An Lüdenscheids größter Schule

Nach Software-Panne: Schüler können Lehrer-Passwörter einsehen und Klausuren ändern

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Schüler der IT-Ausbildungsgänge am Berufskolleg für Technik in Lüdenscheid schreiben ihre Klausuren normalerweise am PC. Derzeit müssen sie wieder auf Stift und Papier zurückgreifen. (Symbolbild).

Lüdenscheid – Nicht startende und abstürzende Computer, frei einsehbare Passwörter von Lehrern und Klausurantworten, die die Schüler nachträglich verändern können sind nur einige Beispiele.

  • An der größten Schule in Lüdenscheid gibt es Probleme mit einer neuen Software
  • Durch eine Panne konnten Schüler zwischenzeitlich die Lehrer-Passwörter einsehen
  • Auch die nachträgliche Änderung von Klausur-Antworten war möglich

Welche Fallstricke die fortschreitende Digitalisierung an Schulen mit sich bringen kann, erleben derzeit fast täglich Schüler und Lehrer am Berufskolleg für Technik am Raithelplatz in Lüdenscheid. Der Dienstleister räumt ein, dass es „Anlaufschwierigkeiten“ gebe.

Die Ausgangslage: Berufskolleg in Lüdenscheid setzt sich für modernen und digitalen Unterricht ein

Rund 2.800 Schüler besuchen das Berufskolleg, das sich in der Trägerschaft des Märkischen Kreises befindet. Für einen modernen digitalen Unterricht, stellt die Schule ihren Schützlingen 500 Computer zur Verfügung. 

Jeder Schüler und auch jeder Lehrer hat ein eigenes Profil und kann sich damit an jedem Rechner anmelden. Dienstleister ist die Südwestfalen-IT (SIT), die den Support mit drei Mitarbeitern gewährleistet. Es gibt Ausbildungsgänge wie zum Beispiel in den IT-Berufen, die fast ausschließlich am und mit dem Computer lernen. 

Die Rechner funktionierten einwandfrei – bis an Lüdenscheids größter Schule ein Pilotprojekt startete

Schule startet Pilotprojekt: Nach Software-Update gibt es Probleme

Vor einigen Wochen wurde das 500-Rechner-System im Berufskolleg auf eine „imagebasierte Software-Verteilung“ umgestellt. 

Das dafür verwendete Programm dient dazu, dass der Support alle Computer zentral steuern kann – mit dem Ziel, dass die Arbeitsumgebung auf jedem Rechner in allen technischen Komponenten identisch ist. 

Vor einigen Wochen wurde zentral das Windows-10-Update aufgespielt. Danach - meinen die Schüler - hätten die Probleme angefangen. 

„Im Prinzip handelt es sich bei jedem PC um einen absoluten Klon“, erklärt der für die Schulen zuständige SIT-Geschäftsführer Thomas Coenen. Im Umkehrschluss bedeutet das allerdings auch, dass ein Fehler nicht nur auf einem Rechner auftaucht, sondern auf allen. 

Schüler berichten über die kuriosen Folgen des Updates

Als kurz nach der Umstellung auf allen Rechnern zentral das Update von Windows 10 aufgespielt wurde, begannen nach Darstellung der Schüler die Probleme. So waren ab diesem Zeitpunkt nicht nur persönliche schützenswerte Daten anderer Schüler mit wenigen Klicks über das System abrufbar, sondern zwischenzeitlich auch die Passwörter aller angemeldeten Lehrer

Schüler dokumentierten, wie sie Klausur-Antworten nachträglich abänderten

Zudem dokumentierten die Schüler, wie sie ihre Klausuren aus einem Nebenraum nachträglich abänderten. Ob diese Eingriffe für die bewertenden Lehrer zu erkennen sind, ist unklar. Derzeit werden die Klausuren in den IT-Ausbildungsgängen nach Schülerangaben allerdings wieder auf Papier geschrieben. 

Handzettel an jedem Rechner: "Wenn der Computer nicht startet"

Zuvor waren die Rechner während einer Klausur im November abgestürzt. Nach Informationen unserer Zeitung musste eine weitere Klausur in einer anderen Klasse sogar kurzfristig abgesagt werden, weil die Klausuraufgaben am Rechner nicht erschienen. 

In der Schule liegen mittlerweile Handzettel mit Anweisungen aus. Überschrift: „Wenn der Computer nicht startet.“ 

Die Reaktionen: Die Verantwortlichen räumen Anlaufschwierigkeiten ein

Die Schulleitung wollte sich auf Anfrage nicht zu den Computer-Problemen äußern und verwies an den Märkischen Kreis als Schulträger. Kreissprecher Hendrik Klein erklärte, dass die ausgefallene Klassenarbeit noch am selben Tag nachgeholt worden sei. Er sprach von einem Bedienfehler, der in zehn Minuten zu beheben gewesen wäre.

Das Gertrud-Bäumer-Berufskolleg und Berufskolleg für Technik in Lüdenscheid aus der Luft

Nach seinen Angaben hatte ein Lehrer die vorgegebene Klausurzeit auf null gestellt – ein Befehl, der in dem Programm nichts auslöste, erst recht keinen Start. Allerdings, so Kreissprecher Klein, sei dieser Bedienfehler nur möglich gewesen, weil es die Software zugelassen habe. 

Schule in Lüdenscheid befindet sich im "erweiterten Testbetrieb"

SIT-Geschäftsführer Coenen sieht in der abgesagten Klausur einen Einzelfall, von den weiteren geschilderten Problemen hatte er zunächst keine Kenntnis. Gleichwohl räumt er „Anlaufschwierigkeiten“ in dem Pilotprojekt ein. Das Berufskolleg befinde sich derzeit in „einem erweiterten Testbetrieb“. 

Runder Tisch am kommenden Montag soll die Probleme lösen

Für den kommenden Montag (16. Dezember) ist nun ein Runder Tisch geplant, an dem Schule, Schulträger, SIT und auch der Hersteller teilnehmen. „Da kommt die gesamte Problemlage auf den Tisch“, verspricht Geschäftsführer Thomas Coenen. Anschließend werde ein Prozess in Gang gesetzt, um die Mängel abzustellen. Wie lange das dauert, ist unklar.

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