Klinikum Lüdenscheid

Für das Herz zählt jede Minute

Privatdozent Dr. Markus Zarse leitet die Rhythmologie der Abteilung. Sämtliche Störungen können hier mit modernster Technik behandelt werden, damit das Herz wieder in die Balance kommt.

Lüdenscheid - Die Lüdenscheider Nachrichten stellen im Rahmen einer Serie alle Fachkliniken des Klinikums Lüdenscheid vor. Dabei werden das jeweilige Leistungsspektrum aufgezeigt und Einblicke in die Arbeit der Mediziner und Pflegekräfte gegeben. Der zehnte Teil beschäftigt sich mit der Klinik für Kardiologie und Angiologie.

Mit dem bekannten Sprichwort „Zeit ist Geld“ lässt sich in diesem Fall wenig anfangen, obwohl erst recht jede Minute zählt. Denn statt des schnöden Mammons geht es um viel Kostbareres: das Überleben. Jeden Monat zählt die Kardiologie in Lüdenscheid mehr als 30 Herzinfarkt-Patienten. „In der Akutbehandlung sind wir führend“, betont Klinik-Direktor Professor Dr. Bernd Lemke. „Sie ist unser Brot-und-Butter-Geschäft.“

Seit 2003 ist der Herzspezialist in Hellersen tätig. Der Blick zurück ist eine Mischung aus spürbarer Erleichterung und großer Zufriedenheit mit dem Erreichten. Bis zum Umzug in den Neubau im Haupthaus mit modernstem Funktionstrakt im Jahr 2010 war die Kardio- und Angiologie in einem „Unterschlupf“ im Nebentrakt untergebracht. „Die Patienten lagen damals zum Teil auf den Fluren. Die Zustände waren für jeden eine Zumutung“, erinnert sich Professor Lemke.

Aber schon in dieser Phase ging es mit dem Behandlungsaufkommen und der technischen Ausstattung stetig nach oben. 2005 konnte mit dem zweiten Katheter-Messplatz die Elektrophysiologie ausgebaut werden. „Bis dahin teilten wir uns die Apparatur mit der Radiologie.“

Umzug ins Haupthaus hat den Ablauf verbessert

Seit dem Umzug ins Haupthaus hat sich für Patienten, Ärzte und Pfleger der Ablauf spürbar vereinfacht – kurze Wege, schnelle Entscheidungen, bessere Behandlungsmöglichkeiten und eine würdige Unterbringung. 1200 Quadratmeter machen die Klinik zu einem Erfolgsfaktor. Das alles drückt sich in wenigen Zahlen eindrucksvoll aus: Vor zehn Jahren versorgte das Team rund 2400 Patienten im Jahr, inzwischen werden 6000 Herzerkrankungen stationär, weitere 4000 ambulant versorgt. Ohne den dritten Katheterplatz wären die Leistungen nicht zu erfüllen.

24-Stunden-Bereitschaft für den Märkischen Kreis

Der Infarkt birgt nach wie vor das größte Risiko für den Betroffenen. „Entscheidend ist die schnelle Versorgung. Für akute Herzinfarktfälle haben wir eine 24-Stunden-Bereitschaft für den Märkischen Kreis.“ Wird ein Infarkt vom Notarzt diagnostiziert, ist ein Team von Ärzten und Schwestern bereits im Kathederlabor, bevor der Patient eintrifft.

Mit drei Katheterplätzen kann die Kardiologie die Zahl der Eingriffe optimal bewältigen.

Gerät das Herz, das im Normalfall 60 bis 100 Mal in der Minute schlägt, aus dem Takt, ist die Verunsicherung gewaltig. „Wir sind für eine schnelle Primärdiagnostik gerüstet.“ Herzklopfen vor Aufregung, vor Freude oder wegen einer stressigen Situation kann ganz normal sein. Ist die Situation wieder bereinigt und die Schlagzahl angepasst, ist alles im grünen Bereich.

Fährt das Minikraftwerk die Frequenz nachhaltig nach oben, ist ärztliche Hilfe entscheidend. „Vorhofflimmern ist die häufigste Rhythmusstörung und die zweithäufigste Fallzahl in der Notaufnahme.“ Damit es der Patient wieder ruhiger angehen lassen kann, wird Herzmuskelgewebe verödet.

Deutschlandweit in der Spitzengruppe

400 solcher Eingriffe werden Jahr für Jahr im Klinikum vorgenommen. „Wir sind damit deutschlandweit in die Spitzengruppe vorgestoßen und haben uns breite Anerkennung erworben“ unterstreicht Professor Lemke. Damit steht Hellersen auf einer Stufe mit renommierten Häusern in Bad Oeynhausen, Düsseldorf oder Bad Nauheim.

Schrittmacher und Defibrillatoren machen den dritten großen Bereich der Kardio- und Angiologie-Klinik aus. Mit fast 500 Operationen zählt das Haus auch auf diesem Sektor zu den führenden Einrichtungen. „Es gibt nicht viele Kliniken, die so ausgestattet sind wie wir.“

Minimal-invasive Eingriffe statt aufwendiger Operationen

Medizinische Innovationen haben Technik und Mensch gleichermaßen im Blick. So schreiten minimal-invasive Eingriffe statt aufwendiger Operationen voran, bei über 80-Jährigen sind verkalkte Aortenklappen längst keine unlösbaren Fälle mehr. „Wir bieten an diesem Standort Leistungen der Spitzenmedizin an. So führen wir seit zwei Jahren den Ersatz der Aortenklappe über einen Herzkatheter durch. Damit haben wir eine Maximalversorgung in der Fläche.“

Prof. Dr. Bernd Lemke (l.), Direktor der Klinik für Kardio- und Angiologie, hat gemeinsam mit seinem Team die Abteilung bundesweit auf einem Spitzenplatz positioniert.

Die Eingriffe werden in enger Kooperation mit der Herzchirurgie des Klinikums Dortmund durchgeführt. Ein Herzchirurg ist immer vor Ort. Auch wenn die Kostenträger diese Kooperationen begrenzen wollen, so hält man in Lüdenscheid doch am weiteren Ausbau dieser innovativen Methoden fest.

Als wichtiges Element im gesamten Versorgungsspektrum habe sich die Komfortstation etabliert. „Sie hat sich positiv entwickelt und zu einer Zunahme an Patienten geführt.“Ein reges Echo findet Professor Dr. Lemke auch außerhalb seiner Klinik. Die Kardiologie-Symposien und Herz-Patienten-Seminare beleuchten aus unterschiedlichen Blickwinkeln für Mediziner und Laien das Neueste aus Wissenschaft und Forschung. Schließlich sollen auch im kleinsten Kraftwerk Störfälle verhindert oder zumindest schnell beseitigt werden.

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