Appell vom Gertrud-Bäumer-Berufskolleg

Sorge ums Berufspraktikum

Von Martin Messy

Lüdenscheid - Verkehrte Welt: Auf der einen Seite werden mit dem Ausbau der U3-Plätze in Kindertagesstätten künftig auch mehr Erzieherinnen benötigt. Auf der anderen Seite aber fällt es nach Angaben der Fachleiterinnnen Christina Juckenack und Stephanie Sperlich vom Gertrud-Bäumer-Berufskolleg den Studenten immer schwerer, nach ihrer drei- oder vierjährigen theoretischen Ausbildung in einer Einrichtung einen Platz für das erforderliche Berufspraktikum zu finden. Denn ohne das Anerkennungsjahr ist die Prüfung nicht abgeschlossen.

Im jüngsten Jugendhilfeausschuss sorgte dieser Umstand für Diskussionen. In den neun städtischen Kitas gebe es auch neun Berufspraktikumsplätze, die nach dem gängigen Tarif bezahlt werden, betonte Fachdienstleiter Hermann Scharwächter. Allerdings falle es kleineren Einrichtungen schwerer, Geld für die Ausbildung der Erzieherinnen aufzubringen. Das hänge mit dem Kinderbildungsgesetz (Kibiz) zusammen, nach dem je nach Betreuungszeit und Kind Pauschalen gezahlt werden, wovon aber nicht genügend Geld zur Finanzierung der Berufspraktikumsstellen bleibe.

Teilweise werde daher unter Tarif bezahlt oder den Studenten gar ein entgeltfreies Praktikum angeboten, kritisierten die Fachleiterinnen des Berufskollegs. Das sei unzumutbar. Sie appellieren daher an alle Jugendhilfeausschüsse sowie an alle Träger und sozialpädagogischen Einrichtungen, sich für eine ausreichende Anzahl tariflich bezahlter Stellen für Berufspraktikanten stark zu machen. „Wir als ausbildende Schule sprechen uns daher generell dagegen aus, Berufspraktikanten zu betreuen, die nicht tariflich bezahlt werden.“

„Kann die Schule die Betreuung ablehnen oder verweigern“, fragten Ursula Meyer (CDU) und Anette Schwarz (FDP). Ohne der Bezahlung unter Tarif oder gar dem entgeltfreien Praktikum das Wort zu reden, müsse es doch jedem selbst überlassen bleiben, wie er sich entscheide. Verena Kasperek (SPD) forderte das Land auf, mehr Geld zur Verfügung zu stellen. Eine LN-Umfrage ergab gestern, das bis auf die Träger Awo und DRK fast alle Einrichtungen Berufspraktikumsplätze anbieten, und zwar zum geltenden Tarif.

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