Siggi Held und Aki Schmidt holen Europapokal nochmal

Gruppenbild mit Trophäen: (v.l.) Siggi Held, Astrid Markes, Kirsten Behnke, Jens Markes und Aki Schmidt. Früher legte Aki „seinen“ Europapokal einfach auf den Autorücksitz, heute darf sogar er ihn nur noch mit Samthandschuhen anfassen.

LÜDENSCHEID - Astrid Markes trägt ein schickes Kostüm in Schwarzgelb, auch Jens Markes‘ Schlips hat die BVB-Vereinsfarben. Alle sind nervös an diesem Montagmorgen im Juweliergeschäft Hohage, denn sie warten auf zwei Dortmunder Legenden. Mit ihnen warten drei Pokale aus dem „Borusseum“, dem Museum im Dortmunder Stadion. Der Champions-League-Pokal, den der BVB 1997 holte. Der goldfarbene DFB-Pokal mit BVB-Einträgen von 1965 und 1989. Und der Pokal der Pokalsieger von 1966.

Das matt gewordene Trophäen-Trio war vor vier Wochen zum Aufpolieren nach Lüdenscheid geschafft worden. Jetzt blitzen die Pokale wieder, als ginge es gleich an die Übergabe. Und so ist es ja auch: Die prominenten Abholer sind „Aki“ Schmidt, der mit Dortmund zweimal Meister war, dazu Pokal- und Europapokalsieger, und Siggi Held, der freundlich wie immer unter seinen struwweligen Augenbrauen hervorlugt.

Gemeinsam kämpften diese Pokalhelden anno 1966 den haushohen Favoriten FC Liverpool im Finale von Glasgow nieder. Sie holten damit den ersten europäischen Vereinstitel nach Deutschland – im Jahr des Wembley-Tores, das Siggi Held auf dem Londoner Rasen miterlebte.

Aki Schmidt erinnert sich gut an die Fahrt im Dortmunder Autokorso nach dem Sieg in Glasgow: „Torschütze Stan Libuda stand neben mir im offenen Wagen, hielt diesen Pokal hoch und weinte.“ Vor lauter Pietät gegenüber den tiefen Gefühlen des damals von Schalke zur Borussia gewechselten Flügelflitzers fragte er Libuda nie nach diesen Tränen. Jahre später verriet ihm Lothar Emmerich, dass er „Stan“ in diesem Moment untenrum gekniffen habe...

Es ist lustig und faszinierend, diesen beiden älteren Herren zuzuhören – und wenn man jüngeren Kollegen erklärt hat, dass hier zwei Superstars stehen, die heute Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi heißen könnten, kriegen auch die ihre Gänsehaut.

Die Pokale, sorgsam eingepackt von der im BVB-Bulli mitgereisten Museumsleiterin Kirsten Behnke, stehen jetzt schon wieder im Borusseum. „Früher“, sagt Aki, „hatte ich den hinten im Auto dabei.“

Für BVB-Fans wäre solch ein Umgang mit diesem Silberschatz unvorstellbar. Aber Aki und Siggi dürfen das. Sie haben den Pokal ja selber geholt, und das gleich zweimal: 1966 in Glasgow – und 2010 in Lüdenscheid.

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