500 Jahre Geschichte: Das Zeppelin-Gymnasium

Lüdenscheid - Mit unserer Bilder-Serie "Spaziergänge durch Lüdenscheid" laden wir zu Reisen in die Vergangenheit ein. Der 15. Spaziergang führt zum Staberg, zu einer Schule, die in ihrer mehr als 500-jährigen Geschichte viele Namen getragen hat - zum „Zeppelin-Gymnasium“.

Die Serie

Die Beiträge für den Bilderspaziergang sind dem Buch „Die Lüdenscheider Straßennamen“ von Gerhard Geisel und Dietrich Leutloff entnommen. Die Autoren haben sie für unsere Zeitung verändert, ergänzt und zum Teil völlig neu erarbeitet. Die Bilder stammen aus dem Archiv der Stadt Lüdenscheid, den Sammlungen W. Schumacher und B. Schmidt sowie aus Privatbesitz. 

Von seinen Schülern und Ehemaligen „Zepp“ genannt, ist eines von drei Gymnasien in unserer Stadt. Das Schulgebäude, im Stil der Florentiner Renaissance erbaut, wird zurzeit von 700 Schülern besucht. Die Schule ist geistlich-kirchlichen wie auch humanistischen Ursprungs und hat über Jahrhunderte dem Kirchspiel und der Stadt gedient. Die Anfänge der ehemaligen „Lateinschule“ lassen sich auf die Mitte des 15. Jahrhunderts datieren. Man kann davon ausgehen, dass bereits vor der Reformation Pfarrer „begabte und fleißige Jungen in die Geheimnisse der lateinischen Sprache eingeführt haben.“

Anfänge als "Lateinschule"

Die Abgaben, die die Güter und Höfe aus dem Kirchspiel und der Stadt damals für die „Lateinschule“ zu leisten hatten, um ihr ein festes finanzielles Fundament zu geben, reichten aus, dass auch ihre „Scholmeister“ davon leben konnten. So ist belegt, dass aus der Lüdenscheider „Lateinschule“, dank der Zuwendungen aus der kirchlichen Stiftung, zur damaligen Zeit etwa 30 Schüler an der Universität zu Köln studiert haben, um Kleriker oder Juristen zu werden.

Neubau 1740 für die "Rektoratsschule"

Im Jahre 1740 erfolgte ein Neubau für die nun so genannte „Rektoratsschule“ an der Nordseite des Turms der Erlöserkirche. Der Unterricht hatte zuvor jeweils in einem städtischen Raum stattgefunden, in dem auch die Reidemeister ihre Tagungen abhielten. Die Karawane der Lernenden und Lehrenden zog dann weiter in ein Schulgebäude an der Luisenstraße und ab 1822 für einige Jahre in das alte Rathaus.

1875 erfolgt der Umzug ins neue Rathaus

Die Stadt übernahm 1858 unter den von der evangelischen Kirche gestellten Bedingungen als Unterhaltsträger die „Rektoratsschule“: „1. Aus den Revenuen (Einkünften) soll zunächst der evangelische Religionsunterricht bestritten werden. 2. Sämtliche Mitglieder des Schulvorstands und sämtliche Lehrer müssen für immer evangelisch sein. 3. Der evangelische Charakter der Schule soll in jeder Beziehung gewahrt werden.“ Die Schule war nun eine „Höhere Bürgerschule“. 1875 erfolgte der Umzug ins neue Rathaus, die Anstalt erhielt den Namen „Realprogymnasium“.

1883 beginnt die Diskussion über einen Neubau

1883 begann eine zähe und lang andauernde Debatte um einen Schulneubau. Die Schülerzahl hatte stark zugenommen, die Verwaltung benötigte selbst zusätzliche Räume. Außerdem litten die Schüler unter einer alten Heizungstechnik in den Klassen, die immer wieder zu Gesundheitsstörungen führte.

Die Auseinandersetzungen um den Neubau zogen sich sieben Jahre hin, zumal andere Bauvorhaben - die Knapper Schule wurde als Volksschule errichtet, Pläne für einen Krankenhausneubau waren geschmiedet, weitere teure Baumaßnahmen standen an - die die Finanzkraft einer 17.000 Einwohner zählenden Stadt stark forderte.

Mögliche Bauplätze für den Neubau

Schließlich wurde 1886 durch Bürgermeister Rudolph Wiesmann die Dringlichkeit eines Neubaus für das „Realprogymnasium“ angemahnt. Als Bauplatz wurden die Sauerfelder Straße, der Karlsplatz und das Kerksigkämpchen in die engere Wahl gezogen. Als weiteren Vorschlag brachte man später den Garten des Krankenhauses an der Ecke Staberger Straße und Hochstraße ins Gespräch. Hier tauchte nun zum ersten Male in der Geschichte der Schule der Staberg auf.

