„Schüler fit für die Ausbildung“: Hohe Kosten und geringerer Bedarf

SIHK stellt Hilfsprojekt zur Berufsorientierung ein

+
Ein Bild aus vergangenen Zeiten: Das erfolgreiche Berufsorientierungsprogramm „Schüler fit für die Ausbildung“ wird eingestellt. Der siebte Durchgang, der bis zum Februar läuft, wird noch beendet, einen achten Durchgang wird es nicht mehr geben.

Lüdenscheid - Bei vielen Schülern und Lehrern macht sich in diesen Tagen Enttäuschung breit. „Schüler fit für die Ausbildung“ wird eingestellt. Es handelt sich hierbei um ein fast einzigartiges Projekt, welches die SIHK an den drei Standorten Lüdenscheid, Hemer und Hagen durchführte.

Die finanzielle Basis hierfür hatten die SIHK, die Agentur für Arbeit und verschiedene Stiftungen geschaffen. Der siebte Durchgang, der bis zum Februar läuft, werde noch beendet. Einen achten Durchgang werde es nicht mehr geben, bestätigte Andreas Lux, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der SIHK.

Praxisnahe Berufsorientierung sehr beliebt

Die praxisnahe Berufsorientierung für metall- und elektrotechnische Berufe war gerade bei Haupt- und Gesamtschülern sehr beliebt. Die von Lehrern empfohlenen Kandidaten wurden nach einem Auswahlverfahren durch die SIHK ein Jahr lang in ihrer Freizeit auf eine Ausbildung vorbereitet. So besuchten allein in der technischen Bildungsstätte am Lehmberg rund 30 bis 40 Schüler der zehnten Klassen regelmäßig zweimal wöchentlich in ihrer Freizeit die Werkstatträume, um die Grundfertigkeiten in der Metallverarbeitung zu erlernen. Zudem standen für die ausgewählte Schülergruppe in den Ferien Praktika in metall- und elektrotechnischen Unternehmen auf dem Programm. Mit dem Berufsorientierungsjahr bot die SIHK den Schülern quasi eine Eintrittskarte in die Ausbildung.

Kosten ihn Höhe von 200.000 Euro

Die Gründe, warum die SIHK sich entschieden habe, das Projekt einzustellen seien vielseitig, erläuterte Lux. Ein Grund seien „natürlich“ die Kosten, welche sich für die rund 100 Schüler im Kammerbezirk auf etwa 200 000 Euro beliefen. „Die Agentur für Arbeit und auch die Stiftungen sind nach und nach ausgestiegen, so dass wir das Projekt schon seit zwei Jahren alleine finanziert haben.“

Aber auch die veränderte Schul- und Lehrstellensituation sei ein Beweggrund. So werde dank des Landesprojekts KAoA (Kein Abschluss ohne Anschluss) in den Schulen ab Klasse 8 jetzt systematisch eine Berufsorientierung integriert. Auch die Schullandschaft habe sich stark verändert. Die Anzahl der Hauptschulen nehme ständig ab.

So seien bei dem ursprünglich für Hauptschüler geplanten Projekt schon in den letzten Jahren verstärkt Gesamtschüler mit ins Boot genommen worden. Hier werde aber Ganztagsunterricht immer stärker flächendeckend, so dass Schüler kaum noch Zeit hätten, in die Werkstätten zu kommen. Zudem habe sich die Ausbildungsstellensuche für Bewerber deutlich entschärft.

All diese Gründe hätten die Notwendigkeit des Programms in Frage gestellt. „Wir geben ein Projekt auf, aber wir sind an vielen anderen Stellen nach wie vor sehr engagiert“, so Lux. - cg

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare