Klinikum Lüdenscheid

Klinik für Plastische und Handchirurgie: Keine Angst vorm großen Loch

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Dr. Petra Scheffer bei der Planung eines Mini-Facelifts in örtlicher Betäubung.

Lüdenscheid - Die Lüdenscheider Nachrichten stellen im Rahmen einer Serie alle Fachkliniken des Klinikums Lüdenscheid vor. Dabei werden das Leistungsspektrum aufgezeigt und Einblicke in die Arbeit der Mediziner und Pflegekräfte gegeben. Die Klinik für Plastische und Handchirurgie steht im Blickpunkt unserer 16. Folge.

Egal, wie groß die Wunde ist : „Wir haben keine Angst vor großen Löchern“, sagt Dr. Petra Scheffer, Oberärztin und ab dem 1. April kommissarische Leiterin der Klinik für Plastische und Handchirurgie am Klinikum Lüdenscheid. Die plastische Chirurgie, lange Zeit als Stiefkind oder Teilgebiet der Chirurgie verkannt, habe in den vergangenen Jahren durch innovative Techniken mit spektakulären Operationsverfahren an Stellenwert und Anerkennung gewonnen.

Dabei ist die chronische Wunde ein wichtiges Arbeitsfeld für die Chirurgin. Nach Schätzungen leiden in der gesamten Bundesrepublik rund drei bis vier Millionen Menschen an einer chronischen Wunde vom Typ Dekubitus, einem diabetischen Fußsyndrom oder einem „offenen Bein“. „Und die Zahl der Betroffenen wird in Zukunft wohl noch weiter steigen, weil die Menschen immer älter werden“, erklärt Petra Scheffer.

Hilfe bei offenen Wunden

Eine offene Wunde habe man als Diabetiker schnell, berichtet die Medizinerin aus der Praxis: „Da sie ihre Füße oft nicht mehr richtig spüren, merken sie eben auch nicht, wenn Wunden entstehen und nicht mehr richtig heilen.“ Hilfe sei möglich, auch wenn die Betroffenen dies oft nicht wissen. „Es heißt heute immer noch: ‘Das ist eben so. Eine Operation lohnt nicht, die ändert nichts.’ Aber das stimmt einfach nicht. Heutzutage können wir eine ganze Menge tun und bewegen“, betont die Oberärztin und erklärt begeistert weiter: „Wir setzen moderne plastisch-chirurgische Techniken zum Erhalt der Extremität ein mit Weichteil- und Oberflächenersatz aller Art mit dem Ziel einer verbesserten Funktion und Lebensqualität.

Gewebeverpflanzungen mit Hilfe des Operationsmikroskops

Hierzu ist es wichtig auch fachübergreifend mit zum Beispiel der Gefäßchirurgie oder der Unfallchirurgie zusammen zu arbeiten. Unter dem Einsatz des Operationsmikroskops können große Gewebeverpflanzungen am Patienten durchgeführt werden. So können wir heutzutage oft ein Bein retten- nicht nur bei chronischen Wunden, sondern auch bei bösartigen Tumoren oder großen Verletzungen durch Unfälle.“

Wundversorgung ohne Messer und Schmerzen

Aber es muss nicht immer eine große Operation sein. Den Medizinern stehen heute schonende Möglichkeiten zur Verfügung. „Wir arbeiten bei der Wundsäuberung zum Beispiel mit Ultraschall, also ganz ohne Messer und ohne große Schmerzen“, erklärt Petra Scheffer und fügt hinzu, dass dieses Verfahren bislang nur an wenigen Kliniken zum Einsatz komme.

Wundsäuberung ähnelt einer Zahnsteinentfernung

Die richtige Versorgung von Wunden ist für die Ärzte der Klinik für Plastische und Handchirurgie ein wichtiges Thema.

