Siggelkow fordert Christen auf, Gesicht zu zeigen

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Pfarrer Sebastian Schultz (l.) stellte Bernd Siggelkow im Kurzinterview vor.

Lüdenscheid  - Menschen suchen Nähe, Aufmerksamkeit, sie sehnen sich nach Beziehung, nach Freundschaft: Was für viele alltäglich erscheint, ist es für Menschen, die in so genannten sozialen Brennpunkten leben, oft nicht. Gerade Kinder leiden unter Beziehungslosigkeit: Bernd Siggelkow, Gründer des Hilfswerks „Die Arche“, hatte am zweiten Abend bei den Gemeindetagen unter dem Wort Beispiele für seine Thesen parat.

Sein Thema in der Christuskirche hieß „Die Gemeinde als Arche“, wobei die „Arche“ durchaus als „Rettungsanker“ zu verstehen war. Mit Beispielen aus seiner Einrichtung machte er deutlich, wie sehr eine persönliche Beziehung, ein ratgebendes Wort Hoffnung in perspektivloses Leben bringen können. Deshalb riet er den Christen, sich nicht zu verstecken. „Wir müssen zu sehen sein, dann wissen die Menschen, wo sie anrufen müssen, wenn sie Not haben“, sagte Siggelkow.

Er erzählte von einem alleinerziehenden Vater, der überfordert war und sich gegen den Ungehorsam der Kinder nur dadurch zu helfen wusste, dass er heiße Messer auf Arme und Beine drückte. Als ein Arche-Mitarbeiter regelmäßig zum Gespräch kam, hörten die Verbrennungen auf. Eine alleinerziehende Mutter von fünf Töchtern war verzweifelt, weil sie aus Versehen eines ihrer Kinder verletzt hatte. Sie traute sich nicht, einen Krankenwagen zu rufen, aus Angst man würde ihr die Mädchen wegnehmen: „Ich bin asozial.“

Dann gibt es praktische Dinge, wo Christen helfen können: Einer alleinerziehenden Mutter war die Handtasche mitsamt Wohnungsschlüssel gestohlen worden. Das Jobcenter schickte sie in eine Obdachlosenunterkunft und hätte die teure Heimunterbringung fürs Kind bezahlt, nicht aber Schlüsseldienst und neues Schloss. Das übernahm die „Arche“. - Von Bettina Görlitzer

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