Spätes Geständnis nach fahrlässiger Brandstiftung

LÜDENSCHEID ▪ Es ist fast ein Jahr her, dass es in einem alten Wohnhaus im Mintenbecker Tal gebrannt hat. Jemand hatte einen Ofen versetzt und ein Ofenrohr zu nah an einem Fachwerk an den Kamin angeschlossen. Im Strafprozess hat der Angeklagte nun ein Geständnis abgelegt.

Der Angeklagte gab sich störrisch. „Ich hab’ da nix versetzt“. Jetzt hat er ein Geständnis abgelegt – und muss zur Strafe 1500 Euro bezahlen.

Eine ganze Reihe von Zeugen ist geladen. Der Nachmieter des Angeklagten behauptet, der heute 52-Jährige habe auf seine Bitte den Ofen angeschlossen. Die Tochter, die bei dem Schwelbrand fast ums Leben gekommen wäre. Deren Freund, der sagt, er und seine Liebste seien dabei gewesen, als der Vormieter sich als Ofensetzer versuchte. Der Vermieter, der Reparaturrechnungen vorlegt und ansonsten Regressforderungen geltend macht. Ein Schornsteinfeger, der etwas darüber weiß, ob das Rohr tatsächlich „unsachgemäß“ montiert worden ist, wie die Staatsanwältin sagt. Und: Die Frau des Angeklagten, die wiederum bezeugen soll, dass ihr Mann niemals Hand an das Ofenrohr gelegt hat. Es sind Aussagen dabei, die die Polizei spät nach dem ersten Prozesstag aufgenommen hat. Eine drückende Indizienlast.

Strafrichter Andreas Lyra redet geduldig und beruhigend auf den Angeklagten ein. Auf Sauerländisch, damit der Hilfsarbeiter ihn auch versteht. „Ich will Ihnen hier nicht groß einen verplätten“, sagt Richter Lyra. Er habe doch sicher nur helfen wollen, „es war ja schweinekalt“. Das Problem „nach Aktenlage“ sei aber, dass auf jeden Fall jemand lügt. Entweder drei Mitglieder der Nachmieter-Familie – oder die Gattin des Angeklagten. „Eine Falschaussage Ihrer Frau wäre weitaus schwerwiegender als eine Geldstrafe wegen fahrlässiger Brandstiftung.“

Der 52-Jährige, vielfach vorbestraft, aber seit sieben Jahren brav, denkt über ein Geständnis nach. Die Argumente des Richters scheinen ihm einzuleuchten. Außerdem: Er kommt gerade von der Nachtschicht und ist „ziemlich müde“, sagt er. „Dann brauchen wir ja keine Zeugen mehr, und ich kann endlich schlafen gehen.“ Ja, er habe für seinen Nachmieter ein Rohr angeschlossen, „es war ja alles eingefroren“.

Richter Lyra atmet auf und schließt die Beweisaufnahme – ohne Zeugen zu vernehmen. Und sagt: „Das rechne ich Ihnen hoch an.“

Olaf Moos

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