Klinikum Lüdenscheid

Die Dialyse als Perspektive für die Menschen

+
Prof. Dr. Jan Galle kann mit der Dialyse eine einzigartige Behandlung anbieten: Nur für die Nieren ist mit der Dialyse eine Organersatztherapie über einen längeren Zeitraum möglich. Für andere Organe gibt es keine Langzeitmethode.

Lüdenscheid - Die Lüdenscheider Nachrichten stellen im Rahmen einer Serie alle Fachkliniken des Klinikums Lüdenscheid vor. Dabei werden das jeweilige Leistungsspektrum aufgezeigt und Einblicke in die Arbeit der Mediziner und Pflegekräfte gegeben. Die Klinik für Nephrologie und Dialyse wird in Folge Nummer sechs vorgestellt.

Für neue Nierenpatienten hat Prof. Dr. Jan Galle eine gute und eine schlechte Nachricht parat: „Die Schlechte: Sie müssen an die Dialyse. Die Gute: Sie dürfen an die Dialyse.“ Was hierzulande wie ein selbstverständliches Überlebensangebot wirkt, ist in vielen Ländern noch Utopie.

Selbst im England der 80er-Jahre erlebte der Direktor der Klinik für Nephrologie und Dialyse und Chefarzt der Inneren IV der Märkischen Kliniken als Student Unvorstellbares: Einem 54-jährigen Pfarrer wurde empfohlen, sich von seinen Schäfchen in der Gemeinde zu verabschieden. Für die lebensrettende Dialyse sei er nun mal zu alt. „Diese Einstellung hat sich zum Glück geändert.“

Schwester Wanda und Oliver Plewa sind längst ein eingespieltes Team.

Der Begriff Dialyse kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Auflösung“ beziehungsweise „Trennung“. Dabei handelt es sich um eine künstliche Blutwäsche bei Menschen mit schweren Nierenschäden, deren Organe den Körper nicht mehr von giftigen Substanzen und überflüssigem Wasser befreien können. In den meisten Fällen wird das Blut über ein externes Gerät gereinigt, beim zweiten klassischen Verfahren erfolgt die Entgiftung über das Bauchfell. Einzig für die Nieren kann mit der Dialyse eine Organersatztherapie angeboten werden. „Für Leber oder Herz ist das über einen längeren Zeitraum nicht möglich. Einer unserer Patienten ist seit 40 Jahren in Behandlung.“ Häufig sind ältere Menschen von den Funktionsstörungen betroffen. „Aber die Altersspanne reicht von 20 bis 90 Jahren.“

"Missbrauch bei den Lebertransplantationen hat auch uns geschadet"

Ist das Organ chronisch geschädigt, kann nur eine Transplantation die Dialyse ersetzen, sofern der Patient auch die körperlichen Voraussetzungen mitbringt. 20 seiner Patienten stehen derzeit auf der Warteliste. „Wir bereiten die Menschen auf den Eingriff vor und übernehmen auch die Nachsorge. Die Operation erfolgt an einer Uni-Klinik.“ Doch dafür ist eine Menge Geduld notwendig. Acht bis zehn Jahre dauert es in der Regel, bis eine Spenderniere verpflanzt werden kann. „Der Missbrauch bei den Lebertransplantationen hat auch uns geschadet, obwohl es in der Nephrologie keine Unregelmäßigkeiten gab. Aber wir haften mit. Das Spendenaufkommen ist extrem niedrig“, bedauert Prof. Galle. Deshalb sei die hochwertige Ersatztherapie umso wertvoller.

"Die Menschen haben auf jeden Fall eine Perspektive

Drei halbe Tage pro Woche gehen mit An- und Abfahrt, der Vorbereitung und der jeweils viereinhalbstündigen Sitzung für die Behandlungsphase drauf. „Das klingt auf den ersten Blick vielleicht sehr einschränkend für den Patienten in seinem Tagesablauf, andererseits ist er auch vier Tage in der Woche nicht an der Dialyse. Die Menschen haben auf jeden Fall eine Perspektive.“ Und weil die Klientel über Jahre und Jahrzehnte an die Märkischen Dialysezenten mit Einrichtungen in Letmathe und Lüdenscheid gebunden ist, haben die meisten auch ein paar persönliche Habseligkeiten auf den Stationen, die das Team bei den Vorbereitungen gleich parat hat.

Die Oberärzte Dr. Klaus Kalb und Dr. Birgit Hildenbrand sowie Patientin Gabriele Nippel wissen gemeinsam die neuen Dialyse-Räume zu schätzen.

Mit sechs Fachärzten und 34 Pflegekräften betreut die Klinik für Nephrologie und Dialyse unter Prof. Dr. Galle rund 600 stationäre und 250 ambulante Patienten im Jahr. Während Konstanz beim Personal ein gravierender Faktor ist, sind Veränderungen im technischen und baulichen Bereich nicht minder wichtig. Nur einen Steinwurf vom Haupthaus in Hellersen entfernt liegt das neue Dialysegebäude mit 39 Plätzen in Lüdenscheid – zehn weitere werden in Letmathe vorgehalten. Der Vorteil der kurzen Wege komme Ärzten wie Patienten gleichermaßen zu Gute, sollte die Aufnahme in anderen Kliniken notwendig werden.

Nur Wenige kommen für Heim-Dialyse in Frage

Die Fahrten von zu Hause zum Behandlungszentrum übernehmen die Krankenkassen – egal, ob Taxi oder Liegendtransport. Häufig hat ein Droschkenfahrer einen bestimmten Kundenstamm. „Das ist dann sehr angenehm für den Patienten.“ Noch angenehmer und finanziell günstiger werde es, wenn er die Dialyse selbstständig zu Haus durchführen könne. Dafür aber kämen nur Wenige in Frage. Die können dann, mit der entsprechenden Apparatur ausgestattet, selbstständig die Behandlung beim Krimiabend vornehmen. Tatort Heimdialyse bei Tatort Münster: Thiel und Boerne lieferten mit einer Episode gleich das Programm für die abendliche Therapie mit: „Mord ist die beste Medizin.“

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare