So können Sie mitmachen

Mehr als reines "Bio": Solidarische Landwirtschaft in Lüdenscheid

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Marie Woeste und Lewis Zierke möchten nach ihrem Studium im nächsten Jahr auf dem elterlichen Betrieb mit einem eigenen biologischen Obst- und Gemüsebau durchstarten. Das Besondere: Sie setzen dabei auf solidarische Landwirtschaft. Nun suchen sie interessierte Mitstreiter.

Lüdenscheid - Sie möchten gute und gesunde Lebensmittel produzieren und damit Menschen aus der Region glücklich machen. Marie Woeste und Lewis Zierke planen in Lüdenscheid eine solidarische Landwirtschaft. Mitmachen kann jeder, und zwar so:

Marie Woeste und Lewis Zierke möchten in Lüdenscheid gute und gesunde Lebensmittel produzieren. Der vollständige Verzicht auf konventionelle Spritz- und Düngemittel sowie die Entscheidung für robuste Sorten und samenfestes Saatgut ist für sie eine Selbstverständlichkeit. 

Jetzt suchen Marie Woeste und Lewis Zierke, beide angehende Agrar-Ingenieure, Mitstreiter, denn: Ihr Konzept beruht auf der Idee der solidarischen Landwirtschaft. In einer solidarischen Landwirtschaft schließen sich Konsumenten zusammen, um die Landwirtschaft zu finanzieren und nicht das einzelne Lebensmittel. Es tragen also mehrere private Haushalte die Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebs. Im Gegenzug erhalten sie dessen kompletten Ernteertrag, wobei dieser von Jahr zu Jahr variieren kann und sich nach den Früchten der Saison richtet. 

Im Herbst nächsten Jahres soll es losgehen

In der Regel verpflichten sich die Konsumenten für ein Jahr, einen Anteil abzunehmen und ihren Beitrag monatlich zu zahlen. Den Landwirten bietet dies Sicherheit von der Planung bis zum Lohn. Im Herbst nächsten Jahres soll es losgehen – und zwar auf dem elterlichen Hof Woeste.

Dass sich ihre berufliche Tätigkeit im Freien abspielen sollte, dass stand für Marie Woeste schnell fest. Schließlich half sie bereits in jungen Jahren auf dem Hof, der im Nebenerwerb bewirtschaftet wird, mit. 

Seit 600 Jahren in Familienbesitz

„Der Betrieb ist seit 600 Jahren in Familienbesitz, da habe ich mich auch in der Pflicht gefühlt“, erzählt die 22-Jährige. Ein Aufenthalt in Australien samt „Farm-Work“ bestätigte sie in ihren Überlegungen. Mittlerweile steht sie kurz vor dem Abschluss ihres Studiums der ökologischen Landwirtschaft und weiß genau, wie es weitergehen soll. „Ziel soll die Selbstversorgung mit Lebensmitteln sein – dann ist es für mich echte Landwirtschaft.“

Unterstützung erfährt sie dabei von ihrem Partner Lewis Zierke, den sie an der Uni kennenlernte. Der Rheinland-Pfälzer steht ebenfalls kurz vor dem Studienabschluss und hatte vor allem ein Anliegen: „Ich wollte wissen, wie nachhaltige Landwirtschaft aussehen kann, welche Lösungen und Handlungsansätze es gibt.“ 

In den vergangenen Jahren und nicht zuletzt durch diverse Praktika haben die jungen Leute eine Menge kennengelernt – und daraus ihre ganz eigene Idee für ihren Betrieb entwickelt. Und dennoch: Nach dem Studium – voraussichtlich im Frühjahr – möchten die beiden zunächst eine Tour durch landwirtschaftliche Betriebe starten. „Denn jeder Betrieb ist anders und man kann von jedem etwas lernen“, sind Woeste und Zierke überzeugt.

