Klinikum Lüdenscheid

Der Mensch ist im Labor immer noch die letzte Prüfungsinstanz

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Die „Straße“ ist zentraler Bestandteil des Labors. Hier werden viele der Untersuchungen durchgeführt.

Lüdenscheid - Die Lüdenscheider Nachrichten stellen im Rahmen einer Serie alle Fachkliniken des Klinikums Lüdenscheid vor. Dabei werden das jeweilige Leistungsspektrum aufgezeigt und Einblicke in die Arbeit der Mediziner und Pflegekräfte gegeben. Das Medizinische Labor Wahl steht im Blickpunkt der 12. Folge.

Jeder Patient des Klinikums Lüdenscheid hat im Rahmen seines Aufenthalts auch Kontakt zum Medizinischen Labor Wahl. Natürlich nicht persönlich – Patienten kommen selten in die Räume im ersten Untergeschoss des Hauptgebäudes. Aber ihre Körperflüssigkeiten, also Blut, Urin und Gehirnwasser, und ihre Stuhlproben, landen in den Händen von Laborleiter Privatdozent Dr. Dr. Hans Günther Wahl und seinen Mitarbeitern. „Das Einzige, was wir nicht untersuchen, sind Gewebeproben. Die gehen zu den Kollegen in der Pathologie“, erklärt Hans Günther Wahl.

Die Zahlen sind beeindruckend: Das Team des Medizinischen Labors Wahl besteht aus 62 Mitarbeitern. 800 verschiedene Analysen können zum Einsatz kommen, wenn dies notwendig wird. Fast 99 Prozent aller im Klinikum anfallenden labortechnischen Untersuchungen werden im Labor Wahl bearbeitet. Nur in Ausnahmefällen, bei seltenen Spezialuntersuchungen, werden die Proben an andere Labore weitergegeben.

Rund 25.000 Untersuchungen pro Tag

Pipettierautomaten nehmen den MTAs oft die Routinearbeit ab.

„Am Tag nehmen wir rund 25.000 Untersuchungen von eingereichten Proben vor“, erläutert Hans Günther Wahl und erklärt dann, dass die Bearbeitung in 88 Prozent der Fälle innerhalb von 75 Minuten abgeschlossen sei. Bei 16 Prozent der Proben liegt das Ergebnis sogar schon nach 30 Minuten vor. Handelt es sich um einen Notfall, sind Hans Günther Wahl und seine Mitarbeiter noch schneller: „83 Prozent der Untersuchungen haben wir dann schon innerhalb von 45 Minuten erledigt und 44 Prozent innerhalb von 30 Minuten.“ Durcheinander geraten können die einzelnen Proben, die ins Labor Wahl kommen, nicht. Jedes Röhrchen, jede Schale wird erfasst und mit einem Barcode versehen: „Bei uns im Labor kann es nicht mehr zu Verwechslungen kommen“, betont Hans Günther Wahl.

Hochtechnisierte Laborarbeit

Ohne eine hochtechnisierte und in vielen Bereichen automatisierte Laborarbeit sei die schnelle und sichere Bearbeitung der Proben natürlich nicht zu bewerkstelligen, erklärt der Laborleiter und präsentiert dann das Herzstück seines Labors: die sogenannte „Straße“. Hier werden zwischen 70 und 80 Prozent aller Proben abgearbeitet. „Alle Dinge, die schnell erledigt werden müssen, werden an der ‘Straße’ analysiert und untersucht“, berichtet Hans Günther Wahl. Die „Straße“ ist rund zehn Meter lang. Ein Förderband übernimmt den Transport der Proben von einer der fünf Analysestationen zur nächsten.

Handarbeit bei den schwierigen Fällen

Auf Nährböden werden Kulturen gezüchtet.

Doch auch in diesem hochtechnisierten Bereich des Klinikums wird bei manchen Untersuchungen noch auf Handarbeit gesetzt: „Das sind die schwierigen Fälle. Wir reden da von 50 bis 60 Proben am Tag“, berichtet der Laborleiter und fügt hinzu: „Wir brauchen die Computer, die ganze Technologie. Aber der Mensch ist im Labor immer noch die letzte Prüfungsinstanz. Das menschliche Auge und in manchen Fällen auch die Nase sind unersetzlich für unsere Arbeit. Das wird uns auch in Zukunft keine Maschine abnehmen können.“

Rund um die Uhr besetzt

Laborleiter Privatdozent Dr. Dr. Hans Günther Wahl und seine Stellvertreterin Dr. Britta Friederichs.

Und so wundert es nicht, dass das Labor jeden Tag rund um die Uhr besetzt ist. Laborleiter Hans Günther Wahl und seine Stellvertreterin Dr. Britta Friederichs haben für schwere diagnostische Fälle ständig Rufbereitschaft: „Wenn wir gebraucht werden, kommen wir auch nachts. Wir können garantieren, dass wirklich 24 Stunden am Tag ein Laborarzt zur Verfügung steht, der auch komplizierte Untersuchungen vornehmen kann, wenn ein Notfall im Klinikum anfällt.“ Über mangelnde Arbeit kann sich Hans Günther Wahl nicht beschweren. Das zahlt sich aus.

Seit 2007 ein eigenständiges, niedergelassenes Labor

Seit Juli 2007 tut es das noch in ganz anderer Hinsicht. Bis zu diesem Zeitpunkt war das Medizinische Labor eine Abteilung des Klinikums, deren Leitung Hans Günther Wahl im Januar 2005 als Chefarzt übernommen hatte. Die schwierige wirtschaftliche Lage des Klinikums habe eine Umstrukturierung nötig gemacht, erklärt Hans Günther Wahl. Das Labor wurde ausgelagert. „Im Klartext bedeutet das, dass wir seit 2007 als eigenständiges, niedergelassenes Labor am Markt sind. Ich arbeite also auf ‘eigene Rechnung’. Und das nicht nur für das Klinikum. Wir untersuchen Proben für rund 50 niedergelassene Ärzte aus dem Märkischen Kreis und für sieben Kliniken aus unserer Region“, erklärt Hans Günther Wahl.

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