Null- und Minuszinsen

Sparkasse Lüdenscheid kündigt 5.500 Sparern lukrative Geldanlage

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Eine Vielzahl unterschiedlicher Prämiensparangebote mit hohen Prämien und resultierend aus einer gesunden Zinslage heraus – was vor Jahrzehnten ein Lieblingsprodukt für Sparer der Sparkasse Lüdenscheid war, lockt heute, in Zeiten des Null- oder gar Minuszinsen, keinen Kunden mehr hinter seinem Sparschwein hervor. Ganz im Gegenteil: Im November letzten Jahres sah sich „die Sparkasse gezwungen“, wie deren Pressesprecher Thomas Meermann sagt, insgesamt 5500 Kunden des Geldinstitutes die einstmals lukrativen Altverträge zu kündigen.

Lüdenscheid - Der Bundesgerichtshof hatte am 14. Mai 2019 entschieden, dass Sparkassen langfristige Verträge unter Umständen kündigen dürfen, wenn die versprochenen Prämien gezahlt worden sind. „Wir haben alle Prämiensparverträge in den unterschiedlichen Konstellationen inhaltlich geprüft und nur die gekündigt, bei denen vertraglich die Kündigungsfrist von drei Monaten auf beiden Seiten vereinbart war“, sagt Meermann, der darauf verweist, dass sich der Unmut der Sparwilligen mit Blick auf die Kündigung seitens des Geldinstitutes in überschaubaren Grenzen hielt.

Es gebe rund 900 Verträge mehr, bei denen hohe Summen zusammengekommen wären. Aber zu diesen Kunden habe man lange schon Kontakt aufgenommen, sie beraten und ihnen alternative und vor allem lukrativere Angebote machen können. „Was mich daran freut“, fügt der Sparkassensprecher hinzu, „ist, dass die Kunden den Gedanken der Nachhaltigkeit bei den verschiedenen alternativen Produkten aufnehmen. Wir sind in einer Minuszinsphase, da blieb uns keine andere Möglichkeit mehr, als zu kündigen. Das war alternativlos, und für das Zinsniveau können wir als Geldinstitut einfach nichts.“ so Meermann.

Prämien von bis zu 20 Prozent

Beim Prämiensparen der Sparkasse legte der Kunde eine Jahressparleistung fest, ohne sich wirklich zu binden. Haus, Auto oder Boot – jeder Kunde konnte jederzeit flexibel an sein Geld. Aber: Nur wenn die vertraglich vereinbarte Jahresleistung erbracht wurde, gab’s nach drei Jahren erstmalig und später eine gestaffelte Prämie – „nach drei Jahren lag das bei uns bei fünf Prozent, die Höchststaffel lag nach zehn Jahren bei 20 Prozent, aber nur auf die jeweilige Jahresleistung, nicht auf das gesamte Guthaben“, verweist Meermann darauf, dass die Prämiensparverträge in Zeiten von Niedrig-Zinsen längst an Attraktivität verloren haben.

Das Sparguthaben wächst zwar, die Prämie allerdings wirkt sich nur auf die Jahresleistung aus. „Das ist nur scheinbar rentabel. Da gibt es inzwischen sinnvollere Alternativen, um sein Geld anzulegen.“ Eine vereinbarte Jahresleistung von 1200 Euro, also hundert Euro pro Monat, bringe am Ende der höchsten Staffel jedes Jahr jeweils nur einmalig 240 Euro Prämie.

Das ändere sich auch nicht, wenn das Guthaben anwächst. Denn dafür gibt’s nur den aktuell gültigen Zinssatz von 0,15 Prozent. Hat also ein Sparer beispielsweise 20 000 Euro auf dem Prämien-Sparbuch liegen, gibt’s dafür momentan faktisch so gut wie keine Zinsen und lediglich die Prämie auf die vertragliche Sparleistung.

Prämiensparen wird inzwischen nur noch von wenigen Sparkassen angeboten, heißt es seitens des Geldinstitutes. Denn durch die seit zehn Jahren andauernde Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank, deren Ende derzeit nicht absehbar ist, würden gerade einlagenstarke Kreditinstitute in Deutschland stark belastet. Insbesondere das dauerhafte Einfrieren des Leitzinses bei 0 Prozent mache es für die Kreditinstitute erforderlich, ihre jeweilige Produktpalette den geltenden Marktbedingungen anzupassen.

Das bedeute, dass einzelne Institute in Abhängigkeit von der jeweiligen Vertragsausgestaltung von ihrem Kündigungsrecht bei langlaufenden Prämiensparverträgen Gebrauch machen. Der Bundesgerichtshof habe ein solches Kündigungsrecht unter bestimmten Umständen ausdrücklich bestätigt. Thomas Meermann: „Es gibt andere Formen der Geldanlage, die zum Beispiel zusätzlich auch Nachhaltigkeitskriterien gerecht werden – das finden auch viele unserer Kunden sehr interessant.“

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