Lüdenscheider Feuerordnung im Jahr 1693

Die Spritzenabteilung im Jahr 1889.

Lüdenscheid - Mit unserer Bilder-Serie "Spaziergänge durch Lüdenscheid" laden wir zu Reisen in die Vergangenheit ein. Mit dem 21. Teil tauchen wir in den ersten Teil der Geschichte der Feuerwehr in Lüdenscheid ein.

Die Serie

Die Beiträge für den Bilderspaziergang sind dem Buch „Die Lüdenscheider Straßennamen“ von Gerhard Geisel und Dietrich Leutloff entnommen. Die Autoren haben sie für unsere Zeitung verändert, ergänzt und zum Teil völlig neu erarbeitet. Die Bilder stammen aus dem Archiv der Stadt Lüdenscheid, den Sammlungen W. Schumacher und B. Schmidt sowie aus Privatbesitz. 

Überzeugte Lüdenscheider sind der Ansicht, dass ihre Stadt mit der Hauptstadt Italiens, Rom, gemein hat, dass beide Städte auf sieben Hügeln erbaut sind. Weniger bekannt ist aber, dass zum Beispiel auch Rom zur Zeit von Kaiser Nero und anderen mit großen Bränden zu kämpfen hatte, die ganze Stadtteile vernichteten. In unserer Serie über Alt-Lüdenscheid präsentieren wir diesmal den ersten Teil der Geschichte der Feuerwehr in Lüdenscheid: Sechs große Stadtbrände, die Lüdenscheid in Schutt und Asche legten, sind in folgenden Jahren vermerkt: 1530, 1578, 1589, 1656, 1681 und 1723. Sicher gab es bereits vor 1530 größere Brände in der Stadt. Aufzeichnungen darüber sind nicht vorhanden.

1500 Einwohner in 240 Häusern

Vor rund 250 Jahren lebten in Lüdenscheid etwa 1500 Einwohner in 240 Häusern. In fünf Minuten konnte man die Stadt durchqueren. Zwei starke Mauern und ein tiefer Graben umschlossen die Stadt. Zwei doppelte Tore im Osten und Westen wurden von Torwächtern besetzt. Von außen sah die Stadt gut befestigt und gesichert aus. Im Inneren klebten die Häuser an der Stadtmauer, Straßenzüge verliefen entlang der schützenden Mauer (heute Corneliusstraße, Ringmauerstraße, Schemperstraße, Grabenstraße).

Letzte große Stadtbrand im August 1723

Das Vieh, etwa 400 Stück zu dieser Zeit, wurde viermal am Tag durch die Stadt getrieben, Morast und Schlamm bildeten den Straßenbelag. Der letzte große Stadtbrand ereignete sich zur Mittagszeit im August 1723, innerhalb einer dreiviertel Stunde waren zwei Drittel aller Gebäude zu Schutt und Asche geworden. Sieben Menschen starben, etwa 100 Stück Vieh fanden den Tod. Sogar die Glocken im brennenden Kirchturm schmolzen.

Bauweise als Ursache aller Stadtbrände

Die Ursachen aller Stadtbrände lagen vor allem in der damaligen Bauweise. Da es keine Bauordnung gab, baute jeder wie er wollte: Die Häuser waren im Fachwerkbau errichtet, Holz war ein billiger Baustoff, die Strohdächer stießen aneinander, zwischen den einzelnen Gebäuden türmte sich Unrat, auch die Abortgruben lagen dort. Die Häuserwände waren zwischen den Balken mit Reisig, Lehm und Flechtwerk ausgefüllt, Häuser aus Stein zu bauen war zu teuer. Schornsteine gab es nicht, die Gewerbebetriebe der Schmiede und Drahtzieher lagen in oder neben den Gebäuden. Hanf und Flachs wurden in der Nähe des Feuers getrocknet, abends bei offenem Licht verarbeitet. Das Hantieren mit offenen Laternen und die berufliche Tätigkeit des Schmieds mussten notgedrungen zu Brandkatastrophen führen.

Lüdenscheider Feuerordnung im Jahr 1693

1693 erließ Bürgermeister Cronenberg eine Feuerordnung, die unter anderem vorsah, die Bauweise der Häuser zu ändern. Schornsteine und Rauchlöcher mussten nun durch das Dach geführt werden. Die Verarbeitung von Flachs und Hanf durfte nur bei Tageslicht und außerhalb der Stadt geschehen. Weiterhin war es den „Schmitten“ (Schmieden) nicht mehr erlaubt, innerhalb der Stadtmauer ihre Arbeiten zu verrichten.

Preußische Feuerordnung von 1717 verschärfte die Lüdenscheider Brandordnung

Die preußische Feuerordnung von 1717 verschärfte die Lüdenscheider Brandordnung zur Brandverhütung und den Brandschutz. Das Schießen in der Stadt war nun verboten, die Häuser waren mit Ziegeln oder Schiefer einzudecken. Alle Scheunen mussten vor die Stadt verlegt werden.

Hier geht es zu der Serie:

Ein Rundgang durch "Alt-Lüdenscheid"

Brandspritzen wurden angeschafft, bei nächtlichen Bränden sollten Laternen vor die Häuser gehängt werden, um die Gassen und Straßen zu beleuchten. Handwerker und deren Gesellen hatten als erste Brandbekämpfer vor Ort zu sein. Müller und Fuhrleute holten das Wasser zur Brandbekämpfung heran, zum ersten Male wurden auch Geldprämien für die Brandbekämpfer gewährt.

Hier finden Sie alle Teile unserer Spaziergang-Serie "Lüdenscheider Straßennamen"

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