Johannes Raithel - Namensgeber des Platzes

1913 wurde das Königliche Lehrerseminar mit Präparande am heutigen Raithelplatz eröffnet.

Lüdenscheid - Mit unserer Bilder-Serie "Spaziergänge durch Lüdenscheid" laden wir zu Reisen in die Vergangenheit ein. Im achten Teil unserer Serie führt der Spaziergang durch das alte Lüdenscheid zum Raithelplatz.

Die Serie

Die Beiträge für den Bilderspaziergang sind dem Buch „Die Lüdenscheider Straßennamen“ von Gerhard Geisel und Dietrich Leutloff entnommen. Die Autoren haben sie für unsere Zeitung verändert, ergänzt und zum Teil völlig neu erarbeitet. Die Bilder stammen aus dem Archiv der Stadt Lüdenscheid, den Sammlungen W. Schumacher und B. Schmidt sowie aus Privatbesitz.

1913 wurde das Königliche Lehrerseminar mit Präparande am heutigen Raithelplatz eröffnet. Die Präparande war vom 18. bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein die untere Stufe der Volksschullehrerausbildung und bereitete auf den Besuch des Lehrerseminars vor. Der angehende Lehrer hieß daher Präparand (lat. Vorzubereitender). Architekt des in neubarocken Formen errichteten Gebäudes war der Regierungsbaumeister Kessler.

Lehrerseminar wurde 1925 aufgelöst

Der Platz, an dem das Gebäude steht, hieß damals Seminarplatz. Als das Lehrerseminar 1925 aufgelöst wurde, diente das Gebäude als Volksschule, wurde aber schon seit 1928 als Berufsschule genutzt. 1983 ergänzte man es durch Erweiterungsbauten. Heute befindet sich dort ein Berufsschulzentrum des Märkischen Kreises für etwa 5000 Schüler mit einem Berufskolleg für Technik und dem Gertrud-Bäumer-Berufskolleg für Gesundheit und Soziales.

Der Seminarplatz wurde 1924 zum Raithelplatz

Der Raithelplatz erhielt seinen heutigen Namen nach Hans, eigentlich Johannes, Raithel (1864 - 1939) anlässlich dessen 60. Geburtstag im Jahre 1924. Er war Heimatdichter, Schriftsteller und Gymnasialprofessor, der auch unter dem Namen Peter Michel veröffentlichte. Seinen erlernten Beruf des Lehrers übte er zunächst aufgrund einer Erkrankung nicht aus. Er lebte wechselweise in der Region Bayreuth, in München, Wien und Berlin. Er wandte sich der Literatur, Geschichte, Philosophie und der spanischen Sprache zu.

Raithel lehrte 21 Jahre lang am Realgymnasium

Nachdem sich sein Leiden um das Jahr 1900 infolge einer Diätkur gebessert hatte, trat er kurzfristig eine Stelle an einer privaten Lehranstalt in München an, ging anschließend an die städtische Oberrealschule in Oldenburg und dann auf Anraten der Ärzte wegen eines Kopfleidens an das Realgymnasium im höher gelegenen Lüdenscheid, wo er 21 Jahre lang bis 1924 tätig war. Seinen Ruhestand verbrachte er in Bayreuth.

Autor fränkischer Bauernromane

Zu seinem literarischen Werk gehören fränkische Bauernromane wie „Die Stiegelhupfer“, „Der Pfennig im Haushalt“, „Die Wirtin von Droschenreuth“ und 19 weitere Romane. Dies trug ihm dann auch den Ehrennamen „Rosegger des Fichtelgebirges“ ein.

Hier geht es zu der Serie:

Ein Rundgang durch "Alt-Lüdenscheid"

Raithels Erzählungen wurden in Lüdenscheid überaus geschätzt. 1924 richtete man eine städtische Stiftung ein, die Mittel bereitstellte, um für die Verbreitung seiner Schriften in den Büchereien und Schulen der Stadt zu sorgen.

Außerdem gab man ein Lesezeichen heraus, das an Schüler verteilt wurde. Es enthielt eine Federzeichnung der Altstadt Lüdenscheids, versehen mit einem „Sinnspruch“ Raithels. „Weckchen und Hörnchen und Kuchen sind gut zu essen, aber wenn man sie nicht hat, lebt man auch.“

Raithels Werk ist in Vergessenheit geraten

Raithels Werk ist in Vergessenheit geraten, seine Heimatromane zählen aus heutiger Sicht eher zur Trivialliteratur. Zeitgenossen hingegen lobten an seinen Romanen die wahrheitsgetreue Schilderung des ostfränkischen Dorf- und Bauernlebens und stellten ihn in eine Reihe mit Ludwig Thoma und Jeremias Gotthelf.

Hier finden Sie alle Teile unserer zweiten Spaziergang-Serie "Lüdenscheider Straßennamen"

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