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Sparkassen-Fusion: So beraten die Kommunen - das kommt auf die Beschäftigten zu

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Von: Thomas Machatzke

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Zweckverbandsversammlung der Sparkasse mit zwei Männern
Auch Jörg Schönenberg (links) und Uwe Schmalenbach (rechts), hier bei der jüngsten Sitzung des Zweckverbandes, müssen die Sparkassen-Fusion noch in ihren Kommunen Schalksmühle und Herscheid diskutieren und im Rat abstimmen lassen. © Machatzke, Thomas

Die Sparkassenfusion biegt auf die Zielgerade ein. Wenn alles glatt läuft, wird in einem knappen Monat der Beschluss stehen, die Sparkassen Lüdenscheid und Hagen-Herdecke rückwirkend zum 1. Januar 2022 zu einem neuen, großen Zweckverband, der Zukunftsfähigkeit in schwieriger werdenden Zeiten garantieren soll, zu fusionieren.

Lüdenscheid – Doch dieser knappe Monat wird noch einmal ein hochinteressanter werden, denn vor die Sitzungen der beiden Zweckverbände am 24. Juni (Lüdenscheid) und 28. Juni (Hagen) hat der Zeitplan noch die Beschlüsse im politischen Raum gestellt.

Aus Herdecke war zuletzt bereits die durchaus selbstbewusste Kunde vernommen worden, dass man an der Ruhr eine Sperrminorität im Vertrag mit den Hagenern stehen habe.

Mit anderen Worten: Wenn die Bedingungen für die Fusion für den Standort Herdecke nicht befriedigend ausfallen, könnte die Fusion an dieser Sperrminorität scheitern. Im Zweckverband Lüdenscheid gibt es nun auch vier beteiligte Kommunen, die auch bei der Sitzung am 24. Juni allesamt zustimmen müssen, wenn es mit der Fusion gelingen soll. Und in diesen Kommunen müssen dafür bis dahin Ratsbeschlüsse pro Fusion vorliegen. Im Gegensatz zu Hagen und Herdecke ist die Fusion bislang im politischen Raum aber noch nicht sehr ausführlich diskutiert worden.

Sparkassen-Fusion: So beraten die Kommunen - das kommt auf die Beschäftigten zu

Am Mittwoch, 8. Juni, fand im Kulturhaus eine nicht-öffentliche Informationsveranstaltung statt, zu der die politischen Vertreter aus Lüdenscheid, Herscheid, Halver und Schalksmühle eingeladen waren. Es war die zweite Veranstaltung dieser Art, die erste hat im Monat März stattgefunden. Im Kulturhaus soll es viele Informationen geben, die für die Entscheidungsfindung von Belang sind.

Mit offiziellen Äußerungen halten sich alle Beteiligten zurück. Das Thema wird mit äußerster Vorsicht behandelt. In Lüdenscheid jedenfalls sind die Mitglieder des Ausschusses für Beteiligungen, Finanzentwicklung und Verwaltungsmodernisierung ebenso eingeladen worden wie die Mitglieder des Haupt- und Finanzauschusses. Den Input dürfen sie mitnehmen in ihre Fraktionen – und danach soll am 20. Juni im Rat der Stadt entschieden werden.

Das Vorgehen in der Bergstadt überrascht in diesem Kontext. In anderen Kommunen des Zweckverbandes geht man dieser Tage einen anderen Weg. In Schalksmühle zum Beispiel. An der Volme tagt am Montag, 13. Juni, der Haupt- und Finanzausschuss. Der wird in der öffentlichen Sitzung auf Grundlage der Informationen des nächsten Mittwochs offen über die Fusion diskutieren. „Da müssen alle Fragen auf den Tisch“, sagt Bürgermeister Jörg Schönenberg, dem es um Transparenz geht bei diesem wichtigen Prozess. Der Gemeinderat, der entscheiden muss, tagt eine Woche später am 20. Juni. In Halver geht man denselben Weg wie in Schalksmühle.

Wie werden die Bedingungen für die Beschäftigten aussehen?

In Lüdenscheid dagegen findet bis zur Ratssitzung am 20. Juni gar kein Ausschuss mehr statt. Eine öffentliche Diskussion im politischen Raum, die noch Möglichkeiten für Korrekturen im Nachgang lässt, ist hier ganz offensichtlich nicht angedacht.

Dabei ist das Fusionsthema kein unumstrittenes. Weder intern noch extern. Bei der Sparkasse soll es dem Vernehmen nach am Donnerstag eine Mitarbeiterinformation gegeben haben. Inhalt: Wie werden die Bedingungen (z.B. bei Giro-Konten) der Zweckverbände für die Kundschaft zusammengeführt? In diesem Bereich bleibt es informell. Doch es stellen sich auch andere Fragen, für dieBeschäftigten.

Wie werden die Bedingungen für sie aussehen? Wird man ähnlich wie in Hagen demnächst auch samstags in der Kundenberatung im Geschäftsbereich tätig sein müssen? Wer wird weitere Fahrten zum anderen Standort auf sich nehmen müssen? Dass man sehr gute Homeoffice-Vereinbarungen ausgehandelt habe, heißt es. Doch wie praktikabel sind Homeoffice-Modelle, wenn es darum geht, neue Teams zusammenzuführen. Geht dies allein über Videoschalten? Welche strategischen Entscheidungen wird es geben? Wird es im Geschäftskundenbereich Kundenberater-Konzentration an den großen Standorten geben? Wird es Fortbestandsgarantien für Geschäftsstellen in kleineren Kommunen wie Schalksmühle, Herscheid oder auch Halver über 2028 hinaus geben?

Die Fusion von Stadtwerken und Mark-E als schlechtes Beispiel

Im politischen Raum gibt es dazu im Hinterkopf die Stadtwerke-Fusion mit der Mark-E zu Enervie. Dass der Standort Lüdenscheid bei dieser Fusion als Sieger hervorgegangen ist, wäre eine kühne Behauptung. Nicht nur deshalb, weil die Stadtwerke den Vereinen und Institutionen vor Ort weniger als früher ein generöser Partner sind. Die Musik spielt inzwischen in Hagen.

Der Sparkassen-Standort Lüdenscheid wird im neuen Zweckverband auch nicht mehr der große Partner von drei kleinen Kommunen sein. Der große Partner von Lüdenscheid heißt demnächst indes Hagen. All diese Facetten der Fusion wären es wert, im politischen Raum ausführlich diskutiert zu werden. Damit am Ende eine gute Lösung steht – für den neuen Zweckverband der gemeinnützigen öffentlich-rechtlichen Bank in kommunaler Trägerschaft, aber eben auch für Lüdenscheid und die drei kleineren Kommunen selbst, die diesen Weg mitgehen sollen.

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