1888 droht das Bauvorhaben zu scheitern

1888 droht das Bauvorhaben erneut zu scheitern. In der Tageszeitung meint F.W.Noelle, „wegen der gesunden Luft gehöre das Krankenhaus auf den Staberg, die Schule müsse am Sauerfeld errichtet werden.“ Ein weiterer Einwand, der gegen den Staberg vorgebracht wurde, war, dass dort im Winter „ein Schneeloch sei, der Weg nur 3,5m breit und dass kein Fußweg vorhanden sei.“ Gegen Sauerfeld sprach u.a., dass dort eine Gaststätte großen Lärm verursache, der die Schüler vom Lernen abhalten könnte.

Eröffnung am Staberg am 20. September 1890

Nach langen Debatten wird nach 15 Monaten Bauzeit am 20. September 1890 die Schule auf dem Staberg feierlich eröffnet. So hatte sie endlich ihr eigenes Haus. Vier Jahre später erfolgte die Teilung der Vollanstalt in ein „Progymnasium“ mit Griechisch und Latein und eine lateinlose „Realschule.“ So war allen Kritikern genüge getan. Elf Jahre später gab es dann ein „Reformrealgymnasium mit Realschule.“ 1906 verlassen die ersten acht Abiturienten mit der Hochschulreife die Anstalt. Von 1908 bis 1913 erfolgten Um- und Anbauten, eine Turnhalle wurde errichtet.

1930: Die Geburtsstunde des „Zeppelin-Realgymnasiums“

Ein weiterer Ausbau der Schulform blieb nicht aus, es entstand ein „Reformrealgymnasium mit Oberrealschule“. 1930 war dann die Geburtsstunde des „Zeppelin-Realgymnasiums.“ Der Name Zeppelin sollte an den Erbauer des ersten Zeppelin-Luftschiffes erinnern, dessen Aluminium Gerippe aus der Lüdenscheider Firma Carl Berg stammte. Die neue Bezeichnung der Schule sollte die Schüler dazu verpflichten, „sich den Grafen Zeppelin, mit seinem fortschrittlichen Geist, seiner Tatkraft und seiner Frömmigkeit zum Vorbild zu nehmen.“

NS-Zeit: Kuratorium aufgelöst / Schule geschlossen

In der NS-Zeit trug die Anstalt den Namen „Zeppelin-Schule“, die Kuratorien wurden aufgelöst, die Schule verlor ihren evangelischen Charakter. Während des Krieges wurden Teile des Schulgebäudes von der Wehrmacht in Beschlag genommen, bis man die Anstalt schließlich ganz schloss.

1946 wurde der Schulbetrieb wieder aufgenommen

1946 wurde der Schulbetrieb wieder aufgenommen, ein Jahr später erhielt sie endgültig den Namen „Zeppelin-Gymnasium.“ Sie war nun eine Doppelanstalt als neusprachliches und mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium, die Schullaufbahn betrug neun Jahre. Zu Beginn des Schuljahres 1972/73 wurden auch die ersten Mädchen aufgenommen, die durch einen Zaun erfolgte Trennung vom Lyzeum in der Nachbarschaft fand damit ein Ende.

Die Wetterstation

Schon 1880 richtete der Unternehmer und Wissenschaftler Julius Assmann in seinem Haus in der Hochstraße eine Wetterstation mit verschiedenen Außenstellen in Winkhausen, Haus Schöneck und anderen ein. Das Inventar dieser Station und wetterkundliche Aufzeichnungen von 1902 bis 1913 übereignete Assmann dem Zeppelin-Gymnasium, so dass schon vor dem Ende des Ersten Weltkriegs auf dem Schulgelände private Wettermessungen stattfanden.

Hier geht es zu der Serie:

Ein Rundgang durch "Alt-Lüdenscheid"

Von 1920 an wurde die Schulstation mit der Messung und Aufzeichnung von Wetterdaten beauftragt. 1945 richtete man eine hauptamtliche Wetterwarte auf dem Staberg ein. Bereits ein Jahr später gab es an der Schule eine Klimastation, eine von 40 in NRW. Messungen finden bis heute durch Lehrer und Schüler am „Zepp“ statt.

Hier finden Sie alle Teile unserer Spaziergang-Serie "Lüdenscheider Straßennamen"

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