weitergeleiteten Daten werden fortwährend auf ihre Plausibilität überprüft und mit benachbarten Werten abgeglichen: „In unserer Abteilung sind ehemalige Beobachter“, erzählt Martin Mühlenbruch. „Die wissen, was sein kann und was nicht“ – damit die Spinne vor dem Okular keine falschen Wettervorhersagen verursacht. Ohnehin ist die Wetterstation Oberhunscheid nur ein kleiner, aber doch wichtiger Baustein im großen Datennetz des Wetterdienstes. ▪ thk

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