Die Jahnturnhalle an der Jockuschstraße

Die Jahnturnhalle in der Jockuschstraße, damals noch Sadowastraße.

Lüdenscheid - Mit unserer Bilder-Serie "Spaziergänge durch Lüdenscheid" laden wir zu Reisen in die Vergangenheit ein. Im 10. Teil unserer Serie wird es sportlich, denn wir begeben uns in die Jahnturnhalle.

Die Serie

Die Beiträge für den Bilderspaziergang sind dem Buch „Die Lüdenscheider Straßennamen“ von Gerhard Geisel und Dietrich Leutloff entnommen. Die Autoren haben sie für unsere Zeitung verändert, ergänzt und zum Teil völlig neu erarbeitet. Die Bilder stammen aus dem Archiv der Stadt Lüdenscheid, den Sammlungen W. Schumacher und B. Schmidt sowie aus Privatbesitz. 

Das Bild zeigt die Jahnturnhalle in der Jockuschstraße zu Anfang der 1960er-Jahre. Der Turnverein Jahn, 1891 gegründet, ist nach dem LTV von 1861 der zweitälteste der Stadt Lüdenscheid. Seiner Gründung waren Querelen beim alteingesessenen LTV vorausgegangen. Auch wenn sich das Lüdenscheider Wochenblatt vom 24. 11. 1891 zurückhaltend äußert, scheint es, als sei beim LTV der Gedanke des Turnens ein wenig in den Hintergrund getreten. Gesellschaftliches schien Vorrang bekommen zu haben.

Gründungsversammlung des TuS Jahn

Zur Gründungsversammlung des neuen Vereins waren 170 Personen erschienen, darunter nicht wenige enttäuschte LTVler. Der Verein nannte sich „volkstümlich“ im Gegensatz zum schon bestehenden „Stehkragenverein“ LTV. Mit der Wahl des Namens „Jahn“ wollte man an die turnerische Tradition, die der Turnvater begründet hatte, anknüpfen.

Zahlreiche Gründungsmitglieder des TV Jahn waren dem sozialdemokratisch orientierten Teil der Bevölkerung zuzurechnen. Daher überrascht die Wahl des Fabrikarbeiters und Schleifers Theodor Friedmann zum ersten Vorsitzenden nicht wirklich.

1893 bezog der Verein die neu erbaute Turnhalle

Vor Kopf hing nicht das Bild des Turnvaters Jahn.

1893 bezog der Verein die neu erbaute Turnhalle an der damaligen Sadowastraße, heute Jockuschstraße. Der größte Teil der Baukosten wurde durch Spenden erbracht, wobei der Lüdenscheider Fabrikant Wilhelm Brauckmann den Löwenanteil aufbrachte. Auch das Grundstück, auf dem die Halle entstand, gehörte ihm. Offiziell war Brauckmann auch nach Aufnahme des Turnbetriebs Eigentümer der Halle, „vermietete“ sie aber an den TV Jahn. Den vereinbarten Mietzins von 600 Mark musste der Verein aber nie entrichten.

Portrait des Vereinsgönners Wilhelm Brauckmann

Die Querelen zwischen dem LTV und dem TV Jahn schienen anlässlich der Halleneinweihung behoben zu sein, denn alle Festredner sprachen von einem inzwischen guten und kameradschaftlichen Verhältnis beider Vereine. 1895 enthüllte man ein überlebensgroßes Ölgemälde des Malers Lutzmann. Es zeigte den Vereinsgönner Wilhelm Brauckmann.

Das Bild wurde an der Kopfseite der Halle aufgehängt. Im Laufe der Jahrzehnte geriet die Person des Mäzens ein wenig in Vergessenheit, und immer mehr Turner des Vereins nahmen an, an der Kopfseite der Halle sei ein Portrait des Turnvaters Jahn zu sehen. Von Ferne betrachtet, gleichen sich die beiden Herren, obwohl Jahns Vollbart üppiger war als der Brauckmanns.

Abriss erfolgte im Jahr 1963

Als die Halle 1963 abgerissen wurde, brachte man das Bild zum Restaurator. Da klärte sich, wer tatsächlich abgebildet worden war und zahlreiche Mitglieder des TV Jahn über die Jahre einem Irrtum aufgesessen waren.

Hier geht es zu der Serie:

Ein Rundgang durch "Alt-Lüdenscheid"

Der TV Jahn verlegte 1963 nach dem Abriss der Halle an der Jokuschstraße seinen Übungsbetrieb in die neu errichtete Halle der Friedensschule an der Freiherr- vom- Stein-Straße.

Heute befindet sich an der Stelle der Jahnturnhalle der Neubau der Sparkasse Lüdenscheid.

Hier finden Sie alle Teile unserer zweiten Spaziergang-Serie "Lüdenscheider Straßennamen"

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