Wer war an Bord?

Seltene Sichtung von Transporthubschrauber der Luftwaffe über dem MK

Das war nicht zu überhören. Dutzende Menschen beobachteten am Dienstagnachmittag einen Bundeswehr-Hubschrauber, der relativ tief in Süd-Nord-Richtung über Teile der Innenstadt von Lüdenscheid flog. Die Recherche ergab: Es handelt sich um ein Hubschrauber vom Typ Sikorsky CH-53. Wer war an Bord?

Hubschrauber werden über Lüdenscheid immer wieder beobachtet. Hubschrauber der Luftwaffe sind allerdings eher selten darunter. Daher warfen die Beobachtungen am Dienstag über der Innenstadt durchaus Fragen auf. Vermutet wurde in den sozialen Netzwerken unter anderem, dass Politiker in dem Hubschrauber transportiert wurden. Tatsächlich kommt das vor. Die Verteidigungsminister Thomas de Maizière, Karl-Theodor zu Guttenberg (Foto) und Ursula von der Leyen ließen sich öffentlichkeitswirksam in einem CH-53 in Afghanistan ablichten. Zuletzt hatte es in Lüdenscheid auch Überflüge durch Tornado-Flugzeuge der Luftwaffe gegeben.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg sitzt am Mittwoch (14.04.2010)auf dem Flug von Feldlager Mazar-I-Scharif nach Kundus in einem CH53 Hubschrauber. Guttenberg besucht die Bundeswehrsoldaten des ISAF Einsatzkontingents in Afghanistan.

In Lüdenscheid war jedoch kein Prominenter an Bord, wie ein Sprecher der Luftwaffe der Bundeswehr auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte. Stattdessen habe es sich um einen Trainingsflug gehandelt. Dieser erfüllte zwei Zwecke: Zum einen sammelten die Piloten durch den Flug Pflicht-Flugstunden, zum anderen wurde der CH-53 für Wartungsarbeiten vom Fliegerhorst im baden-württembergischen Laupheim in die Außenstelle in Diepholz (Niedersachsen) überführt.

Hendrik Jungeblodt gelang diese Aufnahme des Transporthubschraubers CH-53 am 12. Oktober in Lüdenscheid.

Bereits seit 1975 sind die mittleren Transporthubschrauber aus amerikanischer Produktion bei der Bundeswehr im Einsatz. Da ein Nachfolgemodell nicht in Sicht ist, sollen die verbliebenen CH-53-Hubschrauber noch bis mindestens 2030 weiterfliegen. Insgesamt sind an den beiden Standorten Laupheim und Holzdorf (Brandenburg) noch 60 CH-53-Hubschrauber des Hubschraubergeschwaders 64 der Luftwaffe stationiert. Ein Großteil von ihnen war auch in den vergangenen 20 Jahren in Afghanistan im Einsatz, wie ein Luftwaffen-Sprecher berichtete. Erst im Januar 2021 kehrten mit dem Abzug der Truppe die letzten CH-53 endgültig nach Deutschland zurück.

Vielen Menschen sind die Bilder der Verladung von Hubschraubern in den Bauch einer übergroßen Bundeswehr-Transportmaschine vom Typ Airbus A400 M in Erinnerung (in einer früheren Version war fälschlicherweise von einer Antonov A400 M die Rede). Die dort gezeigten Hubschrauber mit den eingeklappten Rotorblättern sind vom Typ CH-53. Zur Wartung wurden sie seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes regelmäßig nach Deutschland geflogen.

Aufnahmen aus Afghanistan: Der Transporthubschrauber Sikorsky CH-53, der über Lüdenscheid beobachtet wurde, in einem Erklärvideo der Bundeswehr.

Auch die am 12. Oktober über Lüdenscheid beobachtete Maschine mit der Kennung 84+79 wurde in Afghanistan eingesetzt. Das belegen Fotos und Videos des Fluggeräts im Internet. Für einen Erklärfilm zum Transporthubschrauber auf der Internetseite der Bundeswehr steht der Hubschrauber mit der Kennung 84+79 Modell. Der Film zeigt die Eigenschaften des Typs CH-53 anhand von Einsatzbeispielen in Afghanistan. Am Boden, in der Luft, im Kampf.

Bis zu 315 km/h schnell sind „Arbeitstiere der Luftwaffe“. Sie werden zunehmend auch zivil eingesetzt, unter anderem bei Katastropheneinsätzen wie zuletzt bei Waldbränden in Brandenburg und der Flutkatastrophe im Juli. Zur Grundbesatzung gehören zwei Piloten und zwei Techniker. In Kampfeinsätzen werden die Hubschrauber durch sogenannte Doorgunners geschützt, die an der geöffneten Luke an einem festen Maschinengewehr die Umgebung im Blick behalten.

Traurige Berühmtheit erlangte der Sikorsky CH-53 durch einen Absturz kurz vor Weihnachten 2002 in Afghanistan, bei dem sieben Soldaten ihr Leben verloren. Ursache war offenbar ein Wartungsfehler. Genau um solche Fehler zu vermeiden und die Wartungsintervalle einzuhalten, war der Überführungsflug am 12. Oktober über Lüdenscheid notwendig.

Erst Anfang September war ein Hubschrauber der Luftwaffe in Schalksmühle gelandet. An Bord war Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Rubriklistenbild: © Screenshot Bundeswehr

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