Bismarcksäule wurde 1965 abgetragen

Ein Bild aus den 50er-Jahren: Die Bismarcksäule.

Lüdenscheid - Mit unserer Bilder-Serie "Spaziergänge durch Lüdenscheid" laden wir zu Reisen in die Vergangenheit ein. Diesmal geht es zur Bismarcksäule.

Die Serie

Die Beiträge für den Bilderspaziergang sind dem Buch „Die Lüdenscheider Straßennamen“ von Gerhard Geisel und Dietrich Leutloff entnommen. Die Autoren haben sie für unsere Zeitung verändert, ergänzt und zum Teil völlig neu erarbeitet. Die Bilder stammen aus dem Archiv der Stadt Lüdenscheid, den Sammlungen W. Schumacher und B. Schmidt sowie aus Privatbesitz. 

Der Reichsgründer Otto von Bismarck (1815-1895) wurde durch etwa 240 Bismarcktürme und -säulen sowie einer Vielzahl weiterer Denkmäler für sein Wirken gewürdigt. Bismarck wurde in fast 400 Städten zum Ehrenbürger ernannt, so auch in Lüdenscheid. Zu seiner Ehre sollten nun im ganzen Land Bismarcksäulen errichtet werden.

Bei einem Wettbewerb unter deutschen Architekten wurde der Entwurf „Götterdämmerung“ von Wilhelm Kreis aus Dresden als bester prämiert. Nach diesem Entwurf wurden letztlich 47 Säulen gebaut und von 410 geplanten bis 1934 240 fertiggestellt. Merkmal jeder Säule ist die meist auf der Turmspitze angebrachte Feuerschale aus Schmiede- oder Gusseisen, auch Weiheschale genannt, die zu Bismarcks Ehren befeuert werden sollte. Der Turm selbst sollte aus Gestein bestehen, das vor Ort zu finden war.

Großzügige Spender Lüdenscheider Bürger

Die Bismarcksäule an der Kaiserallee/Breitenloher Straße, durch großzügige Spenden der Lüdenscheider Bürger finanziert, wurde nach dem Entwurf „Götterdämmerung“ errichtet. Von der Einberufung eines „Bismarckausschusses“ unter Leitung von Dr. Hotop in der Gaststätte „Erholung“ am 12.1.1899 bis zum Ende der Bauarbeiten im Oktober 1901 vergingen etwa zweieinhalb Jahre. Von den vorgesehenen Standorten Höh, Stadtpark und Breitenloh wählten die Stadtverordneten mit großer Mehrheit den Breitenloh aus. Auf dem Grundstück, das die Stadt kostenlos zur Verfügung stellte, wurde die etwa 17,5 Meter hohe Säule mit Grauwacke aus dem Höher Steinbruch errichtet. Auf dem Baugrund sollte später auch ein Sportplatz für Schüler und Turner hergerichtet werden.

Schmiedeeiserne Feuerschale

Der Grundriss der Säule war quadratisch mit einem zweistufigen Podest. Eine Steintreppe führte auf der Ostseite zum Eingang, auf der Westseite war das Wappen Bismarcks aus Bronze angebracht. Über eine Holztreppe erreichte man im Inneren den Turmkopf, auf dem eine im Durchmesser von zwei Metern breite schmiedeeiserne Feuerschale auf acht Streben befestigt war. Die Befeuerung durch Scheitholz, mit Petroleum getränkt, erfolgte erstmals an Bismarcks

1965 wurde die Bismarcksäule an der Kaiserallee abgebrochen.

Die feierliche Einweihung der Bismarcksäule unter großer Anteilnahme der Bevölkerung fand am 11. Mai 1902 statt. 1956 wurde auf dem Bismarckplatz mit dem Bau der Albert-Schweitzer-Schule begonnen, deren Gebäude die Säule in nötiger Entfernung umschlossen. Der Pausenhof der Schule hatte nun ein Wahrzeichen, das dem Albert Schweitzers gar nicht ähnlich war.

Lüdenscheider Schüler schreiben an Albert Schweitzer

Bereits 1955 sandten Lüdenscheider Schüler Briefe an Albert Schweitzer in Lambaréné mit der Bitte, ihre neue Schule mit seinem Namen zu ehren. Schweitzer antwortete ihnen: „Durch euch weiß ich, dass eure Stadt im Kriege verschont geblieben ist und dass die neue Schule der Flüchtlinge wegen, die in der Stadt Aufnahme fanden, gebraucht werden muss.“ Da die Kinder ihre Zeilen in bester Schrift zu Papier gebracht hatten, erteilte er ihnen den Rat: „Behaltet die Gewohnheit schön und leserlich zu schreiben für euer ganzes Leben.“

Hier geht es zu der Serie:

Ein Rundgang durch "Alt-Lüdenscheid"

Auf das Schreiben des Rates der Stadt mit der Bitte um die Namensgebung antwortete er im März 1955: „Ich fühle mich sehr geehrt, dass der Rat der Stadt Lüdenscheid die im Bau befindliche Schule meinen Namen tragen lassen will und gebe mit Freuden meine Zustimmung dazu.“ Eine Büste im Schulgebäude erinnert an den großen Menschenfreund.

Abriss gegen erheblichen Widerstand der Bevölkerung

Da der Turm der Bismarcksäule angeblich baufällig war und eine Gefahr für die Schüler bedeutete, beschloss der Rat 1965 die Abtragung der Säule, gegen erheblichen Widerstand in Kreisen der Bevölkerung. Eine Bürgerinitiative erreichte, dass im Loher Wäldchen 1968 ein etwa drei Meter hoher Bismarck-Gedenkstein mit dem bronzenen Wappen des Reichskanzlers eingeweiht wurde.

Baumbepflanzung ist teilweise erhalten geblieben

Teilweise erhalten im ehemaligen Umfeld der Säule ist noch heute die ringförmig verlaufende Baumbepflanzung. 2014 endete der Schulbetrieb in der inzwischen als Hauptschule geführten Lehr- und Lernanstalt, die letzten Schüler wechselten zur einzigen verblie benen Hauptschule Lüdenscheids am Stadtpark. Pläne, in dem verlassenen Schulgebäude die VHS und die Musikschule unterzubringen, konnten nicht verwirklicht werden.

Alle Teile der Spaziergang-Serie "Lüdenscheider Straßennamen"

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