Klinikum Lüdenscheid

Medizin mit Durchblick - Klinik für Radiologie

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Professor Dr. Heiko Alfke: „Gefäßverschlüsse können wir unter Bildsteuerung minimalinvasiv behandeln.“

Lüdenscheid - Die Lüdenscheider Nachrichten stellen im Rahmen einer Serie alle Fachkliniken des Klinikums Lüdenscheid vor. Dabei werden das jeweilige Leistungsspektrum aufgezeigt und Einblicke in die Arbeit der Mediziner und Pflegekräfte gegeben. Im 17. Teil blicken wir auf die Klinik für Radiologie.

60.000 Untersuchungen im Jahr, 1000 in der Woche, 200 am Tag – das ist das Arbeitsaufkommen, das Professor Dr. Heiko Alfke mit seinem Team der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Klinikum Lüdenscheid stemmen muss. Dem Klinikdirektor stehen 13 Ärzte und 25 weitere Mitarbeiter zur Seite. „Wir sind eine der größten Abteilungen im Haus und mit der wichtigste diagnostische Dienstleister. Fast jeder Patient, der stationär im Klinikum aufgenommen wird, hat auch Kontakt mit uns“, erklärt Heiko Alfke.

Neben dem konventionellen Röntgen gehören die Computertomographie (CT), die Magnetresonanztomographie (MRT), die Durchleuchtung inklusive Gefäßkatheter, der Ultraschall und die Mammographie zum Arbeitsfeld der Radiologen.

„Diese diagnostischen Untersuchungen sind unser Job. Wir sind es auch, die die Befundung der Bilder vornehmen. Die Patienten denken ja oft, dass ihr behandelnder Arzt auf Röntgen- oder CT-Aufnahmen schaut und sie auswertet. Aber dem ist nicht so. Wir Radiologen werten die Aufnahmen aus und stellen die Diagnose. Da können sich die Patienten, die ins Klinikum kommen, sicher sein“, betont Heiko Alfke.

Suche nach dem, was nicht sein darf

Wonach sucht Heiko Alfke, wenn er die Röntgen-, CT- oder MRT-Aufnahmen am Computer auswertet? „Ich suche nach Primärtumoren, Metastasen und anderen Gewebeveränderungen, nach Gefäßverschlüssen, gebrochenen Knochen und Wirbeln, Muskel- oder Sehnenverletzungen – also nach allem, was eigentlich nicht sein dürfte“, fasst Heiko Alfke seine diagnostische Arbeit zusammen.

Radiologe - ein visueller Typ

Der Blick auf den Computerbildschirm gehört für den Direktor der Klinik für Radiologie also zum Alltag. Aber dieser Blick will gelernt sein. „Konzentration gehört dazu. Deshalb ist der hohe Kaffeekonsum auch typisch für Radiologen. Und man muss als Radiologe stressresistent sein. Außerdem braucht es natürlich Talent. Als Radiologe muss man ein visueller Typ sein“, erklärt Heiko Alfke.

Bilder, Bilder und nochmal Bilder: Der Direktor der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie an seinem Arbeitsplatz.

Sein Talent habe er sehr früh im Rahmen seines Medizinstudiums entdeckt: „Wir kamen in die Vorlesung und der Professor stellte uns beim Eintreten in den Hörsaal die Aufgabe, uns den Weg, den wir zur Uni genommen hatten, genau zu merken. Dann begann er mit seinem Vortrag und kam erst einige Zeit später auf diese Aufgabe zurück. Die meisten meiner Studienkollegen hatten sich ihren Weg in Textform gemerkt. Ich sah aber einen Film vor meinem inneren Auge ablaufen. So hatten die Aufgabe aber die wenigsten meiner Kommilitonen gelöst. Das war ein deutlicher Hinweis, dass Bilder für mich ein wichtiges Arbeitsmittel sind.“

Das normale Sehen abgewöhnen

In wenigen Sekunden muss der Radiologe erkennen, welche Befunde er aus einem Bild herauslesen kann. „Das hat natürlich auch etwas mit Training zu tun. Und man muss sich das normale Sehen in gewisser Weise abtrainieren. Der Mensch sucht bei der Betrachtung von Bildern immer nach zusammenhängenden Strukturen – also nach einem Sinn hinter dem Ganzen. Das dürfen wir aber nicht tun, denn dann übersehen wir genau das, was wir suchen, das, was nicht sein darf“, berichtet Heiko Alfke und erzählt dann, dass Mediziner in der Ausbildung bei der Befundung von Bildern oft übersehen, wenn einem Patienten ein Organ, zum Beispiel eine Niere fehlt. „Die Niere gehört auf das Bild – das ist einfach so. Man muss dem Gehirn also antrainieren, diese Veränderungen, diese Regelbrüche auch sofort wahrzunehmen.“

Computerspielen hilft

Sein geschultes und genaues Auge komme ihm auch im Alltag und außerhalb seiner Arbeit zugute. „Wenn ich mit dem Auto auf der Autobahn unterwegs bin, kann ich die Geschwindigkeit der anderen Wagen sehr gut einschätzen. Da hilft das geschulte Auge schon sehr. Und bei Computerspielen auch“, berichtet Heiko Alfke mit einem Augenzwinkern. Und so gehört die Frage „Spielen Sie Computerspiele?“ oft dazu, wenn Heiko Alfke Vorstellungsgespräche führt.

Interventionelle Radiologie

Die medizinisch-technischen Radiologieassistentinnen Andrea Rapp (r.) und Alexandra Rutner-Junker bei der Untersuchung einer Patienten im Computertomographen.

Doch gibt es noch ein anderes Arbeitsfeld, das Heiko Alfke gemeinsam mit seinem Team bestellt. Neben den diagnostischen Untersuchungen gehört auch die interventionelle Radiologie zum Aufgabenspektrum. Interventionelle Radiologie – was hat der Laie sich darunter vorzustellen? Heiko Alfke erklärt: „Die interventionelle Radiologie fasste vor rund 30 Jahren fest Fuß in unserem Fach. Wir führen Gefäß-, Schmerz- und Tumorbehandlungen durch. Ziel der interventionellen Radiologie ist es, mit Hilfe von dünnen Nadeln oder Kathetern unter Bildsteuerung Erkrankungen zu behandeln – also minimalinvasiv. Da wir nur millimetergroße Eintrittspforten für die Eingriffe benötigen, halten wir das Risiko, auch für Infektionen, für den Patienten also relativ gering.“

Chirurgie ohne Skalpell

Den Siegeszug dieser Chirurgie ohne Skalpell hat Heiko Alfke fest im Aufgabenfeld des Radiologen verortet. „Wenn man darüber nachdenkt, ist es logisch, dass wir diese Eingriffe durchführen.“ Der Radiologe habe über die bildgebenden Verfahren die ausschlaggebenden Vorinformationen und gleichzeitig die Kontrolle während des Eingriffs. Gefäßverschlüsse, wie sie bei einem Schlaganfall oder bei der sogenannten Schaufensterkrankheit auftreten, und das Einsetzen von Stents gehören für Heiko Alfke und sein Team deshalb fest zum Tagesgeschäft. Mehrere 1000 Eingriffe im Jahr führt das Team der Klinik für Radiologie am Klinikum Lüdenscheid jährlich durch. Die gute Nachricht für die Patienten: Die stationär behandelten Patienten dürfen mit einem sehr kurzen Aufenthalt im Klinikum rechnen.

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