Listenführung wie in der Gastro nicht nötig

Irre Corona-Regel: Restaurants müssen Listen führen, Zocker dürfen anonym bleiben

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Nach jedem Spieler müssen die Automaten desinfiziert werden.

Lüdenscheid - Das öffentliche Leben nimmt, wenn auch sehr langsam, wieder Fahrt auf. Am 11. Mai öffneten unter anderem die Spielhallen und Wettbüros wieder, müssen dabei aber strenge Auflagen erfüllen. Einhergehend mit den Öffnungen ist auch das Thema Spielsucht. Hierzu äußern sich zwei Experten.

„Wir freuen uns sehr, dass wir unsere Läden wieder öffnen dürfen“, sagt Patrick Jäschke, Geschäftsführer der Spielotron GmbH, der sich jedoch etwas über den Umfang der Textpassage in der neuesten Coronaschutzverordnung wundert: „Da stehen lediglich sechs Zeilen zu Wettbüros und Spielhallen.“ Eine klare Linie vermisst er in diesen sechs Zeilen ebenfalls: „Da heißt es, dass gegebenenfalls ein Mundschutz getragen werden muss. Das ist nicht sehr deutlich.“ 

Um auf Nummer sicher zu gehen, habe sich Spielotron deshalb dazu entschieden, auf das Tragen einer Mund- und Nasenbedeckung zu bestehen. „Außerdem“, sagt Jäschke, „haben wir Trennwände geschaffen, Stühle entfernt, wo es nötig war, um die Abstandsregeln einzuhalten, die Kunden müssen die Hände desinfizieren und dürfen erst dann an einen Spielautomaten, wenn dieser zuvor von einem Mitarbeiter desinfiziert wurde.“ 

Eine Listenführung, wie es sie beispielsweise in der Gastronomie gibt, ist für Spielhallen nicht angeordnet worden. Dementsprechend gibt es bei einer möglichen Infektion eines Spielers keine Rückverfolgung der Infektionskette. Allerdings schätzt Jäschke das Risiko einer Corona-Infektion in einem seiner Läden eher gering ein: „Bei uns ist die Infektionsgefahr geringer als zum Beispiel in einem Möbelhaus. Bei uns gibt es schon immer größere Abstände zwischen den Spielautomaten, weshalb die Abstandsregeln problemlos eingehalten werden können.“ Eine Ausnahme gibt es jedoch. „Wir führen in einem unserer Läden auch ein Bistro. Dort gibt es natürlich eine Listenführung, wie in jeder anderen Gastronomie auch.“ 

Um auch die Mitarbeiter der Spielhallen auf die neue Situation vorzubereiten, hat Spielotron eine ausführliche Dienstanweisung geschrieben und Meetings abgehalten, in denen die Mitarbeiter geschult wurden. Außerdem hat man selbst Maßnahmen ergriffen. „Wir haben eine Selbstbeschränkung gemacht. Es dürfen nur so viele Personen in unsere Spielhallen, wie dort auch Sitzplätze vorhanden sind.“ 

Eine ganz andere Sichtweise gibt es mit Hinblick auf die Personen, die in den Spielhallen sitzen. Denn dadurch, dass die Spielhallen und Wettbüros wieder geöffnet haben, ist eine Betreuung der Hilfebedürftigen wichtig. Menschen, die spielsüchtig sind, brauchen oftmals die Unterstützung Außenstehender, die eine professionelle Ausbildung haben und wissen, wie mit dieser Sucht umzugehen ist. Verschwunden ist das Problem der Spielsucht durch Corona selbstverständlich nicht, denn auch im Internet gibt es die Möglichkeit zu spielen. „Wir hatten sehr viele Anrufe, weil, in den meisten Fällen der Mann des Hauses, nicht mehr vom Computer wegkommt und dort spielt“, sagt Jürgen Trümper, Geschäftsführer des Arbeitskreises gegen Spielsucht. 

Jemand, der sich ausführlich mit Spielsüchtigen beschäftigt, ist Andreas Bünder-Sökeland. Er ist Leiter einer Selbsthilfegruppe sowie Vorsitzender des Vereins Spielsucht Prävention und Hilfe NRW. „Treffen von Selbsthilfegruppen sind zwar seit der Öffnung der Spielhallen wieder erlaubt und wir dürfen mit unserer Selbsthilfegruppe die Räumlichkeiten des Arbeitskreises gegen Spielsucht auch nutzen, allerdings sind diese Räumlichkeiten zu klein, weshalb ein Treffen nicht umsetzbar ist.“ Dass ein Treffen momentan nicht möglich ist, liegt vor allem an dem üblichen Termin von Montag bis Donnerstag. „Wenn wir uns innerhalb der Gruppe darauf einigen können, uns Freitag, Samstag oder Sonntag zu treffen, dann können wir den größten Raum beim Arbeitskreis nutzen und uns auch persönlich treffen“, sagt Bünder-Sökeland, der in der Regel zehn Spielsüchtige im Zwei-Wochen-Rhytmus in seiner Gruppe betreut. 

Jürgen Trümper glaubt jedoch, dass es eine zeitnahe Wiederaufnahme der Selbsthilfegruppen geben wird, die sich in der Zwischenzeit auch per Online-Videochat getroffen haben. „Ich habe Kontakt mit der Gruppe aufgenommen und wir werden da eine Lösung finden.“

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