Lüdenscheider vor Gericht

Sexueller Missbrauch: „Ich dachte, sie sei 16“

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Symbolbild

Lüdenscheid - Mit einem Geständnis begann am Freitag im Landgericht Hagen der Prozess gegen einen 45-jährigen Lüdenscheider, der die zwölf beziehungsweise 13 Jahre alte Enkelin einer Arbeitskollegin sexuell missbraucht hatte.

Im Zeitraum zwischen August 2011 und April 2012 kam es dabei mehrfach zum Geschlechtsverkehr in seiner Wohnung. „Sieben bis acht Mal“, räumte er am Freitag vor Gericht ein. Wie einvernehmlich diese Begegnungen verliefen, dürfte die Hauptfrage der Beweisaufnahme werden. Am Freitag stellte der Vorsitzende Richter Marcus Teich dem Angeklagten, einem „Menschen, der mitten im Leben steht“, mit einer gewissen Hartnäckigkeit immer wieder Fragen nach dem Warum: „Wie ist es dazu gekommen?“ „Warum haben Sie Ihre feste Beziehung aufs Spiel gesetzt für diese Geschichte?“ Und der Angeklagte lieferte keine schlüssige Erklärung: „Ich weiß nicht, warum ich mich überhaupt auf das Mädchen eingelassen habe.“

Schon diese Formulierung machte deutlich, dass er das Kind als treibende Kraft hinter den Begegnungen darstellte: „Sie hat mich angefasst“, behauptete er über das erste Treffen in einem geschlossenen Raum. Für die Behauptung „Sie wollte es“ erntete der Angeklagte eine rüde Nachfrage des Richters: „Und Sie nicht?! Sie konnten nicht ‚nein’ sagen?“ Noch einmal wurde der Ton ruppig: „Sie wollte es so geheimnisvoll wie möglich machen“, behauptete der Angeklagte. „Sie können mir doch nicht erzählen, dass Sie öffentlich eine Beziehung mit einer Zwölfjährigen führen wollten?”, konterte der Richter.

Von Seiten des Mädchens gibt es sehr unterschiedliche Signale zum Charakter der Beziehung. Bei der Polizei gab sie an, dass die Initiative vom Angeklagten ausgegangen sei. Anfänglich sei das Ganze nicht einvernehmlich gewesen. Und der Angeklagte habe ihr Alkohol angeboten. In ihrem Tagebuch fanden die Ermittler jedoch Zeilen eines verliebten jungen Mädchens, das glücklich über diese Begegnungen war. „Sie war froh, dass sie mich kennengelernt hatte“, behauptete der Angeklagte. Und: „Ich habe gedacht, dass sie 16/17 war – dabei war sie zwölf.“

Ins Rollen kamen die Ermittlungen, als ein junger Freund des Mädchens ihr Tagebuch fand, darin las und den entsetzten Vater des Kindes alarmierte. „Sie will hier nicht aussagen“, erklärte er vor Gericht. Das allerdings kann ihr das Gericht wohl nicht ersparen. Wegen zahlreicher offener Fragen möchte die Kammer nicht auf eine Vernehmung des Opfers verzichten. Diese wird möglicherweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit am 15. April stattfinden. - thk

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