Vom Kaufmann Leopold Simon zur „Kaufhof AG“

Der Sternplatz um das Jahr 1912.

Lüdenscheid - Mit unserer Bilder-Serie "Spaziergänge durch Lüdenscheid" laden wir zu Reisen in die Vergangenheit ein. Im Mittelpunkt des 27. und vorerst letzten Teils der Serie steht der heutige Sternplatz.

Die Serie

Die Beiträge für den Bilderspaziergang sind dem Buch „Die Lüdenscheider Straßennamen“ von Gerhard Geisel und Dietrich Leutloff entnommen. Die Autoren haben sie für unsere Zeitung verändert, ergänzt und zum Teil völlig neu erarbeitet. Die Bilder stammen aus dem Archiv der Stadt Lüdenscheid, den Sammlungen W. Schumacher und B. Schmidt sowie aus Privatbesitz. 

Um 1910 wurde er noch Wilhelmsplatz genannt, weil hier seit 1889 das Denkmal des deutschen Kaisers Wilhelms I. stand. Betrachtet man das Bild, schaut man sozusagen vom Denkmal aus auf den Platz.

Rechts sieht man das Bekleidungsgeschäft des jüdischen Kaufmanns Leopold Simon. Er bot „Manufacturwaren“ an, also Meterwaren und Textilwaren. Simons Angebotspalette reichte von Kleiderstoffen, Bettfedern, Daunen bis zu Kinderkleidern und Knabenanzügen. 1926 beschloss er, sein Haus abreißen und ein neues Kaufhaus erbauen zu lassen. Nachdem die Bauarbeiten begonnen hatten, änderte Simon jedoch seinen Entschluss und verkaufte das Geschäft an die Kölner Warenhausgruppe Tietz, die überall in Deutschland erfolgreich Warenhäuser betrieb.

Kaufhaus wurde 1955 abgerissen

Zum Zeitpunkt der Übernahme des Warenhauses von Leopold Simon umfasste das Unternehmen Tietz etwa 43 Waren- und Kaufhäuser. Die Tietz Aktiengesellschaft bestand bis 1933. Um die durch die Nationalsozialisten angestrebte Auflösung des Unternehmens zu verhindern, erfolgte die Umbenennung in „Westdeutsche Kaufhof AG“. Dennoch wurde die jüdische Familie Tietz enteignet und emigrierte ins Ausland. Das in Lüdenscheid entstandene Kaufhaus wurde 1955 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Nach etwa 20 Jahren war auch dessen Schicksal besiegelt. Der Kaufhof zog in das heutige Sterncenter um. An seine Stelle trat ein städtebaulich eigenwilliges Gebäude, die Kaufhalle, dann ein Unternehmen namens M.multistore. Das vorerst letzte Kapitel schrieb der irische Investor Allen, der das Gebäude vollständig entkernen ließ und ihm ein attraktiveres Äußeres verlieh.

Jüdische Familie Alsberg wurde enteignet

Auf der gegenüberliegenden Seite liegt das im Jahr 1900 erbaute Kaufhaus Alsberg, ein Gebäude mit großen Fensterfronten auf drei Etagen. Auch die jüdische Familie Alsberg wurde von den Nationalsozialisten enteignet. 1935 erwarb Alfred Krause das Kaufhaus, das 1938 eine neue, modernere Fassade bekam. 1950 vernichtete ein Brand das Gebäude vollständig, es wurde aber in Rekordzeit ein neues aufgebaut, so dass schon 1951 wieder Teile in Betrieb genommen werden konnten. Die endgültige Fertigstellung, inklusive Panoramarestaurant im Obergeschoss, erfolgte 1955.

Hier geht es zu der Serie:

Ein Rundgang durch "Alt-Lüdenscheid"

Von 1976 bis 2011 bewirtschaftete die Leffers AG das Gebäude, das zurzeit leer steht. Ihr Nachfolger wollte Peek & Cloppenburg werden und hatte die Fertigstellung einer neuen Filiale bis 2014 in Aussicht gestellt. Man wartet in Lüdenscheid bisher vergebens auf den ersten Spatenstich.

Alle Teile der Spaziergang-Serie "Lüdenscheider Straßennamen"

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