Parkhaus: 900 Mark für das „Storchennest“

Das Parkhaus an der Parkstraße mit seinem „Storchennest“.

Lüdenscheid - Viele Lüdenscheider, vor allem solche, die inzwischen anderenorts wohnen, haben mit Interesse den Bilderspaziergang von Gerd Geisel und Dietrich Leutloff durch "Alt-Lüdenscheid" verfolgt. Mit diesem Teil beginnt ein neue Spaziergang-Reihe, deren Folgen aus dem Buch „Die Lüdenscheider Straßennamen“ entnommen sind.

Die Serie

Die Beiträge für den Bilderspaziergang sind dem Buch „Die Lüdenscheider Straßennamen“ von Gerhard Geisel und Dietrich Leutloff entnommen. Die Autoren haben sie für unsere Zeitung verändert, ergänzt und zum Teil völlig neu erarbeitet. Die Bilder stammen aus dem Archiv der Stadt Lüdenscheid, den Sammlungen W. Schumacher und B. Schmidt sowie aus Privatbesitz.

Unser Bild zeigt das Parkhaus an der Parkstraße kurz nach seiner Fertigstellung im Jahre 1909. Schon 1907 hatte der 1887 gegründete Stadtparkverein den Beschluss zum Bau eines „Wirtschaftsgebäudes“, das heißt, einer Gastwirtschaft mit Restaurationsbetrieb gefasst. Die ursprüngliche Bausumme einschließlich der Inneneinrichtung war mit 50 000 Mark veranschlagt. Leider gelang es nicht, diese finanzielle Vorgabe einzuhalten. Der nachträglich gefasste Beschluss zur Errichtung eines „Aussichtsturms“ auf dem Dach des Gebäudes fiel dabei wohl kaum ins Gewicht. Der Ausguck, später nur „Storchennest“ genannt, stand mit nur 900 Mark zu Buche. Insgesamt mussten bis zur Fertigstellung des Parkhauses 80 000 Mark beschafft werden. Die Finanzmittel wurden überwiegend durch Spenden und Schenkungen und nur zum geringen Teil aus städtischen Mitteln aufgebracht.

Am 18. Mai 1909 wurde das Gebäude dem allgemeinen Verkehr übergeben. Das Protokoll von der Eröffnungsfeier schwelgt geradezu poetisch: „Vom hohen Aussichtsturm, der den First krönt, zeigt sich dem Auge ein wunderbares Bild. Fern im Süden reckt sich langhin das Ebbegebirge, der ragende Turm der Homert grüßt zu uns herüber[…]. Im Westen spiegeln sich die Strahlen der untergehenden Sonne in den Fenstern Halvers und Breckerfelds, der altberühmten Hansestadt. Tief unten im Tal zwischen Feldern und Äckern zieht sich die Landstraße hin; schwer keuchend und fauchend schleppt eine Lokomotive einen Zug zu Berge….“.

Zur Einweihung des Hauses waren alle gekommen, die Rang und Namen in der Stadt hatten. Oberbürgermeister Dr. Jockusch, die Mehrzahl der Magistrats- und Stadtverordnetenmitglieder, Fabrikanten, die zur Finanzierung des Gebäudes beigetragen hatten und Carl Basse. Er hatte durch die Schenkung eines Waldgebiets von 16 Morgen den Grundstein für den Stadtpark gelegt. An ihn erinnert noch heute ein Gedenkstein im Stadtpark.

In den Sommermonaten fanden auf der Terrasse regelmäßig Konzerte des städtischen Orchesters statt. Der Aussichtsturm des Hauses wurde im ersten Jahr seines Bestehens von mehr als 3000 Personen bestiegen.

Hier geht es zu der Serie:

Ein Rundgang durch "Alt-Lüdenscheid"

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahmen die Besatzungsmächte das Gebäude für mehr als zehn Jahre in Beschlag.1958 wurde es für die Bürger wieder eröffnet. Die Gaststätte konnte an den wirtschaftlichen Erfolg früherer Jahre nicht wieder anknüpfen. Sie wurde 1970 abgerissen. An ihrer Stelle entstand ein elfgeschossiger Hotelneubau, das „Hollstein“-Hotel. Es wurde später unter den Namen „Crest“-, „Ramada“-, „Queens“- und heute „Mercure“-Hotel geführt. An das Parkhaus erinnert nur noch eine gemauerte Treppe, die von der Parkstraße Richtung Hotel führt.

 

Hier finden Sie alle Teile unserer zweiten Spaziergang-Serie "Lüdenscheider Straßennamen"

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