Skurrile Straftat: Berufung am Landgericht erfolgreich

Lüdenscheid - Die 7. kleine Strafkammer soll es richten. Der Führerschein muss wieder her. So wagt sich die 77-Jährige also noch einmal auf die Anklagebank. Rechtsanwalt Dirk Löber hat für sie Berufung eingelegt. Das Urteil am 21. August erging wegen gefährlicher Körperverletzung und Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte: elf Monate mit Bewährung und drei Monate Führerschein-Entzug.

Strafrichter Thomas Kabus hatte in erster Instanz vergeblich versucht, das Seelenleben der Angeklagten zur Tatzeit zu ergründen. Richter Wilhelm Kaiser in der Berufungsinstanz fragt ebenfalls danach. „Warum haben Sie so gehandelt?“ Aber auch er erntet nur ein unsicheres Lächeln und Kopfschütteln.

Es darf also nur gemutmaßt werden. Die Angeklagte wird Ende Oktober 2013 von ihrem Mann geschieden. Und bleibt mit 234 Euro monatlicher Rente und 300 Euro aus Mieteinnahmen zurück. Fünf Wochen nach der Scheidung fährt sie an der Werdohler Landstraße mit ihrem BMW auf die neue Lebensgefährtin ihres Ex-Gatten zu, erwischt die gleichaltrige Frau am Bein und fährt davon.

Dass sie am späten Abend, als Polizisten sie zur Rede stellen und festnehmen wollen, erheblichen Widerstand leistet, gegen ein Schienbein tritt und um sich schlägt und die Beamten als „unverschämtes Pack“ beschimpft – das macht alles nur noch schlimmer. Nur gegen das Gesetz gegen den gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr hat sie nicht verstoßen. Denn die Sache mit ihrer Nachfolgerin passierte auf einem Privatgrundstück.

Dies und die Tatsache, dass ihr Opfer keine gravierenden Verletzungen davontrug und die Angeklagte selbst beim Zugriff der Staatsmacht „nicht unerheblich verletzt“ wurde, wie Richter Kaiser sagt, eröffnet die Chance auf eine mildere Betrachtung der Angelegenheit. Strafverteidiger Löber plädiert für eine milde Bestrafung und die Herausgabe des Führerscheins. Staatsanwalt Niels Warmbold auch. Richter Wilhelm Kaiser greift in die Akte und überreicht den „Lappen“. Die Entscheidung ist rechtskräftig.

Von Olaf Moos

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