Othlinghausen - Stadtviertel mit langer Geschichte

Die Bauernschaft Othlinghausen wurde 1969 eingemeindet.

Lüdenscheid - Mit unserer Bilder-Serie "Spaziergänge durch Lüdenscheid" laden wir zu Reisen in die Vergangenheit ein.  Die 13. Folge führt uns in ein Musikerviertel mit einer langen Geschichte - nach Othlinghausen.

Die Serie

Die Beiträge für den Bilderspaziergang sind dem Buch „Die Lüdenscheider Straßennamen“ von Gerhard Geisel und Dietrich Leutloff entnommen. Die Autoren haben sie für unsere Zeitung verändert, ergänzt und zum Teil völlig neu erarbeitet. Die Bilder stammen aus dem Archiv der Stadt Lüdenscheid, den Sammlungen W. Schumacher und B. Schmidt sowie aus Privatbesitz. 

Wenn Spaziergänger, vom Lüdenscheider Stadtteil Buckesfeld kommend, in Richtung Oedenthal wandern, passieren sie die ehemalige Bauernschaft Othlinghausen. Zu ihr gehören auch die Bauernweiler Felde und Eicken. Die kleine Ortschaft ist eine ländlich geprägte Weilersiedlung, deren Bewohner heute nicht mehr landwirtschaftlicher Beschäftigung nachgehen.

Siedlung zählte fünf bäuerliche Betriebe

Früher zählte die Siedlung fünf bäuerliche Betriebe, die zum Teil einen Hofverkauf hatten. Zu ihnen gehörte auch die „Gaststätte Bräcker“. Eine eingemauerte Steintafel neben dem Eingang weist auf das Entstehungsjahr des Gebäudes im Jahre 1746 hin. Das Haus in dritter Besitzergeneration, früher bereits eine Gastwirtschaft, war 1916 einem Brand zum Opfer gefallen. Es wurde von Julius Bräcker gekauft und mit Steinen aus dem nahegelegenen Steinbruch wieder aufgebaut.

Archäologische Funde aus der Mittleren Steinzeit

Archäologische Funde legen die Vermutung nahe, dass in der Nähe des Weilers bereits in der Mittleren Steinzeit ein Lager- und Rastplatz zu lokalisieren ist. Die Fundgegenstände sind unscheinbare Steingerätschaften wie Werkzeuge, Feuersteine und Klingen.

Siedlungsbeginn zwischen 500 und 800 nach Christus

Keramikscherben- und fragmente sind dem Mittelalter und der frühen Neuzeit zu zuordnen. Reste eines Eisenschmelzofens und verstreute Eisenschlacken auf den Feldern belegen, dass in Othlinghausen Eisenerz für den Eigenbedarf erzeugt wurde. Da aus der Frühzeit der Besiedlung kaum schriftliche Urkunden überliefert sind, haben die vielfältigen Funde eine besondere Bedeutung. Der Siedlungsbeginn des Ortes kann, da Sachsen in unserer Gegend siedelten, in die Zeit von 500 bis 800 nach Christus gelegt werden.

Oth lässt sich von Odil oder Odilo ableiten

Oth lässt sich vom Namen Odil oder Odilo bzw. Odila und Odilia ableiten. Die Namensendung –inghausen deutet darauf, dass dieser Ort einem solchen Odil zu eigen war. Im Jahre 1250 wird Rychardus de Odentale mit dem Hof Oteringhausen belehnt, 1488 erfolgt die erste urkundliche Erwähnung, ab etwa 1600 ist die Ortsgeschichte durch besitzrechtliche Nennungen besser zu verfolgen.

Weiler gehörte zur Bauernschaft Winkhausen

Der Weiler gehörte im Mittelalter zur Bauernschaft Winkhausen im Kirchspiel Lüdenscheid. Von Winkhausen führte schon in frühen Zeiten über die Siedlungsstelle Othlinghausen ein Weg zum Heerweg bei Hohe Steinert. Auch eine Wegeverbindung nach Schloss Oedenthal und Lüdenscheid wird beschrieben.

Im Dreijährigen Krieg gebrandschatzt

Im Dreißigjährigen Krieg zogen marodierende Soldatengruppen durch das Land, vertrieben die in großer Armut lebende Bevölkerung und brandschatzten deren Höfe, so auch in Othlinghausen. Lange Zeit war die Siedlung wie andere Bauernschaften auch kirchlicher Besitz und musste zum Unterhalt der heutigen Erlöserkirche und seiner Kirchspielpfarrer sorgen.

Um 1780 entstand die Bauernschaftsschule

Um 1780 entstand die Schule zu Othlinghausen als „Bauernschaftsschule“ und Vorläuferin der Felder Schule aufgrund einer preußischen Anordnung von 1763. Die älteste „Hofschule“ des damaligen Amts Lüdenscheid war die Schule zu Winkhausen, die nun durch die Neuordnung des ländlichen Schulwesens Othlinghausen angegliedert werden sollte.

Streit um das Kostgeld für den Lehrer

Damit waren die Winkhauser Reidemeister, die ihre „Hofschule“ unbedingt behalten wollten, nicht einverstanden. Sie weigerten sich, Kostgelder für den Othlinghauser Schullehrer zu bezahlen, zumal sie keines ihrer Kinder dort zur Schule schickten. Bürgermeister Kercksig sollte als Schlichter auftreten. Er ließ durch einen Polizisten „vier Messing- oder Kupferkessel als Pfand“ eintreiben, Geld war ihm nicht ausgeliefert worden.

Hier geht es zu der Serie:

Ein Rundgang durch "Alt-Lüdenscheid"

Bevor die gepfändeten Kessel zum Verkauf kamen, wurde der Lüdenscheider Bürgermeister durch den Hagener Präfekten aufgefordert, die Pfändung auszusetzen, da die „Verbindlichkeit derselben (Winkhauser Reidemeister) nach Othlinghausen Schulgeld zu bezahlen, noch gar nicht constatiert (feststeht)“. Die Tradition der ältesten Schule im Amt hat dann später, nach der Auflösung der Othlinghauser Schule, die Schule in Felde übernommen.

Eingemeindung am 1. Januar 1969

Infolge der Eingemeindung des Dorfes am 1. Januar 1969 wurde die in den 60er-Jahren begonnene Bebauung um Othlinghausen fortgesetzt, in den späten 80-ern wurde am Schierey ein weiteres Neubaugebiet erschlossen. Wegen der Benennung der Straßen mit Musikernamen spricht man heute vom „Musikerviertel“.

Hier finden Sie alle Teile unserer Spaziergang-Serie "Lüdenscheider Straßennamen"

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