Die neue Schützenhalle am Loh

1899 begann man mit dem Bau der „Neuen Schützenhalle“. 1916 landete auf dem Schützenplatz ein Flugzeug.

Lüdenscheid - Mit unserer Bilder-Serie "Spaziergänge durch Lüdenscheid" laden wir zu Reisen in die Vergangenheit ein. Im 18. Teil begeben wir uns zum Loh. Seit dem Jahr 1860 stand dort eine erste Schützenhalle. Im Jahr 1899 begann dann der Bau der "Neuen Schützenhalle".

Die Serie

Die Beiträge für den Bilderspaziergang sind dem Buch „Die Lüdenscheider Straßennamen“ von Gerhard Geisel und Dietrich Leutloff entnommen. Die Autoren haben sie für unsere Zeitung verändert, ergänzt und zum Teil völlig neu erarbeitet. Die Bilder stammen aus dem Archiv der Stadt Lüdenscheid, den Sammlungen W. Schumacher und B. Schmidt sowie aus Privatbesitz. 

Bereits 1860 errichtete die „Lüdenscheider Schützengesellschaft 1506 e.V.“ eine erste massive Festhalle auf dem Loher Höhenzug, die später auch sogenannte „Alte Schützenhalle“. Sie wurde mehrmals umgebaut, erweitert und diente zum Schluss als Turnhalle. Um die Jahrhundertwende nahm mit der Bevölkerungszunahme auch die Mitgliederzahl in der Schützengesellschaft zu, so dass man von dem Plan eines erneuten Anbaus absah. 1984 wurde das Gebäude abgerissen.

Einweihung im August 1900

1899 begann man mit dem Bau der „Neuen Schützenhalle“ am gegenüberliegenden Ende des Schützenplatzes. Die Kosten beliefen sich auf etwa 300 000 Mark. Bei ihrer Einweihung im August 1900 galt die Festhalle als eine der größten in Westfalen. Da die Halle vor allem repräsentativen Zwecken dienen sollte, ist das gesamte Bauwerk ein vom Jugendstil geprägter neubarocker Großbau, einer Basilika gleich. Im Inneren wird der Mittelteil von niedrigen Seitenschiffen begrenzt, flache Bögen werden von korinthischen Kapitellen getragen. In Blickrichtung Schützenplatz hat man später einen Anbau für ein Restaurant mit verbreitetem Haupteingang gesetzt.

Dreigeschossiger Turm mit Jugendstilhaube

Ein besonders markanter Bauteil der Schützenhalle ist der dreigeschossige Turm mit seiner Jugendstilhaube mit Laterne (durchbrochener Aufbau über der Kuppelhaube), die sich über einer kleinen Plattform erhebt. Aufgrund ihrer Lage auf einem Hügel ist die Halle von vielen Orten der Stadt zu sehen. Als architektonisches Vorbild der „Neuen Schützenhalle“ gilt das Gebäude des englischen Oberhauses (House of Lords), das 1834 abgebrannt ist. Neben rauschenden Festen ist der Festsaal der Halle während des Ersten Weltkriegs auch als Lazarett genutzt worden. Dem Gebäude in westlicher Richtung vorgelagert ist der Schützenplatz, eingerahmt von der Breslauer Straße, Recken-und Saarlandstraße und einer auf die Halle ausgerichteten Allee.

Landung von Fliegerleutnant Schulte

Auf ihm ereignete sich am 2. Juli 1916 eine Begebenheit, die laut Lüdenscheider Zeitung tausende von Bürgern angezogen hat. Der Lüdenscheider Fliegerleutnant Schulte wollte seiner Heimatstadt einen Besuch abstatten und auf dem Schützenplatz landen. Die Zeitung berichtete: „Hinter der abgesperrten Landebahn warteten die erwartungsvollen Zuschauer, die ein Eintrittsgeld von fünf oder zehn Pfennig zu Gunsten deutscher Gefangener gezahlt hatten. Die Begeisterung kannte keine Grenzen mehr, als das Fluggerät herannahte. Mit donnerndem Motor landete es unter dem grenzenlosen Jubel der Zuschauer.“ Nach rund einer Stunde verließ der Pilot, der später in einem Luftkampf ums Leben kam, den Schützenplatz.

Hier geht es zu der Serie:

Ein Rundgang durch "Alt-Lüdenscheid"

Die „Neue Schützenhalle“ ist heute der größte Veranstaltungsort Lüdenscheids. Sie wird nicht nur von der für den Bau verantwortlichen Schützengesellschaft genutzt, sondern besitzt Bedeutung darüber hinaus für das öffentliche Leben der Stadt. Lange Zeit war die Halle vor Ort die wichtigste Veranstaltungsstätte für Theateraufführungen und Konzerte, bis das Kulturhaus 1981 eröffnet wurde.

Heute haben Messen, Ausstellungen, Schulfeste und Feierlichkeiten verschiedener religiöser Gemeinschaften in der ehrwürdigen Schützenhalle ihr „Zuhause“ gefunden.

Hier finden Sie alle Teile unserer Spaziergang-Serie "Lüdenscheider Straßennamen"

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare