Klinikum Lüdenscheid

Nicht alles von jeder Firma - Die Zentralapotheke

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Chefapotheker Andreas Meyer ist Herr über 1800 Medikamente – mal als Tropfen, mal als Salbe, als Tabletten oder Dragees. Trotzdem wird noch sehr viel selber produziert und für die Stationen zusammengestellt.

Lüdenscheid - Die Lüdenscheider Nachrichten stellen im Rahmen einer Serie alle Fachkliniken des Klinikums Lüdenscheid vor. Dabei werden das jeweilige Leistungsspektrum aufgezeigt und Einblicke in die Arbeit der Mediziner und Pflegekräfte gegeben. Folge acht widmet sich der Zentralapotheke.

Chefapotheker Andreas Meyer fällt im Vergleich zu den meisten seiner Kollegen unternehmerisch aus dem Rahmen. „Andere leben vom Umsatz, wir versuchen, ihn möglichst klein zu halten.“ Allerdings hat er auch keinen Laden in einer Fußgängerzone oder einem Ärztehaus, sondern leitet die Zentralapotheke der Märkischen Kliniken – seit 23 von 32 Jahren.

Salben für die Dermatologie, Säfte für Kinder, Tropfen für die Augenklinik, spezielle Mittel für die Krebstherapie, abhängig von Größe, Gewicht und Körperfunktion des Patienten – „wir machen für alle Abteilungen etwas“, beschreibt Meyer den umfangreichen Versorgungsauftrag. Mal sind es 30 Zubereitungen an einem Tag, an anderen sind 90 für einen reibungslosen Ablauf erforderlich.

Service nicht nur die Märkischen Kliniken

Dabei sind nicht nur die Märkischen Kliniken mit ihren Einrichtungen in Lüdenscheid, Werdohl und Letmathe auf die Pharmazie angewiesen. Für die Sportklinik Hellersen, die Berglandklinik, die Fachklinik Spielwigge sowie die Rettungsdienste im Südkreis und im Kreis Olpe sind verlässliche Arzneimittelversorgungen ebenfalls unentbehrlich.

Kontingent auf rund 1800 Medikamente begrenzt

St. 4.5 oder St. 5.2 – mit dem Rohrpostsystem werden die Medikamente auf die verzweigten Wege zielsicher durchs Haus geschickt.

„Wir können noch sehr viel selber produzieren und gerade das für die Stationen speziell zusammenstellen, was es nicht zu kaufen gibt.“ Der Laie wird kaum glauben können, dass es tatsächlich noch Lücken gibt: Blaue, gelbe oder grüne Schachteln, große und kleine Verpackungen, Arzneimittel auf Rollbändern, die den Nachschub bei der Entnahme sichern und Fächer mit nur wenigen Präparaten – vom Boden bis zur Decke sind die Regale mit den unterschiedlichsten Wirkstoffen bestückt. Und doch: „Wir begrenzen unser Kontingent auf rund 1800 Medikamente, der Markt hält etwa 50.000 bereit.“ Trotzdem sei das für die Zentralapotheke völlig ausreichend: „Wir nehmen eine Arznei nur von einem Hersteller statt von -zig Firmen und benötigen auch nicht alle Stärken und alle Größen. So können wir unser Sortiment straffen.“

Medikamente und Infusionen werden palettenweise angeliefert

Um den Versorgungsauftrag für die verschiedenen Häuser erfüllen zu können, werden die Medikamente und Infusionen gleich palettenweise angeliefert. Doch der Schein, die Pharmaindustrie warte nur auf die Bestellungen, um die bunten Pillen kiloweise auszuliefern, trügt ganz offensichtlich. „Drei bis vier Mal in der Woche hören wir von Firmen, dass sie nicht liefern können. Eine permanente Verlässlichkeit gibt’s nicht mehr. Sogar Krebstherapien müssen wegen solcher Engpässe verschoben werden.“ Für manche Substanzen gebe es nur einen Produktionsstandort in der Welt. „Hakt es dort, reißt die Kette.“

Nicht nur den Preis im Blick

Das Motto „billig, billig, billig“ gelte von Handy-Flat-Rates über Lebensmittel inzwischen bis zu Medikamenten. Viele Substanzen kämen heute aus dem asiatischen Raum. So sei China eine Hochburg für Antibiotika. Dafür seien die Standards – zum Beispiel für Ampullen mit risikoreichem Inhalt – unvergleichlich tief. „Das birgt große Gefahren für die Mitarbeiter.“ 160 Pharmabetriebe haben Meyer und sein 18-köpfiges Team in der Liste. Gerade die kleinen seien gut und unverzichtbar. Statt nur auf den Preis zu blicken, könne ein Cent mehr zugleich Qualität und Sicherheit leisten.

Maschineller Prozess erleichtert den Tagesablauf

Das Unit-Dose-System bewahrt den Überblick. Die bedarfsgerechte Abfüllanlage für jeden Patienten vereinfacht die Zuteilung auf den Stationen.

Damit Ärzte, Apotheker und Pflegekräfte bei der Vielzahl an Patienten und notwendigen Medikamenten den Überblick behalten, hilft auch in diesem Fall die Technik mit dem Unit-Dose-System – einer bedarfsgerechten Abfüllanlage für jeden Einzelnen. Die verordneten Arzneimittel werden dabei für jeden Patienten für einen Tag zentral in der Krankenhausapotheke in Medikamentenschläuche separat verpackt, an die Station ausgeliefert und dort verteilt. Name der Arznei, Chargennummer, Dosis, Uhrzeit, Haltbarkeit und der Patientenname sind vermerkt. Der maschinelle Prozess für Tabletten, Kapseln und Dragees erleichtert seit viereinhalb Jahren den Tagesablauf. Was drauf steht, ist auch drin.

Auch für lebensgefährliche Missgeschicke gut gerüstet

Noch eine Sensibilitätsstufe höher ist die Herstellung von Zytostatika angesiedelt. Die Arzneimittel zur Behandlung von Krebspatienten machen ein Therapieschema für jeden einzelnen Patienten notwendig. Die Apotheke hat eigens dafür einen ausgestatteten Herstellungsraum mit Sicherheitswerkbank.

Auch für lebensgefährliche Missgeschicke in der heimischen Küche ist die Apotheke gerüstet. Wird der Rehrücken statt mit edlen Schwammerln versehentlich mit einem Knollenblätterpilz garniert, ist Rettung möglich. „Für eine vierköpfige Familie haben wir in jedem Krankenhaus das notwendige Gegengift“, beruhigt der Chefapotheker.

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