Sitzbänke als Mangelware: Lichtrouten sorgen für Platzknappheit

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Symbolischer Anblick: Öffentliche und damit kostenlose Sitzgelegenheiten in der Innenstadt sind Mangelware – im Moment verschärft durch die Lichtrouten-Installation auf dem Rathausplatz.

Lüdenscheid - Der gehbehindere Lüdenscheider wollte sich „ausdrücklich nicht“ über die Lichtrouten beklagen – auch ihm gefielen die Attraktionen sehr, sagte er jetzt den LN. Aber: Durch die zehntägige Absperrung aller Sitzgelegenheiten für die Laser-Präsentation auf dem Rathausplatz spüre er derzeit buchstäblich am eigenen Leib, wie wenig möbliert die Lüdenscheider Innenstadt sei. Das gelte auch für die Einkaufsmeilen.

Ob Kniebeschwerden, Arthrose, ein Bandscheibenschaden oder eine frische Operation: „Wer Schmerzen beim Laufen hat oder einen Rollator braucht, hat einen ganz eigenen Stadtplan im Kopf, ausgerichtet auf Stationen zum Rasten“, beschrieb unser Leser. Mit dem Wegfall der Bänke auf dem Rathausplatz sei für diese Menschen auch der Marktbesuch beschwerlich bis unmöglich geworden, und keiner wolle drei Mal pro Stunde in der Außengastronomie Platz nehmen. Zurzeit bleibe da nur der Neumann-Brunnen zum Anlehnen.

Hans-Jürgen Badziura, im Rathaus zuständig für Umwelt und Freiraum, bestätigte den Eindruck unseres Lesers: „Das Anliegen ist berechtigt, über mehr Sitzgelegenheiten in der Innenstadt nachzudenken.“ Man habe es heute mit einer anderen Bürgerschaft zu tun als vor 20 Jahren. Gerade die Zunahme der Fußgänger mit Rollatoren falle wohl jedem ins Auge.

Bilder von der Aktion sehen Sie hier:

Lichtrouten Aktion

Darauf seien Wilhelmstraße und Knapp nicht eingerichtet, während der Sternplatz mit seinen Sitztreppen im Sommer die Möglichkeit zum Hinsetzen biete. Dass auf dem Rathausplatz zwar die Laser-Installation, aber keine mobile Ersatzbank steht, werde er den Lichtrouten-Machern als Hinweis fürs nächste Mal mitgeben. Allerdings: Mit solchen Bänken habe man früher einmal den ganzen Platz ausgestattet. Ergebnis: Nach zahllosen Vandalismus-Attacken mussten sie wieder entfernen werden.

Auf der engen Wilhelmstraße seien Bänke dagegen ein Platzproblem, weil die Feuerwehr durchkommen müsse. Vor dem früheren Hettlage-Haus, heute New Yorker, habe es allerdings einmal ein Hochbeet mit Bank gegeben. Heute stehen die nächsten Bänke im Rosengarten. Dort habe er vor zehn Jahren als Planer selbst erst auf Hinweis der Politik die Hochborde für Rollatoren abgesenkt, räumte Badziura ein.

Wie im Fall Hettlage habe sich die Situation gegenüber früheren Tagen auch an anderer Stelle eher verschlechtert: Die Knapper Straße sei einst für mehr Aufenthaltsqualität auch in Sitznischen konzipiert gewesen, was man ihr heute noch ansehe. Inzwischen seien dort Ladezonen entstanden und Hochbeete als Sitzgelegenheiten entfallen. Und in der Altstadt, die wegen ihres Gefälles und des Pflasters ohnehin ein Problem für Fußgänger darstelle, fehle etwa auf dem Graf-Engelbert-Platz jedwede Gelegenheit zum Platznehmen.

Barrierefreiheit sei ein großes Thema, das noch wachsen werde, zeigte sich Badziura überzeugt. „Für uns ist das eine Herausforderung.“ Das sieht auch Stadtplaner Lars Bursian so: „Wenn wir nach der Denkfabrik die Altstadt neu überplanen, werden diese Frage eine große Rolle spielen.“ - Von Thomas Hagemann

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