1856 wurde die Volksbibliothek gegründet

1856 war das Gründungsjahr der Stadtbücherei in Lüdenscheid.

Lüdenscheid - Mit unserer Bilder-Serie "Spaziergänge durch Lüdenscheid" laden wir zu Reisen in die Vergangenheit ein. Im 11. Teil begeben wir uns zur Bücherei.

Die Serie

Die Beiträge für den Bilderspaziergang sind dem Buch „Die Lüdenscheider Straßennamen“ von Gerhard Geisel und Dietrich Leutloff entnommen. Die Autoren haben sie für unsere Zeitung verändert, ergänzt und zum Teil völlig neu erarbeitet. Die Bilder stammen aus dem Archiv der Stadt Lüdenscheid, den Sammlungen W. Schumacher und B. Schmidt sowie aus Privatbesitz. 

Die Stadtbücherei wurde als Volksbibliothek im Jahre 1856 gegründet, in einer Epoche, in der das Bedürfnis der Bevölkerung nach Informationen und Bildung immer größer wurde. In diese Zeit fallen daher die Gründungen zahlreicher Zeitschriften, Illustrierten, Wochen- und Tageszeitungen. Auch unsere Tageszeitung, die Lüdenscheider Nachrichten (LN), hat als damaliges „Lüdenscheider Wochenblatt“ ihr Gründungsjahr 1854.

Die drittälteste Bücherei Deutschlands

Es war der Verdienst angesehener Bürger der Stadt - Lüdenscheid zählte zu dieser Zeit 5000 Einwohner -, dass im Mai 1857 die „Volksbibliothek der Stadt Lüdenscheid“ eröffnet wurde. Sie war damit die drittälteste Bücherei Deutschlands. Friedrich Rottmann (1821-1895), Lehrer, Pfarrer und Schulinspektor, war einer ihrer Mitbegründer und ihr erster Leiter. Für sein Wirken erhielt er 1894 die Ehrenbürgerrechte der Stadt. Da die Bücherei eine private Institution war, lebte sie anfangs von Spenden, Gebühren und Buchgeschenken aus der Bevölkerung. Mit 380 Bänden startete man die Ausleihe in der Nordschule (heute Medardusschule).

Benutzung eines Buches kostete 10 Pfennige pro Woche

Ein Auszug aus den Ausleihvorschriften in der Gründungsphase soll verdeutlichen, welche Bedingungen zu erfüllen waren: „§1. Die städtische Volksbibliothek ist jeden Sonntag, im Sommerhalbjahr von 1-2 Uhr, im Winterhalbjahr von 1-3 Uhr nachmittags, geöffnet. §4. Außer dem Abonnement kostet die Benutzung eines Buches 10 Pfg. pro Woche. Wird das Buch länger als eine Woche gehalten, so ist für jede fernere Woche außer dem Lesegelde von 10 Pfg. noch ein Strafgeld von 5 Pfg. zu zahlen. §6. Bei Verweigerung der Strafgelder darf vom Bibliothekar kein Buch weiter verabfolgt werden.“ Nach einem Jahr waren bereits 180 Benutzer und mehr als 2 000 Entleihungen zu zählen.

1920 übernahm die Stadt die Bücherei

Wechselnde Standorte schlossen sich an. Zunächst zog man in das Lokal „Berliner Hof“, seit 1919 Kino „Metropol Theater“, später „Capitol“. Weiter führte der Weg in einen Raum der Mädchenschule, wo man wegen Schimmel an den Wänden um den Bücherbestand fürchten musste. Ein weiterer Unterbringungsort war die Gaststätte „Jägerhof“.

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Ein Rundgang durch "Alt-Lüdenscheid"

Erst im Jahre 1900 brachte der Umzug in die erste Etage des Spritzenhauses der Freiwilligen Feuerwehr in der Corneliusstraße eine gewisse Ruhe. 1920 übernahm die Stadt aus finanziellen Gründen die Bücherei. Sie fand 1937 im Stadthaus an der Cornelius-/Luisenstraße, das die Stadtverwaltung vom Konsumverein übernommen hatte, ihr endgültiges Domizil. 1951 wurde das Gebäude renoviert und umgestaltet, aus der alten Thekenbücherei wurde eine neue, der Zeit entsprechende Bücherei aufgebaut.

Hundertjahrfeier fand im Parktheater statt

Im 100. Jahr ihres Bestehens erfolgte ein größerer Umbau. Wieder einmal war der Raum zu knapp geworden, zumal auch VHS, Kulturamt und Kunstgemeinde Räume im Stadthaus nutzten. Die Bücherei wurde für ein Jahr geschlossen. Die Feierstunde anlässlich der Hundertjahrfeier musste daher in das Parktheater ausgelagert werden. Um die anstehenden feierlichen Reden und Gesänge nicht zu stören, verfügte die Verwaltung, dass im Schwimmbad unter dem Theater jegliches Springen vom Sprungbrett während der Feier zu unterlassen sei.

1989 wurde die "neue" Stadtbücherei eröffnet

Durch den Bau des neuen Rathauses zog das Kulturamt aus dem Stadthaus aus, die Kunstgemeinde erhielt Räume im Alten Rathaus. Dennoch waren die Raumprobleme dauerhaft nicht zu lösen. Mit dem Abriss des „Jägerhofs“ wurde Platz für einen größeren Anbau geschaffen. 1979 gab die Verwaltung mit der Ausschreibung eines Architektenwettbewerbs das entscheidende Signal für eine neue Ära der Bibliothek gegeben. Zehn Jahre später wurde die „neue“ Stadtbücherei eröffnet, ein städtebauliches Juwel.

Hier finden Sie alle Teile unserer zweiten Spaziergang-Serie "Lüdenscheider Straßennamen"

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