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Spezialist für Jäger und Sportschützen: Waffenhändler fühlt sich in Brügge gut aufgehoben 

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Von: Leon Malte Cilsik

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Valentin Geier in seinem Jagdsportgeschäft in Brügge.
Valentin Geier in seinem Jagdsportgeschäft in Brügge. © Cedric Nougrigat

„Eigentlich ähnelt das Gebäude stark einem Bunker “, sagt Valentin Geier und lässt den Blick durch seinen geräumigen, tageslichtdurchfluteten Laden in Brügge schweifen. Dieser nachdenklich geäußerte Satz deutet bereits an, wie besonders das Geschäftskonzept des 26-Jährigen ist – zahlreiche Schusswaffen an den Wänden bestätigen den Eindruck.

Lüdenscheid – Valentin Geier hat vor etwa einem halben Jahr ein Jagdsportgeschäft in Brügge eröffnet und sich auf die Ausstattung von Jägern und Sportschützen spezialisiert. Und neben allerlei Zubehör wie Wildkameras, Kopfhörern und Bekleidung gehören dazu eben auch Schusswaffen. Natürlich dürfen dabei besagte Sicherheitsmaßnahmen nicht fehlen: „Kugelsichere Fenster, eine Nebelmaschine und eine direkt mit der Polizei verschaltete Alarmanlage“, zählt Geier auf und nennt dabei nur einige wenige.

Denn ins Detail möchte er bei seinem Sicherheitssystem natürlich nicht gehen. Klar ist auf jeden Fall, dass es einen rund einjährigen Umbau brauchte, bis Geier die polizeilichen Auflagen für sein Vorhaben erfüllen konnte. Doch was motivierte den jungen Unternehmer dazu, einen solchen Aufwand zu betreiben, noch dazu im verkehrsgebeutelten Brügge?

Gleich mehrere Schusswaffen sind im Laden ausgestellt.
Gleich mehrere Schusswaffen sind im Laden ausgestellt. © Cedric Nougrigat

„Für mich ist das hier kein Test mehr, die Phase habe ich hinter mir“, sagt Geier selbstbewusst. Der gebürtige Lüdenscheider begann bereits vor fünf Jahren während seines BWL-Studiums in Münster mit dem Handeln von Waffen – ganz legal, mit der entsprechenden IRK-Prüfung, versteht sich.

„Ich bin selbst passionierter Jäger und Sportschütze, habe aber nach erfolgreichem Bestehen des Jagdscheins am eigenen Leib erfahren, wie schwer sich die Suche nach einem kompetenten Waffenhändler gestaltet.“ Geier nahm sich Zeit bei der Suche, recherchierte viel und trug Erfahrungswerte zusammen – immerhin stammt er aus einer Familie von Jägern. Letztlich wurde er fündig, merkte aber schon bald, dass er mit seinem Problem keineswegs allein dastand: „Regelmäßig wandten sich danach Jagdschüler an mich, die ebenfalls auf der Suche waren.“

Ich möchte abends noch guten Gewissens ins Bett gehen können.

Valentin Geier, Jagdausstatter in Brügge

Denn Geier war mittlerweile ein so geübter Schütze geworden, dass er auch in der Jagdschule unterrichten konnte. Etwas, das er auch heute noch im Jagdkreis Herscheid macht. So wurde Geier regelmäßig zum Berater für angehende Jäger und wickelte die Geschäfte mit den Waffenhändlern ab. Er knüpfte Kontakte, lernte den Markt kennen, machte sich einen Namen in der Branche.

„Nach meinem Studium hatte ich dann plötzlich die Option, meinen bisherigen Nebenerwerb zu professionalisieren“, erinnert sich Geier. Die Fallhöhe war niedrig, im schlimmsten Fall hätte er zwei bis drei Jahre Berufserfahrung verloren. „Daher war die Entscheidung klar: Ich wollte meinen eigenen Laden.“

Im Geburtsort gut aufgehoben

In seinem Geburtsort Lüdenscheid fühlte er sich jagdlich gut aufgehoben und fand nach kurzer Suche im Frühling 2021 auch eine passende Immobilie – im Ortsteil Brügge. Damals konnte Geier natürlich noch nichts von dem sich anbahnenden Verkehrschaos ahnen, welches ihn als frisch gebackenen Anlieger der B54 erwarten würde.

Doch auch aus heutiger Sicht würde er sich wieder so entscheiden. „Für meine Zielgruppe bin ich hier in der Region fast schon alternativlos. Bevor meine Kunden beispielsweise nach Dortmund fahren, stellen sie sich lieber in Brügge in den Stau.“ Alternativ bietet Geier seine Ware auch auf seiner Webseite an – auch wenn zumindest der Waffenkauf auf diesem Weg mit deutlich mehr Aufwand verbunden ist.

„Es ist schon aufwendig. Wie bei einem Kauf im Laden müssen mir die Kunden digital ihre Erwerbsberechtigung nachweisen. Diese prüfe ich dann bei der zuständigen Kreispolizeibehörde “, erklärt Geier. Über einen speziellen Kurierdienst erreicht die Ware dann gegen Vorzeigen des Personalausweises das Ziel.

Ortstermin ist Pflicht

Doch nicht nur aufgrund dieser Hürden favorisiert der Lüdenscheider Jagdausstatter klassische Ladenkäufe. „Bei einem Kundengespräch merke ich sofort, ob mein Gegenüber weiß, wovon er spricht, welche Absichten er verfolgt. Auch ich möchte abends noch guten Gewissens ins Bett gehen können.“

Und das kann Geier bislang noch, zumindest wenn er sich davon überzeugt hat, dass seine Kunden fachkundige Jäger sind. Denn die Jagd hält er für unabdingbar: „Man sollte die Jagd nicht mit dem Töten gleichsetzen, im Vordergrund steht eindeutig die Hege. Jäger sind Naturschützer.“

Naturschützer, die laut Geier beispielsweise bei der vor Ort dringend notwendigen Wiederaufforstung eine wichtige Rolle spielen. Und dafür aber nun einmal auch Schusswaffen benötigen würden. Trotzdem macht der 26-Jährige keinen Hehl daraus, auch einfach gerne Fleisch zu essen – dabei aber wissen zu wollen, wo es herkommt.

Anderer Meinung ist Geier hingegen, wenn es um das Thema Schreckschusswaffen geht. „Wenn mich ein Jäger anruft, der beispielsweise für die Ausbildung seines Hundes keine Patronen verschwenden möchte, ist das natürlich kein Thema. Es ist aber etwas anderes, wenn mich Jugendliche anrufen, die mir dann ad hoc nicht einmal verraten können, was sie mit der Waffe vorhaben.“ Und das komme durchaus häufiger vor – immerhin ist in Deutschland der Besitz bestimmter Schreckschusswaffen ab 18 Jahren erlaubt.

Daher ist bei Geier grundsätzlich ein Ortstermin beim Waffenkauf Pflicht. „Das schreckt in der Regel diejenigen ab, die es nicht ernst meinen. Hier vor Ort hat mich noch kein Jugendlicher nach einer Schreckschusswaffe gefragt.“ Und selbst wenn, ist Geier auch nicht zum Verkaufen gezwungen, wie er selbst sagt. „Die Chemie muss eben stimmen.“

So soll es weitergehen

Und wie soll es nun weitergehen mit dem kleinen Laden in Brügge? Darauf angesprochen, muss Geier kurz selbst überlegen, hat dann aber doch recht konkrete Vorstellungen: „Ich möchte gerne expandieren. Weniger räumlich – das wäre mit all den Sicherheitsvorkehrungen sehr aufwendig – als vielmehr in Bezug auf das Team. Es ist nicht übertrieben wenn ich sage, dass ich aktuell 14 Stunden pro Tag arbeite.“

Aktuell hat Geier „lediglich“ einen Büchsenmacher angestellt, der sich um die Reparaturen kaputter Waffen kümmert. Denn auch diesen Service bietet Geier seinen Kunden. „Ich könnte mir aber auch vorstellen, zukünftig mehr in den Bildungsbereich einzusteigen“, führt der Jagdausstatter aus und meint damit, dass er neben dem Unterricht im Rahmen des Jagdscheins auch frisch gebackenen Jägern Einblicke in die wirkliche Jagdpraxis geben könnte.

„Ich weiß noch von mir selber, wie das ist. Man hat sich nach neun intensiven Monaten den Jagdschein redlich verdient und unglaublich viel Wissen angehäuft. Und trotzdem hat man anfangs häufig noch Bedenken, das Ganze dann auch praktisch umzusetzen.“

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