Die Wundsäuberung sei mit einer Zahnsteinentfernung beim Zahnarzt vergleichbar, berichtet die Medizinerin. Das Gute an dieser Art der Behandlung: „Das Verfahren ermöglicht uns, sehr selektiv und genau zu arbeiten. Das schont den Patienten, seine Haut und das Gewebe.“ Wichtig sei die regelmäßige Durchführung der Behandlung. „Da ist beim Patienten ein wenig Geduld gefragt. Von heute auf morgen geht das Ganze natürlich nicht“, betont die Ärztin.

„Genauso wenig ist bekannt, dass viele Menschen unter Nervenkompressionssyndromen der Beine leiden- ähnlich wie dem Karpaltunnelsyndrom an der Hand. Hier führen wir die Nervenmessung durch und eröffnen die Engstellen an den unteren Extremitäten, so dass die Patienten nachts wieder besser schlafen können, da das ständige Kribbeln weg ist.“

Ästhetisch-kosmetische Chirurgie

Neben diesem Arbeitsfeld gehört auch die ästhetisch-kosmetische Chirurgie zum Aufgabenbereich der kommissarischen Klinikdirektorin. Narbenkorrekturen, die Verkleinerung oder Vergrößerung der Brust, Fettabsaugungen, die Körperformung mit Eigenfett, die Korrektur von Falten mit oder ohne Operation sowie Straffungsoperationen gehören zum Leistungsspektrum.

Auch für Patientinnen, die in Folge einer Krebserkrankung eine Brust verloren haben, sind Petra Scheffer und ihre Kollegen die richtigen Ansprechpartner: „Wir können die Brust wieder aufbauen – mit Eigengewebe oder mit Implantaten. Für die Psyche der Patientinnen ist das ganz wichtig, dass wir ihnen in dieser ohnehin belastenden Lebenssituation helfen können.“

Verbrennungen, Verätzungen oder Erfrierungen

Eine chronische Wunde: Die Behandlung ist zeitintensiv und fordert Geduld – aber sie ist erfolgversprechend.

Gleiches gelte auch für die Menschen, die mit Verbrennungen, Verätzungen oder Erfrierungen ins Klinikum Lüdenscheid gebracht werden. Erfrierungen in der Bergstadt? „Ja, die kann man sich auch hier in Lüdenscheid einfangen. Wir sehen diese Fälle selten aber immer mal wieder“, berichtet Petra Scheffer. Hauptsächlich habe sie es in diesem Bereich jedoch mit Verbrühungen bei Kindern zu tun. „Die Behandlung ist aufwendig und teuer – aber es lohnt sich in jedem Fall“, erklärt die plastische Chirurgin. Die speziellen Verfahren sorgen für Schmerzlinderung und gleichzeitig auch dafür, dass keine Infektionen entstehen.

Handchirurgie ist ein großer Zweig

Der Bereich der Handchirurgie ist ein weiterer großer Zweig des Einsatzfeldes der Medizinerin. Sie berichtet: „Wir versorgen Handverletzungen aller Art und Schwere bis zu Replantationen. Die richtigen Ansprechpartner sind wir auch dann, wenn Patienten chronische Schmerzen des Handgelenks haben. Oft ist eine Spiegelung des Handgelenks notwendig, um Veränderungen zu sehen, die im MRT oder CT nicht sicher beurteilbar sind. Weitere Möglichkeiten werden dann mit dem Patienten eingehend besprochen. So führen wir dann Bandnähte oder Bandersatzplastiken durch, knöcherne Umstellungen wie Verkürzung oder Verlängerung der Elle oder der Speiche bis hin zu Versteifungsoperationen, aber auch hier können wir den Patienten eine Verbesserung anbieten: der Gelenkersatz. ‘Neue Gelenke‘ gibt es nicht nur für die Hüfte oder das Knie sondern eben auch für das Handgelenk oder die Grund- und Mittelgelenke der Finger.“ Petra Scheffer ist immer noch begeistert von der Vielseitigkeit ihres Faches und den immer weiter perfektionierten Techniken.

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