Klinikum Lüdenscheid

Stets die schlechte Zelle im Visier

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Die Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie: Klinikdirektor Dr. Dieter Schnalke (l.) und sein Team.

Lüdenscheid - Die Lüdenscheider Nachrichten stellen im Rahmen einer Serie alle Fachkliniken des Klinikums Lüdenscheid vor. Dabei werden das jeweilige Leistungsspektrum aufgezeigt und Einblicke in die Arbeit der Mediziner und Pflegekräfte gegeben. Die Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie steht im Mittelpunkt der 11. Folge.

Das Ziel, das Dr. Dieter Schnalke immer im Visier hat, ist die Zelle. Genauer gesagt: die schlechte Zelle. Die also, die für Erkrankungen wie Krebs verantwortlich ist. Diesen Zellen, die den Menschen im schlimmsten Fall das Leben kosten können, rückt der Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Lüdenscheider Klinikum mit Strahlen zu Leibe. Die Kurzformel des Fachmanns für seine Aufgabe als Mediziner: „Treffe ein unsichtbares Ziel mit einem unsichtbaren Instrument.“

Wenn Dieter Schnalke die Geschichte seines Fachbereichs betrachtet, kommt er zu einem für die heutigen Patienten mehr als positiven Fazit: „Die Strahlentherapie, die wir anwenden, ist sehr gut. Wir können heute genauer dosieren und viel besser zielen. Wir können also mit hoher Strahlendosis die schlechten Zellen angehen – und das umliegende gesunde Gewebe schützen. Dabei unterstützen uns bildgebende Verfahren wie CT, MRT und PET-CT, weil sie uns helfen, die Lage und die Größe des Tumors viel genauer zu bestimmen als früher. Und aus all diesen Gründen sind wir auch in der Lage, Nebenwirkungen der Behandlung zu minimieren.“

Der Linearbeschleuniger als wichtiger Verbündeter

Dieter Schnalke hat neben seinem Team, bestehend aus Strahlenmedizinern, Medizinphysikern und medizinisch-technischen Assistenten, einen weiteren wichtigen Verbündeten im Kampf gegen Tumore: den Linearbeschleuniger. Mit ihm wird am Klinikum die sogenannte Intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT) durchgeführt.

Die Medizinisch Technischen Radiologieassistentinnen Tanja Kleingries und Doreen Belmadani bei der Arbeit.

Eingesetzt wird diese moderne Bestrahlungstechnik dann, wenn in direkter Nähe des Tumors wichtige und strahlenempfindliche Organe liegen. „Mit dem IMRT-Verfahren können wir die Verteilung der Strahlendosis sehr genau anpassen und das Risikoorgan bestmöglich schützen. Wir nehmen den Tumor mit Strahlen aus verschiedenen Richtungen in die Zange. Und die Bestrahlungsfelder können in noch kleinere Bereiche eingeteilt werden als früher. Wir können also sehr genau arbeiten. Und diese Präzision versetzt uns in die Lage, die Tumore mit höheren Strahlendosen zu behandeln. Das steigert die Heilungschancen immens“, erklärt Dieter Schnalke.

80 Prozent der Patienten werden ambulant behandelt

Eine gute Nachricht für all die Patienten, die zur Strahlentherapie ins Klinikum kommen. Die meisten von ihnen sind ambulante Patienten – nur 20 Prozent müssen die Therapie stationär durchlaufen. Bei einem Teil der Patienten wird zeitgleich eine medikamentöse Behandlung – Chemo- oder Antikörpertherapie- durchgeführt, um einerseits die Strahlenwirkung zu verstärken und andererseits auch Tumorzellen außerhalb des Strahlenbereichs anzugreifen.

Interdisziplinäre Tumorkonferenzen

Über den genauen Behandlungsplan entscheidet aber nicht Dieter Schnalke allein mit seinem Team. „Wir halten regelmäßig Tumorkonferenzen ab. Bei diesen interdisziplinären Runden sind dann alle Fachleute am Tisch versammelt, also auch die Kollegen aus der Onkologie, der Chirurgie, der Pathologie und den einzelnen Fachkliniken – wie zum Beispiel der Hautklinik, wenn es um Hautkrebs geht, oder der HNO-Klinik bei Tumoren im Kopf-Hals-Bereich“, berichtet Dieter Schnalke. In dieser Fachrunde wird jeder einzelne Fall vorgestellt und besprochen.

Dr. Dieter Schnalke: „Die Aufklärung von Patienten über den Sinn und Zweck der Strahlentherapie ist für uns eine zentrale Aufgabe.“

Dann wird der Behandlungsplan ausgearbeitet und mit dem Patienten besprochen. Dieser Patientenkontakt ist ein wichtiger Bestandteil der Arbeit eines Radioonkologen. „Die Diagnose Krebs trifft den Menschen hart. Ängste sind da nur normal. Eine umfassende und verständliche Aufklärung gehört aus diesem Grund ganz klar mit zu unseren Aufgaben. Wir müssen dem Patienten den Sinn und Zweck unserer geplanten Therapie erklären, ihm alle möglichen Risiken aufzeigen und natürlich auch die Chancen. Ich bin es dem Patienten schuldig, ihm genau zu sagen, was ihn erwartet und was ich ihm als Mediziner bieten kann.“

Pro Sitzung nur kleine Strahlenmengen

Eine Strahlentherapie erstreckt sich im Regelfall über mehrere Wochen. Auch hier ist die Schonung des Patienten der Grund. Pro Sitzung kommen nur kleine Strahlenmengen zum Einsatz. So können sich die gesunden Zellen besser erholen. Die Dauer der einzelnen Bestrahlungseinheiten habe sich im Vergleich zu früher deutlich verkürzt, betont Dieter Schnalke: „Früher dauerte eine komplexe Strahlenbehandlung bei einem Halstumor gut 20 Minuten täglich. Heute schaffen wir die Prozedur in zwei Minuten. Das ist für den Patienten eine große Erleichterung, denn für die geforderte Präzision ist die Lagerung in einer engen, individuell angefertigten Gesichtsmaske erforderlich. Da macht die Zeitersparnis von 18 Minuten eine Menge aus.“

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