Die Johannisloge zum Märkischen Hammer

Der Gebäudekomplex an der heutigen Freiherr-vom-Straße hat sich kaum verändert.

Lüdenscheid - Mit unserer Bilder-Serie "Spaziergänge durch Lüdenscheid" laden wir zu Reisen in die Vergangenheit ein. Der 16. Teil führt zur Johannisloge zum Märkischen Hammer, die 1888 in Lüdenscheid gegründet worden ist.

Die Serie

Die Beiträge für den Bilderspaziergang sind dem Buch „Die Lüdenscheider Straßennamen“ von Gerhard Geisel und Dietrich Leutloff entnommen. Die Autoren haben sie für unsere Zeitung verändert, ergänzt und zum Teil völlig neu erarbeitet. Die Bilder stammen aus dem Archiv der Stadt Lüdenscheid, den Sammlungen W. Schumacher und B. Schmidt sowie aus Privatbesitz. 

1888 wurde die Johannisloge zum Märkischen Hammer in Lüdenscheid gegründet. Ein bemerkenswertes Detail am Rande ist dabei, dass ihre Stiftung durch Friedrich III., Kaiser des Deutschen Reiches und stellvertretender „Protektor der preußischen Großlogen“ genehmigt wurde. Da Friedrich III. nur 99 Tage nach seiner Thronbesteigung starb, blieb die Lüdenscheider Freimaurerloge die einzige, die während seiner Regierungszeit gegründet wurde.

Eine christlich geprägte Vereinigung

Die „Johannisloge“ in Lüdenscheid sieht sich als eine christlich geprägte Vereinigung. Sie stellt in ihrem Namen einen Bezug zu Johannes dem Täufer her. Er wollte die Menschen zu wahrer Erkenntnis bringen. Der Name „Zum Märkischen Hammer“ leitet sich von den früher in dieser Gegend arbeitenden Hammerwerken ab. Dazu heißt es in einer Schrift der Lüdenscheider Loge: „So wie das Hammerwerk durch Schmieden das Eisen veredelt, weil es das Eisenoxyd des glühenden Blocks in Form von Blättern entfernt, so soll auch die Freimaurerei das reine Eisen der Seele freilegen und von Schlacken befreien.“

Grundstückskauf um August 1900

Zunächst war ein eigenes Logenhaus nicht vorhanden, so dass die Logengründer froh waren, in der Gaststätte „Zum Jägerhof“, die am heutigen Graf-Engelbert-Platz lag, eine Wohnung mieten zu können, die sie für ihre Zwecke herrichteten. Im August 1900 konnte dann ein Grundstück am Rande der Innenstadt an der Concordiastraße erworben werden. Die jüdische Gemeinde Lüdenscheids übernahm die Räume der Freimaurer im „Jägerhof“, um dort einen Gebetsraum einzurichten. Auf dem Grundstück, das an der heutigen Freiherr-vom-Stein-Straße liegt, stand bereits eine Villa aus dem Jahr 1875, die in den darauf folgenden Jahren durch einen Anbau erweitert wurde. Zunächst erfolgte ein Saalanbau. Er diente als Versammlungsraum, der bei den Freimaurern „Tempel“ genannt wird.

Beschlagnahmung des Logenhauses durch die SS

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten waren die Logen in Deutschland starken Repressionen ausgesetzt, wobei es dem Regime nicht nur um die Vernichtung der Freimaurerei, sondern auch um die Beschlagnahme des nicht unbeträchtlichen Logenbesitzes ging. Im Juli 1934 wurde das Haus samt Inventar durch Angehörige der SS beschlagnahmt und sein Inventar abtransportiert. Kurze Zeit später erzwangen die örtlichen Organisationen der NSDAP den „freiwilligen Verkauf“ des Logenhauses an eine Molkerei. Versuche, das Haus einer zweckdienlicheren Nutzung, etwa als Bücherei, zuzuführen, wurden abgelehnt. Die Lüdenscheider Logenbrüder trafen sich in der NS-Zeit am Stammtisch, um die Verbundenheit untereinander zu stärken und zu erhalten, dabei von der Gestapo argwöhnisch beäugt.

Rückgabe des Gebäudes 1953

Ironie der Geschichte, dass Eduard Amtenbrink, Architekt und Logenbruder, zur Mitarbeit am Umbau des Logenhauses zur Molkerei verpflichtet werden sollte. Nach erster Weigerung war er doch dazu bereit. Ein Logenbruder hatte ihm geraten: „Übernimm Du diese Aufgabe, dann haben wir die Pläne und wissen, was wir rückgängig machen müssen, wenn dieser braune Spuk einmal vorbei ist.“ Nach dem Krieg konnte die Arbeit in der Loge wieder aufgenommen werden, bis zur Rückgabe des Logengebäudes dauerte es aber noch weitere acht Jahre. Zudem befand sich das Haus 1953 in einem traurigen Zustand, so dass beträchtliche Mittel aufgebracht werden mussten, um die Räume wieder herzurichten.

13 Logenmeister seit ihrer Gründung

Seit ihrer Gründung wurde die Lüdenscheider Loge von 13 Logenmeistern geführt. Am längsten stand Dr. W. Boecker d. Ält. (1888 -1930) an ihrer Spitze, 2013 übernahm der Kaufmann Peter Thonemann die Aufgaben des Logenmeisters.

Hier geht es zu der Serie:

Ein Rundgang durch "Alt-Lüdenscheid"

Schon immer haftete den Logen der Ruf geheimbündlerischen Tuns an. Das mag daran liegen, dass den Freimaurern jegliche Art von Öffentlichkeitsarbeit fremd war. Ihr Wesen, ihre Ziele und ihre Rituale unterlagen strenger Geheimhaltung. Selbst das Bekenntnis der Zugehörigkeit zur Loge war der Verschwiegenheit unterworfen.

In den letzten Jahrzehnten hat sich an dieser Haltung sehr viel geändert. In den Räumen der Loge finden Veranstaltungen statt, zu denen auch Gäste willkommen sind. Mit anderen Worten: Die Logen haben sich der Gesellschaft geöffnet, um für ihre Ziele Menschlichkeit, Toleranz und Völkerverständigung zu werben und ihren Teil dazu beizutragen, das Gebäude einer besseren Gesellschaft zu errichten.

Hier finden Sie alle Teile unserer Spaziergang-Serie "Lüdenscheider Straßennamen"

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare