Kirche ohne Turm: St. Josef und Medardus

Lüdenscheid - Mit unserer Bilder-Serie "Spaziergänge durch Lüdenscheid" laden wir zu Reisen in die Vergangenheit ein.  Das heutige Bild zeigt die katholische Kirche St. Josef und Medardus an der Sauerfelder Straße in der Zeit vor dem 1. Weltkrieg.

Die Serie

Die Beiträge für den Bilderspaziergang sind dem Buch „Die Lüdenscheider Straßennamen“ von Gerhard Geisel und Dietrich Leutloff entnommen. Die Autoren haben sie für unsere Zeitung verändert, ergänzt und zum Teil völlig neu erarbeitet. Die Bilder stammen aus dem Archiv der Stadt Lüdenscheid, den Sammlungen W. Schumacher und B. Schmidt sowie aus Privatbesitz. 

Ein ungewohnter Anblick, fehlt doch dem Gotteshaus der charakteristische etwa 54 Meter hohe Turm, der erst 1928 fertig gestellt wurde. Architekt des im Stil einer neugotischen Saalkirche errichteten Gebäudes war der Paderborner Baumeister und „geheime Baurat“ Arnold Güldenpfennig, auf dessen Entwürfe zahlreiche katholische Sakralbauten in Deutschland zurückgehen.

Kreuzkapelle auf dem Sternplatz

Seit dem Jahr 1827 hatten die katholischen Bürger Lüdenscheids in der Kreuzkapelle, die auf dem heutigen Sternplatz stand, Gottesdienst gefeiert. Die Gemeinde war bis zu Anfang der 1890er- Jahre auf mehr als 1.000 Mitglieder angewachsen. Die Kapelle bot aber lediglich 150 Personen Platz und befand sich zudem in erbärmlichem baulichen Zustand.

Der Bau von St. Josef und Medardus

Im Jahr 1882 beschloss daher der Kirchenvorstand den Bau einer neuen Kirche am Sauerfeld, mit dem 1883 begonnen wurde. Schon 1885 konnte man seine Fertigstellung feiern. Die erste Messe in der neuen Kirche las Pfingsten 1885 der damalige Pfarrer Meyer. Erst 42 Jahre später fasste man den Entschluss, einen Kirchturm und einige Erweiterungsbauten zu errichten.

Im Zuge der Fertigstellung des Turmes wurden auch vier Glocken installiert, die man am 29. Januar 1927 und am 22. Juli 1928 feierlich weihte. Die Kirchenglocken von St. Josef und Medardus teilten schon bald das Schicksal so mancher Kirchenglocken Deutschlands. 1942 wurden sie demontiert und zu Rüstungszwecken eingeschmolzen.

Medardus - Namensgeber und Stadtpatron

Der Namensgeber der Kirche ist der heilige Medardus, der auch Stadtpatron Lüdenscheids ist. Medardus wurde um 480 in Frankreich geboren und starb um 560 in Noyon. Er war Bischof von Tournai und betrieb vom heutigen Belgien aus die Mission der Heiden in Flandern. Einer Legende zufolge beschützte ein Adler den kleinen Medardus mit seinen Schwingen, als er auf freiem Feld von einem Unwetter überrascht wurde.

Hier geht es zu der Serie:

Ein Rundgang durch "Alt-Lüdenscheid"

Medardus ist nicht nur der Schutzpatron Lüdenscheids, sondern auch der der Bauern, Winzer, Bierbrauer und Schirmemacher. Er kann aber auch bei Fieber, Zahnschmerzen und Geisteskrankheiten angerufen werden. Der 8. Juni, etwa der Beginn der Heuernte, ist sein Gedenktag. Daher finden wir Bauernregeln, die mit seinem Namen verbunden sind, zum Beispiel „Medardus ohne Regen, folgt ein großer Erntesegen“ oder „Macht Medardus nass, so regnet‘s ohne Unterlass“.

Medardus, sein Name bedeutet „der Mächtige, der Starke“, war schon einmal Namensgeber einer Lüdenscheider Kirche. Bis zur Reformation hieß die heutige Erlöserkirche so, verlor diesen Namen aber, da man eine protestantische Kirche nicht nach einem katholischen Heiligen, benennen wollte.

Hier finden Sie alle Teile unserer zweiten Spaziergang-Serie "Lüdenscheider Straßennamen"

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare