Angeklagter uneinsichtig

Sexuelle Belästigung im MK: 82-Jähriger küsst und begrapscht Besucherin

Sexuelle Belästigung: Die Hand eines Mannes liegt auf dem Knie einer Frau.
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Symbolbild

Ein 82 Jahre alter Mann aus Lüdenscheid legt sich mit dem Strafrichter an. Er will den schriftlichen Strafbefehl nicht akzeptieren, den er wegen des Vorwurfs der sexuellen Belästigung bekommen hat.

Ein zorniger alter Mann stapft schnaubend in den Gerichtssaal. Er hat einen Strafbefehl im Briefkasten gehabt: 1250 Euro wegen sexueller Belästigung. Doch der 82-Jährige, verwitwet, hadert mit der Justiz – ist laut, klingt empört und fällt Strafrichter Andreas Lyra ständig ins Wort.

Am 16. August hatte der Rentner laut Anklage eine Frau zu Besuch – und hat sie gegen deren Willen geküsst und an die Brust gefasst. Wie es dazu kam, wie das Verhältnis zu ihr war, ob der Vorwurf des Staatsanwaltes richtig ist – all das spielt für den Richter heute keine Rolle.

Der Grund dafür liegt auf der Hand: Der Angeklagte hat lediglich Einspruch gegen die Rechtsfolgen seines Übergriffs eingelegt. Es geht also nur noch um die Höhe der Strafe, nicht um die Wahrheitsfindung. Eine gute halbe Stunde dauert es, bis der 82-Jährige das kapiert hat.

Das sind 30 Minuten gebrülltes Lamento. Es sei „alles einvernehmlich passiert“. Er sei ein „alter Mann, ich habe das Geld nicht“. Dass er nur gegen die Höhe der Strafe vorgehe, sei ihm am Amtsgericht „in den Mund gelegt“ worden. Und: „Ist der Staat dazu da, um uns zu verknacken oder um uns zu beschützen?“

Richter Lyra hat kaum eine Chance, das wütende Stakkato zu stoppen. Doch als der Angeklagte ihn zum xten Mal unterbricht, platzt dem ansonsten geduldigen Juristen der Kragen. Er herrscht den lauten 82-Jährigen an, noch stimmgewaltiger und mindestens genau so erzürnt: „Hören! Sie! Mir! Zu!“

Erst jetzt kehrt etwas Ruhe ein. Und Andreas Lyra gibt seinem Gegenüber den guten Rat, den Einspruch besser zurückzunehmen. „Wenn ich jetzt nämlich über die Höhe der Strafe verhandle, wird sie noch höher ausfallen.“ Das liege an der vergleichsweise guten Rente des 82-Jährigen.

Der alte Herr gibt endlich auf, kleinlaut, fast freundlich. „Dann folge ich Ihrem Rat. Dann mache ich das so.“

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