1929 bis 1952: Der Bau der Versetalsperre

Die Dammbaustelle der Verse. 1951 erfolgte der Einstau.

Lüdenscheid - Mit unserer Bilder-Serie "Spaziergänge durch Lüdenscheid" laden wir zu Reisen in die Vergangenheit ein. Die siebte Station führt zur Versetalsperre, im Volksmund kurz Verse genannt. Die Sperre ist heute ein beliebtes Erholungsgebiet.

Die Serie

Die Beiträge für den Bilderspaziergang sind dem Buch „Die Lüdenscheider Straßennamen“ von Gerhard Geisel und Dietrich Leutloff entnommen. Die Autoren haben sie für unsere Zeitung verändert, ergänzt und zum Teil völlig neu erarbeitet. Die Bilder stammen aus dem Archiv der Stadt Lüdenscheid, den Sammlungen W. Schumacher und B. Schmidt sowie aus Privatbesitz.

Schon vor tausenden von Jahren bauten die Menschen Dämme, um in den so entstandenen Becken Wasser aufzustauen. Dieses Wasser machten sie sich zur Bewässerung ihrer Felder, zum Betreiben von Wasserrädern, vor allem aber als Trinkwasser nutzbar. So entstanden Talsperren, die bereits im 8. Jahrhundert in unseren Landen belegt sind.

Bedingt durch die Industrialisierung im 19. Jahrhundert gerieten in Westfalen viele kleine Betriebe mit ihren Hammerwerken, Schmieden und Drahtziehereien in starke Konkurrenz zu den großen Fabriken an der Ruhr, die ihre Energie aus der Steinkohle schöpften. Die Industrie im Sauerland und im Bergischen Land konnte aber nur konkurrenzfähig bleiben, wenn sie die preiswerte Energie des Wassers ständig zur Verfügung hatte. Als Folge entstanden nicht nur in unserer Region, sondern in ganz Deutschland zwischen 1889 und 1925 weit mehr als 30 Talsperren.

Fürwigge Talsperre gilt als Vorläufer

Als Vorläufer unserer Versetalsperre gilt die Fürwigge Talsperre, gespeist unter anderem durch fünf kleine Bäche, darunter die Fürwigge und die Verse. Diese Talsperre, die zunächst den Namen Obere Versetalsperre trug, war mit rund 1,7 Millionen Kubikmetern Fassungsvermögen für den ansteigenden Wasserbedarf viel zu klein geworden.

So beschloss der bereits 1899 gegründete Ruhrtalsperrenverein im Jahre 1929, im Versetal eine viel größere Talsperre zu bauen. Deren Bau sollte sich bis in das Jahr 1952 hinziehen.

Zunächst errichtete man in Nähe der Ortschaft Steinbach einen Vordamm, der 1933 in Betrieb genommen wurde. Die eigentlichen Arbeiten am Hauptabsperrbauwerk nahm man aufgrund der Weltwirtschaftskrise erst 1938 auf.

Reste der Gehöfte und Häuser sind bei Niedrigwasser  noch sichtbar

Der Beginn des Zweiten Weltkrieges führte erneut zu einer Verzögerung, erst im Verlauf des Krieges schritten die Bauarbeiten voran. Der Bau erforderte schließlich die Umsiedlung von etwa 90 Bewohnerinnen und Bewohnern, die zu dieser Zeit in Clame, Oberclame, Hokühl und weiteren kleinen Bauernschaften lebten. Seit 1951, dem Jahr des Einstaus, sind die Gehöfte und Häuser, die vor der Flutung abgetragen wurden, vom Wasser der Versetalsperre bedeckt.

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Ein Rundgang durch "Alt-Lüdenscheid"

Ihre Reste sind bei niedrigem Wasserstand heute teilweise aber noch sichtbar. Im Jahre 1940 errichtete man in den bereits vorhandenen Baubaracken von Hunswinkel das erste von der Polizei bewachte Arbeitserziehungslager der NS-Zeit. In ihm waren bis Kriegsende fünftausend Menschen aus verschiedenen europäischen Ländern und aus Deutschland untergebracht. Sie mussten für die vom Ruhrtalsperrenverein beauftragte Firma Hochtief den Bau der Sperre vorantreiben. Mindestens 550 Gefangene fanden durch Hunger, schwerste Arbeiten, Prügel und Erschießen den Tod. Ein Mahnmal an der Klamer Brücke erinnert heute an diese Opfer.

Die Versetalsperre mit ihrem Absperrbauwerk besteht aus einem Erddamm mit Betonkern und hat ein Fassungsvermögen von über 33 Millionen Kubikmeter Wasser. Die Höhe über Talsohle beträgt etwa 52 Meter. Für die Sicherstellung der Trinkwasserversorgung der umliegenden Gemeinden und Teilen des Ruhrgebiets wurde die Talsperre 1987 zum Wasserschutzgebiet erklärt.

Hier finden Sie alle Teile unserer zweiten Spaziergang-Serie "Lüdenscheider Straßennamen"

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