Spielstraßen: Autofahrer oft zu schnell - Kinder schreiten zur Tat

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Gemeinsam mit dem Fachdienst Verkehrsplanung malten die Grundschüler der Parkstraße ein übergroßes Spielstraßenschild auf die Fahrbahn.

Lüdenscheid - Sensibilisieren, aufklären und Akzeptanz schaffen: Mit verschiedenen Aktionen für alle Verkehrsteilnehmer beteiligt sich die Stadt Lüdenscheid zum zweiten Mal an der "Europäischen Mobilitätswoche":

„Das ist die coolste Stunde überhaupt“, sagt die junge Grundschülerin und greift beherzt zu einem blauen Stück Kreide. Aber statt an der Tafel dürfen sie und ihre Mitschüler auf der Straße malen – einer Spielstraße, wohlgemerkt. 

Zum Auftakt der „Europäischen Mobilitätswoche“ standen in Lüdenscheid am Mittwoch zunächst die jüngsten Verkehrsteilnehmer im Fokus des Geschehens – lautet das Motto doch in diesem Jahr „Klimafreundliche Mobilität für alle“. Speziell für Kinder hatte sich das Team des Fachdienstes Verkehrsplanung und -lenkung besondere Aktionen einfallen lassen, um das Augenmerk auf Kinder im Verkehr zu lenken. 

Los ging es bereits am Morgen an der Nordstraße – eine Spielstraße. Vor der dortigen Theodor-Fliedner-Kindertagesstätte hatte Fachdienst-Mitarbeiterin Ines Zielinski mit Unterstützung von Helfern bunte Straßenspiele auf die Fahrbahn gemalt und lud die Vorschulkinder der Einrichtung – gemeinsam mit Maskottchen Edgar – zum Spielen ein. 

Ob das Bewegen auf Formen und Farben, auf Schlangenlinien oder dem Zahlenknoten: Die Mädchen und Jungen genossen es sichtlich, sich einmal auf der Fahrbahn bewegen zu können. 

Mit dabei waren nicht nur Kita-Leiter Dirk Schroller und Mitarbeiterinnen seines Teams, sondern auch der Bezirksdienstbeamte Nils Becht. In seiner gelben Warnweste über der Uniform sorgte er nicht zuletzt für die Sicherheit der Kinder – und musste dafür ein ums andere Mal auch mahnende Worte an die Autofahrer richten. 

Denn: So manchem von ihnen war gar nicht bewusst, dass es sich bei der Nordstraße um eine Spielstraße handelt und somit nur eine Geschwindigkeit von 8 km/h erlaubt ist. Nach einer freundlichen Ermahnung und unter dem Winken der Kinder durften die Autofahrer ihre Fahrt dann jedoch fortsetzen. 

„Es ist natürlich toll, wenn die Kinder auch einmal in dieser Form draußen spielen können. Allerdings ist es in diesem Alter auch schwer für sie zu unterscheiden, welche Straße tatsächlich eine Spielstraße ist. Durch solche Aktionen kann man natürlich auf verkehrsberuhigte Bereiche aufmerksam machen und hoffen, dass etwas hängen bleibt“, zog auch Kita-Leiter Dirk Schroller ein positives Fazit. Und hatte sogleich auch einen Wunsch an den Fachdienst: ein aufgemaltes Verkehrsschild, das die Aufmerksamkeit auf die Spielstraße lenkt. 

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Und genau darum ging es wenig später an der Grundschule Parkstraße: Auch hier nutzen zum Leidwesen der Verantwortlichen viele Autofahrer die Straße Am Wittberge, um ihre Kinder möglichst nah an die Schule heranzufahren. Kurzzeitiges Parken inklusive.

 „Auch hier ist vielen gar nicht bewusst, dass es sich um eine Spielstraße handelt, sodass sie häufig zu schnell unterwegs sind.“ Grund genug für Fachdienstleiter Christian Hayer und Kollegin Ines Zielinski, die Kinder der dritten Klassen ein übergroßes Spielstraßenschild auf die Fahrbahn malen zu lassen.  

Mit Zollstock und Schablone ging es ans Werk, malten die Grundschüler eifrig die weißen Symbole auf blauem Grund – in der Hoffnung, dass es möglichst lange nachwirkt. 

Sensibilisieren, Akzeptanz schaffen, aufklären – es sind ganz unterschiedliche Aktionen, mit denen sich die Stadt Lüdenscheid zum zweiten Mal an der „Europäischen Mobilitätswoche“ beteiligt und nicht zuletzt für nachhaltige Mobilität in den Kommunen werben möchte. 

Daher werden in der kommenden Woche sowohl die Radfahrer als auch die Nutzer des Personennahverkehrs im Mittelpunkt stehen (Infokasten). Denn während – nicht zuletzt durch Corona – viele Menschen das Fahrrad und E-Bike für sich entdeckt hätten, habe der ÖPNV viel mehr gelitten, weiß auch Verkehrsplanerin Nina Niggemann-Schulte, die in der Aktionswoche das Augenmerk eben auch auf eine bewusste Wahl der Verkehrsmittel lenken möchte. 

Und so gab es am frühen Mittwochmorgen bereits das sogenannte „Pendler-Frühstück“ – eine Aktion des Märkischen Kreises sowie der MVG, bei der die Fahrgäste am Sauerfeld mit einem kleinen Frühstückspäckchen als Dankeschön überrascht wurden. 

Und: Neben den Bezirksbeamten, die die Aktionen an den Schulen und Kindergärten begleiteten, beteiligte sich auch die Polizei im Märkischen Kreis an der Aktionswoche. Ihr Thema am Mittwochmorgen an der Waschstraße am Grebbecker Weg: Ablenkung am Steuer – eine Gefahr für alle. 

Das Team, das vor allem sensibilisieren wollte, machte vor allem eines deutlich: Ein Sekundenblick auf das Handy bedeutet bei einem Tempo von 50 km/h eine Blindfahrt von 14 Metern. 

„Obwohl das Telefonieren beim Fahren so gefährlich ist wie das Fahren mit mehr als 0,8 Promille Alkohol im Blut, nutzt jeder zweite Autofahrer das Mobiltelefon während der Fahrt ohne Freisprecheinrichtung“, appellierten die Beamten an die Autofahrer, das eigene Leben und das der anderen nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen.

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