Herzenssache am Amtsgericht

Sexuelle Belästigung? „Bei uns gibt es keine Freundschaft zwischen Mann und Frau“

Eine Ampel zeigt ein rotes Herz.
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Symbolbild

Ein Angeklagter, der von einer großen Liebesgeschichte spricht, eine Zeugin, die nur Freundschaft wollte - das waren die Zutaten eines Prozesses vor dem Strafrichter.

Lüdenscheid - Strafrichter Andreas Lyra sagt, er komme „aus einem anderen Kulturkreis“ und wolle verstehen. Da kann ihm die Zeugin helfen. Die 22-jährige Altenpflegerin erklärt: „Bei uns Türken gibt es keine Freundschaft zwischen Frau und Mann.“ Damit ist eine entscheidende Frage beantwortet – und der Anlass für den Strafprozess gegen einen mehrfach vorbestraften Deutsch-Türken (22) gleich mit erklärt. Der kräftige Leiharbeiter aus Iserlohn muss sich wegen sexueller Belästigung verantworten.

Oberamtsanwalt Markus Desecar wirft dem Mann vor, die Zeugin „an einem nicht näher bestimmbaren Tag im Juli 2020“ auf dem Hof der Pestalozzi-Schule an der Weißenburger Straße geküsst und an die Brust gefasst zu haben, „obwohl sie das nicht wollte“. Der Angeklagte legt sofort los. „Da stimmt was nicht. Die versucht, mich reinzulegen.“ Nur mühsam bremst der Richter den Mann und beruhigt ihn. Dann erzählt der seine Geschichte.

Demnach hat er sich eine Zeit lang fast täglich in Lüdenscheid mit der aparten Schönheit getroffen. Man sei Hand in Hand spazieren gegangen, berichtet er. Und: „Wir hatten Sex miteinander.“ Aber irgendwann habe sie ihm mitgeteilt, „dass sie in einer festen Beziehung lebt und heiraten will“. Es sei doch „völlig normal, dass ich ein bisschen sauer war“.

Die Geschichte der jungen Frau klingt anders. Sie kennt den Angeklagten aus der gemeinsamen Schulzeit. Man habe sich ein paar Jahre aus den Augen verloren, dann per Zufall wieder Kontakt gehabt. „Ich habe ihm gleich gesagt, dass ich bald heiraten will und glücklich bin.“

Aber der Jugendfreund habe sich wohl in sie verliebt. Und er sei „immer aufdringlicher“ geworden. Sex? „Das stimmt nicht.“ Als sie ankündigte, den Kontakt zu ihm abbrechen zu wollen, auf dem Schulhof, „da hat er geweint“. Und dann sei es zu dem Übergriff gekommen.

Es gab wütende Schriftwechsel, einen Gewaltschutzantrag, ein Näherungsverbot. Seitdem sei Ruhe, so die Frau. Der Angeklagte nickt. Richter Lyra ermahnt den Angeklagten, künftig „die Füße still“ zu halten. „Es spricht für beide Geschichten was.“ Er stellt das Verfahren ein. Und verabschiedet den 22-Jährigen mit den Worten: „Halten Sie die Ohren steif! Keinen Scheiß bauen! Und viel Glück mit der Nächsten!“

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