Männer aus Lüdenscheid und Meinerzhagen stehen vor Landgericht Hagen

Spielhallen-Überfälle: Das sagt der Gutachter zur Schuldfähigkeit der vier Angeklagten

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Hagen - Vier Angeklagte aus Lüdenscheid und Meinerzhagen, die im Herbst 2016 Spielhallen in Lüdenscheid, Halver, Altena und Drolshagen überfallen haben sollen, sind uneingeschränkt schuldfähig.

Der psychiatrische Gutachter Dr. Pedro Faustmann sah am Dienstag keinen Anlass zu der Annahme einer juristisch bedeutsamen Einschränkung der Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit bei den jungen Räubern – zwei 20-Jährigen sowie einem 22- und einem 24-Jährigen. 

Dem Ältesten, der die Aufgaben des Auskundschaftens und Schmierestehens gehabt hatte, wurde lediglich zugute gehalten, dass er nach Auskunft seiner Mittäter bei dem Überfall in Altena „zu nichts zu gebrauchen“ war, weil er sich zuviel Mut angetrunken hatte.

Hier finden Sie mehr zum Prozess um die Spielhallen-Überfälle

Die 2. große Jugendkammer des Landgerichts Hagen stellte deshalb dieses eine Verfahren gegen den 24-Jährigen vorläufig ein – da waren es in seinem Fall nur noch drei Anklagen. 

Einweisung in Entzugsklinik nicht zu rechtfertigen

Zwar hätten alle vier Angeklagten Cannabisprodukte oder Alkohol im Übermaß genossen, stellte der Gutachter fest. Doch über diesen „schädlichen Gebrauch“ hinaus gebe es keine Anhaltspunkte für eine Alkohol- oder Drogenabhängigkeit, die die Einweisung in eine Entzugsklinik rechtfertigten. 

Im Gegenteil seien die Angeklagten durchaus in der Lage gewesen, ihren Drogen- und Alkoholkonsum an aktuellen Bedürfnissen auszurichten und dort Abstinenz zu üben, wo die Anforderungen des täglichen Lebens das von ihnen forderte. 

Gutachter: Männer wussten, was sie taten

Sie hatten zwar vorgetragen, dass sie sich in den Tatnächten mit Cannabis und Alkohol ertüchtigt hatten. Bei den Raubüberfällen hatten sie jedoch durchaus folgerichtige Handlungsstränge verfolgt, die den Schluss nahe legen, dass sie sehr wohl wussten, was sie taten. 

Nach der Untersuchungshaft hätten sie sich – zum Teil dank treuer Partnerinnen – durchaus positiv entwickelt. Bei keinem sei der Hang zum exzessiven Konsum von Drogen so groß, dass deshalb zukünftig vergleichbare Straftaten zu erwarten seien, sagte der Gutachter. 

Aus seinem Gespräch mit dem ältesten Angeklagten berichtete er, dass dieser durchaus zum Ausdruck gebracht habe, „dass er Scheiße gebaut hat“. Er empfinde „große Scham gegenüber seiner Familie“ wegen des Ganzen.

Hintergrund zum Fall

Vier Angeklagte aus Lüdenscheid und Meinerzhagen müssen sich wegen Überfällen auf Spielhallen vor dem Landgericht Hagen verantworten. Sie hatten die Spielhallen im September und Anfang Oktober 2016 in Lüdenscheid, Halver, Altena und Drolshagen überfallen.

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