Sieben Vorstrafen und Bewährung

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LÜDENSCHEID - Den letzten Verhandlungstag vor den Plädoyers von Staatsanwältin und Verteidigerin widmet der Vorsitzende der 9. Strakammer am Landgericht, Richter Dieter Krause, einem Blick auf die strafrechtliche Vergangenheit des Angeklagten.

Im Bundeszentralregister finden sich sieben Eintragungen, teils „Kleinigkeiten“ wie Trunkenheit im Verkehr, aber auch Diebstahl und Körperverletzung sowie – zuletzt – gemeinschaftlicher besonders schwerer Diebstahl in sechs Fällen.

Die Verurteilung durch das Schöffengericht zu 15 Monaten mit Bewährung erfolgte Mitte April 2012, die Bewährungszeit endet 2015. Sollte es im aktuellen Fall zu einer erneuten Verurteilung kommen, droht der Widerruf der Bewährung – und damit eine lange Freiheitsstrafe. Der vierfache Familienvater quittiert auch diese Perspektive mit eisigem Schweigen.

Die beiden Fälle haben direkt miteinander zu tun. Denn die zwei Einbrecher, die der 28-Jährige quer durch Lüdenscheid kutschiert und deren Beute er mit seinem Audi A4 abtransportiert hat, haben ihren Fahrer schon vor dem Schöffengericht schwer belastet – obwohl mindestens einer von ihnen „erkennbar Angst vor dem Angeklagten“ hatte, wie Amtsrichter Jürgen Leichter anmerkte. Und sie haben ihn bezichtigt, geschlagen, unterdrückt, eingesperrt und gefoltert zu haben.

Unter anderem war schon vor eineinhalb Jahren die Rede davon, dass ein junger Mann mit einem glühenden Tauchsieder im Gesicht verletzt worden war und dass zwei Opfer nach St. Augustin entführt worden waren, wo sie in der Wohnung des Angeklagten tagelang putzen und renovieren mussten.

Im April 2012 redet der gepflegt und zurückhaltend auftretende Lüdenscheider kasachischer Herkunft immerhin noch – und streitet seine Beteiligung an den Einbrüchen zunächst strikt ab. Nur gutes Zureden seines Verteidigers Rolf Holthaus bewegt ihn in letzter Minute dazu, seine Beteiligung an den Einbrüchen zuzugeben.

Von einem Geständnis ist der mutmaßliche Gewaltverbrecher und Erpresser diesmal meilenweit entfernt. Seine Verteidigerin Lena Retschkemann hat es stattdessen auf einen langwierigen Indizienprozess ankommen lassen. Beweisanträge, Gutachten und zahlreiche Aussagen von Zeugen, die teilweise kaum Erhellendes zur Wahrheitsfindung beitragen konnten, haben den Prozessverlauf beeinflusst. Nun bereiten sich die Staatsanwältin und die Kölner Rechtsanwältin auf ihre Schlussplädoyers vor.

Fortsetzung ist am 30. September um 9 Uhr in Saal 247. - Von Olaf Moos

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