Genehmigungsphase läuft

Parallel laufen jedoch die Vorbereitungen für ihre solidarische Landwirtschaft, für die sie nicht nur Unterstützung durch die Eltern erfahren, sondern bereits auf Interesse von Menschen aus der Region gestoßen sind. „Derzeit befinden wir uns noch in der Genehmigungsphase für die Flächen, die wir ökologisch bewirtschaften möchten.“

Info-Treffen am 29. September

Bei einem ersten großen Treffen am 29. September möchten die beiden ihre Idee der Öffentlichkeit vorstellen. Denn nur, wenn viele Interessierte mitmachen, sei die Idee der solidarischen Landwirtschaft auch umsetzbar. Um Anmeldung wird gebeten per E-Mail an info@hof-woeste.de

Vorgesehen ist, einen Verein zu gründen, dessen Mitglieder einen monatlichen Beitrag entrichten und einen Anteil des Ertrages abnehmen. Das heißt: Die Konsumenten schließen sich zusammen, um die ganze Landwirtschaft zu finanzieren – und nicht das einzelne Lebensmittel.

Mehr als reines „Bio“

Dabei setzen die Noch-Studenten auf mehr als reines „Bio“: „Das Studium der ökologischen Landwirtschaft hat uns gezeigt, dass auch die moderne Landwirtschaft mit Problemen wie Bodenerosion, Humusabbau und Tierwohl zu kämpfen hat, auf die auch der Ökolandbau für uns keine zufriedenstellende Antwort parat hat“, erläutert Zierke. Um ihrem Ziel einer nachhaltigen und regenerativen Landwirtschaft näher zu kommen, planen die beiden unter anderem

  • die Integration von Bäumen und Sträuchern (Agroforstwirtschaft)
  • Handarbeit statt große Maschinen
  • Verzicht auf Pestizide und synthetische Düngemittel
  • Minimierung des Einsatzes fossiler Rohstoffe
  • Erhaltung alter Sorten und Rassen 
  • die Nutzung von Wildpflanzen.

Ab Frühjahr 2012 soll geerntet werden

„Durch die Kombination all dieser Elemente wollen wir ein gesundes Bodenleben und ein vielseitiges Anbausystem etablieren, das die Produktion gesunder Nahrungsmittel möglich macht.“ Ab Frühjahr 2021 wollen Marie Woeste und Lewis Zierke die ersten Salate, Tomaten, Topinambur, Wildkräuter & Co. ernten und an „ihre“ Mitglieder verteilen. „Wir möchten durchaus auch Dinge anbieten, die es nicht in jedem Supermarkt gibt.“

Abholstationen in Stadtteilen denkbar

Während die beiden angehenden Agrar-Ingenieure die „handwerkliche“ Arbeit übernehmen, hoffen sie auf Mitstreiter, die sich vor allem um die Belange des Vereins kümmern und beispielsweise die Ausgabe der Produkte regeln. „Denkbar ist beispielsweise, dass wir in den einzelnen Stadtteilen ,Abholstationen’ einrichten, damit nicht jedes Mitglied zum Hof Woeste kommen muss.“ 

Auf Unterstützung angewiesen

Aber hierfür seien sie eben auf Unterstützung angewiesen. Und das könnte bisweilen auch für eine größere Ernteaktion gelten. „Allerdings würden wir daraus dann gerne ein kleines Event für Familien machen“, erklärt Marie Woeste und verweist auf den Bildungsaspekt. Schon jetzt laufen die beiden mit ihrer Idee nach eigenen Angaben offene Türen ein – und hoffen, weitere Menschen mit ihrem Konzept begeistern zu können. „Denn es ist ja eine Investition aus der Region in die Region.“

Lehrgänge zum Obstbaumschnitt

Zusätzlich zu ihrem Studium haben Marie Woeste und Lewis Zierke die Ausbildung zum Baumwart absolviert, die sie befähigt, Obstbäume fachgerecht und naturgemäß zu schneiden. „Hierdurch können wir zum Erhalt dieses Kulturgutes beitragen und das Leben von Streuobstwiesen verlängern“, betonen die beiden, die ihren Schnitt nicht nur Streuobstwiesenbesitzern, sondern auch Kleingärtnern und weiteren Obstbaumbesitzern anbieten.

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