Sorge um Bildungsstand von Schulabgängern

Walter Trimpop, Vorsitzender der Kfz-Innung Lüdenscheid.

LÜDENSCHEID ▪ „Wo bleibt eigentlich der Aufschrei, wenn der Märkische Kreis im aktuellen Deutschen Lernatlas der Bertelsmann-Stiftung Platz 137 von 144 vergleichbaren Kreisen einnimmt?“ Das fragt Walter Trimpop, Vorsitzender der Innung des Kraftfahrzeuggewerbes Lüdenscheid.

Die ausführliche Bildungsstudie untersuchte bundesweit schulisches, berufliches, soziales und persönliches Lernen und teilte Kreise und kreisfreie Städte in vergleichbare Kategorien auf. Der MK findet sich unter 144 „Kreisen im verdichteten Umfeld“ beim sozialen und beruflichen Lernen weit hinten, beim schulischen Lernen sogar auf dem letzten Platz und nur beim persönlichen Lernen (Museen- und Theaterbesuche, Sportvereine, Bücher lesen) im Mittelfeld.

„Wie kann das in einer wirtschaftlich so starken Region wie unserer sein?“, fragt sich Trimpop. In seinem Autohaus macht er indes Erfahrungen, die sich mit den Ergebnissen der Studie decken: „Wir haben in diesem Jahr keinen Lehrling eingestellt. Wir hatten zwar genug Bewerber, aber keinen, der den Anforderungen entsprochen hätte.“ Nicht einmal eine Abiturientin habe Fragen beantworten können, „die wir früher nach der sechsten Volksschulklasse beherrscht haben“, berichtet Trimpop.

Große Augen machten auch die Mitglieder des Lüdenscheider Schulausschusses, die sich in dieser Woche mit einer Studie zur qualitativen Schulentwicklung konfrontiert sahen. Autorin Ulrike Lexis erklärte in der Staberger Pausenhalle, dass man „darüber nachdenken solle“, wenn die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss in Lüdenscheid mit gut elf Prozent doppelt so hoch liege wie der Landesschnitt von NRW.

Bei Nachfragen von Schulpolitikern und Schulleitern stellte sich indes heraus, dass die genannte Zahl nicht belastbar war: Die Macher der Studie hatten die Förderschulen des Kreises in Lüdenscheid offenbar außer Acht gelassen. Auch an der Bertelsmann-Studie gibt es Kritik, weil sie gerade über das schulische Lernen keine regionalen Daten erhoben, sondern nur Daten aus den Bundesländern auf Regionen und Kommunen übertragen habe.

Walter Trimpop würde sich dennoch eine intensive Debatte über die Qualität der Ausbildung in Lüdenscheid und Umgebung wünschen: „Junge Leute mit guten Schulabschlüssen können selbstbewusst ins Leben gehen – und sind auch unanfällig für die Spinnereien von Extremisten aller Art.“

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