Sexueller Missbrauch: Bewährungsstrafe

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Lüdenscheid - Es ist kein Geheimnis: Sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen gilt allgemein als besonders perfides Verbrechen. Deshalb sieht der Gesetzgeber auch ziemlich drakonische Strafen vor. Bis zu 15 Jahre Gefängnis sind möglich. Ein 33-jähriger Sauerländer kam jetzt indes vergleichsweise glimpflich davon. Das Lüdenscheider Amtsgericht verurteilte ihn zu 14 Monaten Haft auf Bewährung.

Der Grund für die Milde: Auf der Anklagebank saß sichtlich kein abgebrühter Sex-Gangster. Vielmehr hockte da ein schüchterner Zeitgenosse, der sich einmal im Leben eine Entgleisung erlaubt hat. Zu dieser Erkenntnis gelangten Richter, Verteidiger, Staatsanwalt und Nebenklage am Ende einigermaßen unisono. Dennoch, sein Opfer – das er allerdings zu nichts gezwungen hatte – war damals erst 13 Jahre alt. „Sie war noch ein Kind“, so die ernsten Worte von Amtsrichter Jürgen Leichter in Richtung des Angeklagten. Der nickte betroffen.

Zweimaliger Geschlechtsverkehr mit der Minderjährigen – dieses Vergehen hatte sich der Mann geleistet. Passiert ist die Sache im Jahr 2009. Die Tat räumte der Angeklagte auch reuig ein – und ersparte der jungen Frau somit eine Aussage im Zeugenstand.

Rückblende: Vor fünf Jahren lernen sich der Mann und das Mädchen in einem sozialen Netzwerk kennen. Per Handy tauschen sie Nacktbilder aus, es kommt zum Telefonsex. Der damals 28-Jährige weiß, dass das Mädchen erst 13 ist, macht sich selbst gleichzeitig jünger.

Die 13-Jährige – möglicherweise frühreif – treibt das Verhältnis dabei stark mit an. Als ihre Eltern die Beziehung bemerken und ihr Handy verstecken, macht sie das Versteck des Mobiltelefons ausfindig. Die Beziehung geht weiter, es kommt schließlich zu zwei Treffen. Aus der bis dato virtuellen Intimität wird realer Sex, den beide wollen.

Der Täter, der einst ein naturwissenschaftliches Studium abbrach und danach keine Ausbildung mehr begann, rang vor Gericht um eine Erklärung für sein Verhalten. Seine Worte, die er mit stockender Stimme vortrug: „Ich bin ohnehin ein eher phlegmatischer Typ. Ich hatte damals absolut kein Selbstwertgefühl mehr. Nach dem Abitur hatte ich nie wieder etwas geschafft. Und dann habe ich mich total in das Mädchen verknallt.“

Mittlerweile scheint sich der Mann aber gefangen zu haben. Sein damaliges Verhalten bedauert er offenbar aufrichtig. Der Familie des Mädchens hat er im Zuge des Täter-Opfer-Ausgleich 4000 Euro gezahlt. Außerdem ist es ihm gelungen, eine Arbeitsstelle mit Zukunftschancen zu finden. Und wichtig wohl auch: Mit einer Therapie hat er inzwischen freiwillig begonnen. - dt

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