Serie Klinikum Lüdenscheid

Aus der Ordnung gekommen: Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

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Privatdozent Dr. Ronald Bottlender leitet die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum Lüdenscheid.

Lüdenscheid - Die Lüdenscheider Nachrichten stellen im Rahmen einer Serie alle Fachkliniken des Klinikums Lüdenscheid vor. Dabei werden das jeweilige Leistungsspektrum aufgezeigt und Einblicke in die Arbeit der Mediziner und Pflegekräfte gegeben. Die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie beschäftigt uns in Teil 19.

„Wir betreuen bei uns den Querschnitt der Bevölkerung – den Arbeiter, die Lehrerin, den Geschäftsführer“, erklärt Privatdozent Dr. Ronald Bottlender.

Der Leiter der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum Lüdenscheid weiß um die Vorurteile, die mit seinem Fachbereich zu tun haben: „Wenn die Menschen ‘Psychiatrie’ hören, haben sie immer noch zahlreiche Vorurteile im Kopf. Viele Menschen glauben zum Beispiel, dass bei uns Patienten mit Medikamenten lediglich ruhiggestellt werden oder dass Psychiatrie etwas mit Gehirnwäsche zu tun hat.“

Patienten anfänglich skeptisch

Dass das mit der Realität nichts zu tun hat, versucht Ronald Bottlender immer wieder klarzumachen – doch am Anfang sind die Patienten trotzdem oft skeptisch, aber: „Nach spätestens einer Woche in der Klinik hat sich das Ganze meist aufgelöst. Dann sehen die Patienten, dass sich ihre Vorurteile nicht bestätigt haben. Und dass wir Psychiater und auch die Mitpatienten ganz normale Menschen sind.“

Wenn die Vorurteile aus dem Weg geräumt sind, wird die Sicht frei auf eine Arbeit, die oft viel Zeit in Anspruch nimmt und im Grunde nur dann erfolgreich sein kann, wenn der betreffende Patient erkennt, dass der Hauptteil der Aufgaben von ihm selbst gelöst werden muss.

„Natürlich helfen wir den Patienten und unterstützen sie dabei, ihren Weg aus der Krise zu finden. Wir haben hier aber keine Patentrezepte auf Lager, die wir dem Patienten vorlegen – und dann ist alles wieder in Ordnung“, betont Ronald Bottlender.

Vielfältige Krankheits- und Störungsbilder

Aus der Ordnung gekommen ist die Seele seiner Patienten. Dies kann sich in vielfältigen Krankheits- und Störungsbildern zeigen: in Depressionen, bipolaren Erkrankungen, Psychosen, Angsterkrankungen, Demenzen, Suchterkrankungen, Traumafolgeerkrankungen, Persönlichkeitsstörungen und vielen anderen mehr.

Kreativ heilen: Der Kunsttherapieraum befindet sich wie die Sporthalle im Dachgeschoss des Klinikgebäudes Haus 5.

So vielgestaltig die Krankheitsbilder, so vielgestaltig sind auch die Behandlungspläne. „Jeder Patient ist anders, kommt mit ganz individuellen Problemen zu uns – und mit ganz eigenen Zielvorstellungen, wohin die Therapie ihn führen soll. Dem müssen wir Rechnung tragen. Da gibt es kein ‘Ein Konzept passt für alle’“, betont Ronald Bottlender. Die Angebote der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie reichen von der Einzel- Psychotherapie über die Gruppen-Psychotherapie, Entspannungstraining, Kunst-, Ergo- und verschiedenen bewegungstherapeutischen Angeboten (z.B. Sportund Tanztherapie).

Sportangebote im Freien und in der Halle

„Auch wenn die Seele krank ist – der Körper ist ja immer mit dabei“, erklärt Ronald Bottlender und berichtet dann, dass im Obergeschoss des Klinikgebäudes Haus 5 eine Sporthalle zu finden ist und für die Patienten regelmäßig Sportangebote gemacht werden, die bei schönem Wetter auch im Freien stattfinden können.

Psychologe Ali Yildiz (l.) im Gespräch mit einer Mitarbeiterin in einem der Therapieräume der Klinik.

Ein multiprofessioneller Arbeitsansatz sei Alltag im Klinikum, betont der Mediziner. Auch die Pflege sei zunehmend therapeutisch geworden. „Die Mitglieder der Pflege bilden sich kontinuierlich fachlich weiter und haben in den meisten Fällen auch eine therapeutische Ausbildung. Eine Weiterbildung, die fast alle Mitarbeiter durchlaufen haben, war die zum sytemischen Therapeuten“, erklärt Ronald Bottlender. Durch diese umfassende Qualifizierung sei ein breites Spektrum an Angeboten für die Patienten möglich: „Von Mitarbeitern der Pflege werden so beispielsweise Gruppen für Achtsamkeits- und Genusstherapie, kognitives Training oder auch eine Wandergruppe angeboten.“

Online-Therapie für Menschen mit Depressionen

Und noch ein ganz besonderes Angebot will die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie als therapieergänzende Methode fest einführen: eine Online-Therapie für Menschen mit Depressionen. „Die Patienten durchlaufen ein psychoedukatives Programm mit verschiedenen Modulen. Das können sie ganz unabhängig vom Therapeuten durcharbeiten – und auch nach der Entlassung ambulant weiterführen“, berichtet der Klinikdirektor.

Neben all diesen Behandlungsansätzen sei aber auch der Einsatz von Psychopharmaka in der Therapie wichtig und sinnvoll. „Da haben wir es aber auch wieder mit vielen Vorurteilen zu tun. Und mit dem Problem, dass viele Patienten ihre Medikamente nicht regelmäßig einnehmen. Wir sind aber, und das ist wichtig, generell sehr zurückhaltend beim Einsatz von Medikamenten. Bei manchen Patienten können wir die Therapie auch gänzlich ohne Psychopharmaka durchführen“, betont Ronald Bottlender.

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