Klinikum Lüdenscheid

Nuklearmedizin - Technik mit Premium-Faktor

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Den Freizeit- und Aufenthaltsraum vor mediterraner Kulisse genießt Professor Dr. Rolf Larisch lediglich fürs Foto. Dagegen wissen die Schilddrüsen-Patienten das Angebot sehr wohl zu schätzen.

Lüdenscheid - Die Lüdenscheider Nachrichten stellen im Rahmen einer Serie alle Fachkliniken des Klinikums Lüdenscheid vor. Dabei werden das jeweilige Leistungsspektrum aufgezeigt und Einblicke in die Arbeit der Mediziner und Pflegekräfte gegeben. Die siebte Folge dreht sich um die Klinik für Nuklearmedizin.

Die Warnhinweise vor radioaktiver Strahlung an den Türen sind unübersehbar. Doch einen Super-Gau muss im Untergeschoss des Klinikums in Lüdenscheid niemand befürchten. Ganz im Gegenteil: Die Nuklearmedizin setzt die Strahlenwirkung zur Diagnostik und Therapie ein. „Wir haben hier aber kein Uranlager“, lacht Klinikdirektor Professor Dr. Rolf Larisch. Trotzdem gebe es vom Gesetzgeber strenge Auflagen. Die Hinweisschilder sind in erster Linie eine Orientierungshilfe für die Feuerwehr.

Die Nuklearmediziner nutzen radioaktive Strahlung, um Krankheiten aufzuspüren. Mit entsprechend höheren Dosen können manche Krankheitsherde sogar zerstört werden. Mehr als die Hälfte der Patienten der Nuklearmedizin leidet unter einer Schilddrüsenerkrankung; Knochen- und Herzkrankheiten bilden einen weiteren Schwerpunkt der täglichen Arbeit in der Lüdenscheider Nuklearabteilung.

Strahlenbelastung meistens weniger intensiv als beim Röntgen

Die Schilddrüse gilt als Motor des Stoffwechsels. Ultraschalluntersuchungen sind eine Möglichkeit, einem Schaden auf die Spur zu kommen, eine andere ist die nuklearmedizinische Szintigraphie. Dabei wird dem Patienten eine schwach radioaktive Substanz gespritzt und danach bildlich dargestellt, wie sie sich verteilt hat. Dies gibt den Fachleuten eine eindeutige Übersicht, was in dem Organ falsch läuft. „Selbstverständlich ist eine Strahlenbelastung da, aber sie ist meistens weniger intensiv als beim Röntgen“, erklärt Professor Dr. Larisch.

Radiojodtherapie ersetzt häufig die Operation

Eine für den Patienten völlig schmerzfreie Behandlungsmethode ist die Radiojodtherapie. Eine Kapsel mit Jod 131 führt zur Beseitigung des geschädigten Schilddrüsengewebes. „Damit entfällt häufig die Operation“, verweist der Klinikchef auf die angenehme Seite. Mindestens 48 Stunden bleiben die „strahlenden Patienten“ auf ihrer Station isoliert.

„In anderen Häusern sind graue Betonmauern vor den Fenstern, bei uns geht der Blick ins Grüne“. Eine Bibliothek mit Spielecke, eingerahmt von einem mediterranen Tapetenbild, sorgt unter Ausschluss der Öffentlichkeit für einen angenehmen Zeitvertreib. Einzig die Bleiplatten vor den Betten und die superschweren, mit Metall gefüllten Holztüren, weisen auf die Besonderheit dieser Station hin.

"Wir haben die besten und tollsten Geräte"

Die technische Ausstattung hält Vergleichen mit großen Universitätskliniken locker stand.

Richtig stolz ist der Klinikchef der Nuklearmedizin auf seine technische Ausstattung. „Wir haben die besten und tollsten Geräte. 13.000 Patienten werden damit pro Jahr in der Nuklearmedizin untersucht und behandelt. Damit sind wir bundesweit eines der größten Zentren. Viele Universitätskliniken haben nicht diesen Zulauf.“

Premium-Ausstattung kam nicht über Nacht

Die Premium-Ausstattung kam natürlich nicht über Nacht. Im Jahr 2001 wurde die Positronen-Emissionstomographie (PET) am Klinikum etabliert. Alle 14 Tage fuhr ein Sattelschlepper mit einem Untersuchungscontainer hinter den Ost-Flügel des Krankenhauses. Ausgerechnet dort befand sich ein Funkloch, das die Kommunikation mit den Mitarbeitern im PET unmöglich machte.

Fundiertes Basismaterial für die Kollegen

Krebsgeschwüre, Tumore oder Knochenentzündungen – mit Hilfe der neuesten Technik lassen sich Veränderungen im Körper punktgenau lokalisieren.

Das ist Schnee von gestern. Heute werden mit dem Kombinationsgerät PET-CT Veränderungen der Herzkranzgefäße, Krebsgeschwüre, Tumore oder Knochenentzündungen sichtbar gemacht. „Durch die technischen Möglichkeiten erhalten wir eine ideale Übersicht, was sich wo und wie im Körper verändert hat.“ Mit diesem fundierten Basismaterial ausgestattet, können die Kollegen der anderen Abteilungen die entsprechende Eingriffe einleiten.

Alzheimer-Krankheit in frühem Stadium diagnostizierbar

Allerdings stoßen die Nuklearmediziner manchmal an ihre Grenzen und stehen dann vor unüberwindbaren Hürden. „Zum Beispiel können wir die Alzheimer-Krankheit in einem frühen Stadium diagnostizieren, indem wir die krankhaften Eiweißablagerungen im Gehirn der Patienten aufdecken. Es gibt aber keine zufriedenstellende Therapie“, bedauert Professor Dr. Larisch. „Trotz weltweiter Forschung werden noch große Anstrengungen erforderlich sein, bis die Alzheimer-Krankheit besiegt werden kann.“

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